Abo

Interview

Ausblick auf 2026
Bergneustadts Bürgermeister Thul spricht über große und kleine Vorhaben

3 min
Matthias Thul im Porträt.

Matthias Thul wurde im September wiedergewählt.

Im Interview blickt der wiedergewählte Bergneustädter Bürgermeister Matthias Thul auf ein neues Jahr voller Herausforderungen.

Matthias Thul (45, CDU) ist seit dem Herbst 2020 Bürgermeister der Stadt Bergneustadt. Bei der Wahl im letzten Spätsommer gaben ihm 61 Prozent der Wählerinnen und Wähler die Fahrkarte für eine zweite Amtszeit. Im Interview spricht er über die großen und kleinen Vorhaben für 2026.

Herr Thul, welches Thema muss in Bergneustadt bis Ende 2026 abgeschlossen sein?

Der Garten Krawinkel, der Brückenschlag und der Weg unterhalb der Altstadt werden fertig. In Wiedenest wollen wir mit dem Umbau der Grundschule und der Sanierung der Bahnhofstraße beginnen, die das Baugebiet erschließen wird. Und die Gründung der Entwicklungsgesellschaft sollten wir auf den Weg bekommen, wahrscheinlich schon im ersten Halbjahr.

Die neue Gesellschaft soll auf dem früheren Extramarkt-Gelände für günstigen Wohnraum sorgen.

Durch Förderprogramme peilen wir dort nach heutigem Stand Mieten von 6,50 Euro pro Quadratmeter an. Aber die Gesellschaft soll auch in Wiedenest und beim Baugebiet Hackenberg anpacken.

Mit dem Areal auf dem Hackenberg meinen Sie die Klimaschutzsiedlung Wiebusch?

Wir haben dort inzwischen die Anforderungen an die Häuser gesenkt. CO₂-Neutralität treibt die Baukosten derart in die Höhe, dass wir hier die Standards runtergeschraubt haben. Mittlerweile haben wir verbindliche Reservierungen für einige Grundstücke, Familien haben Anzahlungen geleistet.

Stichwort Bauen – wie ist der Stand bei einem Ärztehaus für die Stadt?

Da ruht der See tatsächlich still. Nach wie vor gibt es zwei Mediziner, die nach weiteren Ärzten und einem passenden Gebäude suchen. Zum Glück haben einige Bergneustädter Praxen zuletzt Nachfolger gefunden. Das Thema bleibt damit wichtig, die Schwarzmalerei hat sich aber nicht bewahrheitet. Es gibt sehr wohl Ärzte, die in unserer Stadt arbeiten möchten.

Sie haben im Wahlkampf die Überzeugung vertreten, dass Bergneustadt nur mithilfe neuer Gewerbebetriebe und deren Steuern in eine bessere Haushaltslage kommen wird.

Das gilt nach wie vor. Deshalb haben wir die Gewerbesteuer für 2026 auch nicht erhöht. Eine hohe Grundsteuer und dann auch noch mehr Gewerbesteuer obendrauf, das wäre in meinen Augen eine doppelte Strafe für die Unternehmen. Aktuell haben wir einen der günstigsten Gewerbesteuersätze im Umkreis. Für die Flächen in Dreiort gibt es weit mehr Interessenten als Grundstücke. Auch dort werden wir in diesem Jahr loslegen. Für den Bau der Plateaus muss viel Erde bewegt werden, damit werden wir beginnen.

Was passiert mit dem Schullandheim?

Das werden wir verkaufen. Ich habe den Wunsch, dass dort eine Förderschule entsteht – ob der Stadtrat diesen Wunsch teilt, wird sich zeigen.

Aus der Politik gab es zuletzt Forderungen nach einem Baustopp am Jägerhof. Was halten Sie davon?

Fakt ist: Eine Spielstätte wird kommen, sie ist der Schwerpunkt der Förderung – mag der emotionale Schwerpunkt für viele auch die Gastronomie sein. Wir haben die Kosten jetzt auf fünf Millionen Euro gedeckelt, davon trägt die Stadt ein Fünftel. Wir werden dem Stadtrat drei Optionen vorlegen, eine große Lösung, eine günstigere und eine kleine. Wir haben gegenüber dem Denkmalschutz aber auch die Pflicht, das Gebäude fachgerecht zu sanieren. Mit der Behörde stehen kurzum Gespräche an, ob es überhaupt möglich wäre, den Saal abzureißen und einen Ersatzbau zu errichten.

Viele Bergneustädter beschäftigt der zunehmende Leerstand von Geschäftsräumen. Was kann die Stadt dagegen tun?

Streng genommen gibt es gar keine Zunahme, die Zahl der neuen Läden überwiegt die der Schließungen. Aber neue Geschäfte öffnen dann oft nicht direkt an der B55 und fallen deshalb weniger auf. Aber natürlich: Der Umgang mit Leerstand wird eines der zentralen Themen der nächsten Jahre sein. Als Stadt sind wir mit allen Eigentümern im Gespräch, deren Situation und Pläne sind allerdings ganz unterschiedlich.

Letzte Frage: Die 725-Jahr-Feier steht an. Freuen Sie sich darauf?

Ganz viele Vereine machen sich aktuell Gedanken, wie sie sich beteiligen können, das finde ich großartig. Wir werden ein tolles Programm haben, da dürfte wirklich für jeden Geschmack etwas dabei sein, vom Rave bis zum Mittelaltermarkt. Ich rechne mit rund 90 Gruppen beim Umzug. Und im Gegensatz zum normalen Stadtgeburtstag werde ich gleich mehrere Stadtdukaten verleihen. Für uns als Verwaltung schwebt über allem aber natürlich auch das Thema Sicherheit. Sie bei einem solchen Großereignis zu gewährleisten, das wird eine echte Herausforderung.