Oberberg – Wer oder was ist Wellers Eckenhagener? Kaum jemand kennt noch die historische bergische Apfelsorte. Sie ist bereits im Jahr 1780 in Eckenhagen entstanden, und Hermann Weller aus Eckenhagen ist ihr Entdecker. Er war Baumwollspinner und fand in einem Ballen amerikanischer Baumwolle einen Apfelkern. In seinem Garten zog er daraus einen Apfelbaum: Wellers Eckenhagener. So beschrieb der Pomologe August Friedrich Adrian Diel 1819 die Entstehung des zu dieser Zeit rund 40 Jahre alten Baumes.
Von diesem Ursprungsbaum wurden Reiser zur Veredelung verteilt. Die Apfelsorte breitete sich aus und wurde bekannter. Vermutlich gelangte sie sogar bis nach Österreich. Als eine der wenigen bergischen Sorten wurde sie in vielen pomologischen Werken des 19. Jahrhunderts erwähnt. Sie gelangte 1859 sogar ins „Illustrierte Handbuch der Obstkunde“ von Johann Georg Conrad Oberdieck. Danach geriet sie wie viele andere Sorten in Vergessenheit und wurde seit den 1930er Jahren nicht mehr angebaut.
Die süßsäuerlichen Früchte des Wellers Eckenhageners werden im Oktober reif und können bis Dezember verzehrt werden. Sie haben eine gold-gelbe Färbung, oft mit orangeroter Backe und berosteter Stielgrube. Es ist nicht bekannt, wie viele Bäume dieser Art bis heute erhalten blieben.
Erst im Jahr 2015 tauchte die Sorte wieder auf, als die Mitarbeiter der Biologischen Station Oberberg bei der Arbeit zum Obstsortenerhalt auf einen Obstwiesenplan stießen, in dem diese Sorte verzeichnet war. Nach intensiver Literatur-Recherche ist man sich ziemlich sicher, dass es sich um einen der letzten Bäume des verloren geglaubten „Wellers Eckenhagener“ handelt.
So wurde diese alte Apfelsorte 235 Jahre nach ihrer Entstehung im Bergischen Land genau dort wiederentdeckt. Und wieder werden Reiser geschnitten, um neue Jungbäume anzuziehen und im Bergischen neu pflanzen zu können. Tipp: Da er etwas schorfanfällig ist, sollte er in offener, windiger Lage gepflanzt und regelmäßig geschnitten werden.
Mehr Infos über heimisches Obst gibt es im Handbuch „Lokale und regionale Obstsorten – neu entdeckt“. Es ist erhältlich bei der Biologischen Station in Nümbrecht zum Preis von sieben Euro. (r)
www.biostationoberberg.de