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UmweltAsiatische Hornisse breitet sich auch im Oberbergischen weiter aus

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Asiatische Hornissen sitzen auf ihrem Nest.

Die Nester der Asiatischen Hornisse können mehrere tausend Tiere beherbergen.

Immer mehr Imker im Oberbergischen melden Sichtungen der Asiatischen Hornisse und warnen vor Folgen.

Noch ist sie im Oberbergischen kein flächendeckendes Problem, doch immer mehr Imker berichten von Begegnungen mit der Asiatischen Hornisse. Sie ist längst in der Region angekommen – und sorgt zunehmend für Aufmerksamkeit nicht nur an den Bienenständen.

Auch Sebastian Klein von der Authentico Bioland Imkerei aus Waldbröl kennt das Problem aus eigener Erfahrung. „Ich sehe die Tiere immer wieder an meinen Ständen“, sagt er. Größere Verluste hat er bislang zwar nicht erlitten, doch der Blick in andere Regionen bereitet ihm Sorgen.

Das kann uns hier in ein bis drei Jahren auch erwarten, wenn wir keine Schutzmechanismen finden.
Sebastian Klein, Imker

Die aus Südostasien stammende Asiatische Hornisse ist ein effektiver Jäger. Vor allem Honigbienen gehören zu ihrer Beute. Sie lauert vor den Bienenstöcken, fängt die Tiere im Flug und kann im schlimmsten Fall ganze Völker zerstören. „In anderen Teilen Deutschlands gibt es bereits verheerende Bilder. Komplette werden Bienenvölker aufgefressen“, berichtet Klein und warnt: „Das kann uns hier in ein bis drei Jahren auch erwarten, wenn wir keine Schutzmechanismen finden.“

Noch scheint die Lage im Oberbergischen vergleichsweise ruhig. Wie viele asiatische Hornissen oder Nester es derzeit im Kreis gibt, lässt sich allerdings nicht genau sagen. Gleichzeitig hat sich der rechtliche Umgang verändert: Die Art gilt inzwischen als etabliert, eine Meldepflicht besteht nicht mehr. Für viele Imker sorgt das für Unsicherheit. „Momentan fühlt sich keiner mehr richtig zuständig“, sagt Klein.

Gefahr für Bienen und Biodiversität

Auch Johannes Schuster, erster Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Engelskirchen und Umgebung, beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Nach Einschätzung der Imker geht die Gefahr jedoch über die Honigbienen hinaus. „Die Biodiversität geht verloren“, sagt Schuster. Die Asiatische Hornisse ernährt sich von Insekten, Kadavern, Obst, Fruchtsäften und Nektar. In anderen Regionen Europas hat die mittlerweile etablierte Art bereits massive Schäden in Wein- und Obstanbaugebieten verursacht und ganze Bienenvölker vernichtet. „Die fressen alles, was nicht niet- und nagelfest ist.“

Schuster warnt davor, sich eigenständig an die Nester der Asiatischen Hornisse zu wagen. „Die Masse macht es.“ In einem Nest können sich mehrere tausend Tiere befinden. Vor allem beim Annähern an das Nest reagiere die asiatische Hornisse deutlich konsequenter als heimische Arten.

Schuster selbst hat in diesem Jahr bereits zwei Königinnen mit einem Netz gefangen und anschließend bei minus 18 Grad im Gefrierschrank abgetötet. Das sei aus seiner Sicht eine schonende Methode. Weil er die Tiere früh entdeckt hat, hat es an seinen Bienenständen bislang noch keine größeren Probleme gegeben.

Schutzmaßnahmen an den Bienenstöcken

Anders als in anderen Ländern sind Fallen in Deutschland unter anderem zum Schutz heimischer Arten nicht erlaubt. Stattdessen setzen viele Imker, auch im Oberbergischen, auf andere Maßnahmen. Dazu gehören etwa spezielle Netze oder Absperrgitter vor den Bienenstöcken. Diese sollen die asiatische Hornisse irritieren und ihre Flugbahn verändern, so dass sie nicht in die Bienenstöcke gelangen.

Die Entfernung der Nester ist nicht einfach. Während sich sogenannte Sekundärnester oft hoch oben in Baumwipfeln befinden, können Primärnester auch in Hecken oder Gärten auftreten. Deshalb raten Imker dazu, Hecken und Sträucher vor dem Rückschnitt genau zu kontrollieren. Schuster betont, dass für eine sichere Entfernung spezielle Schutzkleidung und technische Ausrüstung notwendig seien. „Die Ausrüstung ist sehr teuer und selbst damit bleibt die Entfernung extrem gefährlich“, sagt er.

Inzwischen gibt es Förderungen: Für die fachgerechte Entfernung werden je nach Lage des Nests zwischen 150 und 300 Euro gezahlt, auch Schutzausrüstung und Spezialgeräte werden bezuschusst.

Für Menschen ist die Asiatische Hornisse nicht giftiger als heimische Arten, das Territorialverhalten sei jedoch deutlich ausgeprägter. Deshalb gilt: Nester sollten auf keinen Fall eigenständig entfernt werden. Stattdessen rät Schuster Bürgern dazu, sich bei einem Nestfund an den nächsten Imker zu wenden. „Die Imker wissen alle über die Asiatische Hornisse Bescheid.“

Zusätzlich sollten Sichtungen an die Untere Naturschutzbehörde des Oberbergischen Kreises gemeldet werden.