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Extremsport495-Tage-Marathontour führt Läuferin Joyce Hübner auch ins Oberbergische

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Joyce Hübner läuft 495 Marathons am Stück durch alle deutschen Städte. Hier ist sie gerade auf dem Weg nach Kierspe bei ihrem 334. Marathon

Joyce Hübner (zweite von links) läuft 495 Marathons am Stück durch alle deutschen Städte. Hier ist sie gerade auf dem Weg nach Kierspe bei ihrem 334. Marathon

Die Berlinerin Joyce Hübner läuft seit Monaten täglich einen Marathon – ihre 495-Tage-Tour führt auch durch den Oberbergischen Kreis.

Seit fast einem Jahr ist die 38-jährige Joyce Hübner auf einer außergewöhnlichen Mission unterwegs: Sie läuft jeden Tag einen Marathon – quer durch Deutschland, durch Städte, über Felder, durch Wälder und über Berge. 495 Tage lang soll dieses Projekt dauern. Gestartet ist sie am 1. Juni vergangenen Jahres in Helmstedt, das Ziel liegt am 8. Oktober in Berlin. Insgesamt will sie dabei alle 2059 Städte Deutschlands durchqueren, mehr als 21.000 Kilometer zurücklegen und über 200.000 Höhenmeter bewältigen. Nun lief sie auch durch das Oberbergische. Am Donnerstag führte die Laufroute von Ösinghausen in Burscheid bis nach Kierspe unter anderem durch Hückewagen, und durch mehrere Wipperfürther Ortschaften, darunter Egen.

Begleitet wird Joyce Hübner bei ihrem ambitionierten Projekt von ihrem Partner Sven, den sie augenzwinkernd „den Praktikanten“ nennt. Während sie läuft, organisiert er im Hintergrund die gesamte Logistik – angefangen von Verpflegungspunkten auf dem Laufweg bis hin zur Buchung von Unterkünften.

Viele Begegnungen unterwegs

Unterwegs gehe es auch um die richtige Ausrüstung. Gerade bei dieser Belastung spiele das eine große Rolle, sagt Hübner. Deshalb setzt sie auf einen einfachen, aber effektiven Trick: „Ich wechsle jeden Tag die Schuhe, damit sie sich zwischendurch erholen können“, erzählt die. Mehrere Schuhpaare sind ständig im Einsatz, viele hat sie schon aussortiert. Insgesamt hat sie bei dem Projekt schon 27 Paar getragen.

Ein großer Teil des Projekts findet auch online statt. Auf Social Media verfolgen inzwischen über eine halbe Million Menschen ihre Tour, auf ihrer Website kann man sogar live sehen, wo Joyce Hübner gerade unterwegs ist. Gleichzeitig finanziert sich das Projekt genau über diese Reichweite – unter anderem durch Werbepartner, die sie über ihre Kanäle gewinnt.

Dabei sind die meisten Rückmeldungen positiv, aber auch ein paar negative Kommentare sind immer wieder unter ihren Beiträgen zu finden. „Wenn 300 nette Kommentare geschrieben werden und einer ist richtig gemein, dann bleibt genau der im Kopf“, sagt Hübner. Interessant ist dabei: Auf der Strecke selbst habe sie so etwas noch nie direkt erlebt. Stattdessen lädt sie Kritiker immer wieder ein, einfach mal ein Stück mitzulaufen – bisher habe das allerdings noch niemand gemacht.

Wenn 300 nette Kommentare geschrieben werden und einer ist richtig gemein, dann bleibt genau der im Kopf
Joyce Hübner

Die vielen Begegnungen unterwegs gehören für sie trotzdem fest dazu. Immer wieder schließen sich Menschen spontan an und laufen ein Stück mit. Eine von ihnen ist Steffi aus Berlin, die inzwischen bei mehr als 55 Marathons an Hübners Seite dabei war. Als Lehramtsstudentin kann sie sich immer wieder ein paar Tage freinehmen, läuft mehrere Etappen mit und fährt dann zurück in die Hauptstadt. Ihr persönliches Ziel: die 100 Marathons vollmachen.

Einmal in der Woche nimmt Joyce Hübner sich allerdings bewusst Zeit nur für sich und läuft alleine. Das brauche sie, um wieder etwas runterzukommen und ihre „soziale Batterie“ aufzuladen.

Die Idee für das Projekt entstand nach früheren Langstrecken-Erfahrungen, darunter auch eine komplette Umrundung Deutschlands in 120 Marathons. Schnell war klar, dass es noch einmal größer werden sollte. Entsprechend aufwendig fiel die Vorbereitung aus: Rund 16 Monate steckten in der Planung, einen großen Teil der Etappen hat Hübner selbst im Detail ausgearbeitet.

Wenn alles nach Plan läuft, und Joyce Hübner ihr Ziel erreicht, würde sie den bisherigen Rekord von 366 aufeinanderfolgenden Marathons deutlich übertreffen. Viel wichtiger ist für sie momentan aber etwas anderes: jeden Tag loszulaufen und weiterzumachen.