Bis zu 8000 Arbeitsstunden und 5500 Nieten: Nach sechs Jahren hebt Ingolf Klahrs selbst gebaute Mustang II erstmals ab.
Luftsport in BergneustadtAuf dem Dümpel hebt ein selbst gebautes Flugzeug ab

Ingolf Klahr (l.) hat vor sechs Jahren mit dem Bau der Mustang begonnen. Von Beginn an dabei war Bastian Koppen, der nun auch der Erprobungspilot ist.
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Vom Traum des Menschen, fliegen zu können, wird schon in der griechischen Sage von Ikarus und Daedalus berichtet. Einer, der nicht nur selber fliegt, sondern sich seinen Flieger sogar selbst gebaut hat, ist Ingolf Klahr (55) vom Luftsport-Club Dümpel bei Bergneustadt. In diesem Sommer ist nach rund sechsjähriger Planungs- und Bauzeit seine Mustang II fertig geworden. Bei der Mustang II handelt es sich um ein zweisitziges Flugzeug der „beschränkten Sonderklasse“, unter Piloten auch Experimental genannt.

5500 Nieten stecken in der Mustang II, die Ingolf Klahr in jahrelanger Arbeit zusammengebaut hat.
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Der erste Flug dieses Typs ist auf das Jahr 1968 datiert. Der vergleichsweise kleine Flieger ist sowohl für Reisen über Land ausgelegt als auch für den Kunstflug. Und das will Klahr mit seiner Mustang auch machen, denn die entsprechende Lizenz dafür hat er bereits seit einigen Jahren. Tausende Stunden Bauzeit liegen hinter Ingolf Klahr. Denn seine Mustang kam nicht am Stück auf den Dümpel, sondern als Bausatz. „Im Prinzip ist das wie ein Modellbausatz von Revell, nur halt deutlich größer“, sagt Klahr beim Treffen mit dieser Zeitung auf dem Dümpel. Den Flieger hat er vor Jahren in einer Annonce entdeckt. Der damalige Eigentümer habe die Mustang in Teilen in einer Werkstatt gelagert, dann aber doch nicht gebaut.
Das hat Klahr nun geschafft. Geschätzte 6000 bis 8000 Stunden Bauzeit liegen hinter ihm. Entsprechend hoch ist der Wiederbeschaffungswert, den Klahr auf 350.000 bis 400.000 Euro beziffert. Diese Summe resultiert vor allem aus dem Arbeitslohn. Der reine Bausatz ist deutlich preiswerter, wie Klahr sagt.

Bastian Koppen übernimmt als Erprobungspilot die Testflüge mit der Mustang II.
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Eine der größten Herausforderungen, so berichtet er, sei gewesen, die 5500 Nieten zu verarbeiten. „Die lagen in Beuteln dabei. Dort, so sie platziert werden sollte, musste ein Loch gebohrt und entgratet werden, ehe die Niete selbst eingeschlagen wurde“, sagt Klahr. In den Tragflächen sei das bisweilen zu einer hoch komplizierten Arbeit geworden. In den letzten Winkeln musste auch schon mal ein Endoskop bei der Orientierung helfen. „Da werden Sie irre“, sagt der Erbauer. Und wenn seine Arme zu kräftig waren, musste seine Frau einspringen. „Und selbst deren Arme waren wegen der Enge danach grün und blau.“
Aufregender Jungfernflug
Von Beginn an mit dabei war sein Vereinskamerad Bastian Koppen, der in diesem Sommer auch am Knüppel saß, als die Mustang II ihren Jungfernflug auf dem Dümpel hatte. „Meine Frau hat mich vorher noch nie so angespannt erlebt“, berichtet Koppen. Man habe natürlich die Hoffnung, dass alles klappt – aber eben doch keine Gewissheit.
„Als der Flieger dann abgehoben hatte, war das schon ein tolles Gefühl, allerdings kam dann die Landung, die ein weiteres Risiko war.“ Aber auch von Bastian Koppen gemeistert wurde. Er ist der sogenannte Erprobungspilot. Aufgrund seines fliegerischen Lebenslaufs – Koppen macht unter anderem mit einer Pitts Special Kunstflug – sammelt er in Abstimmung mit Klahr, einem Gutachter und dem Luftfahrtbundesamt die Daten, die das Flugverhalten der Mustang dokumentieren. So werden bei den bisherigen Testflügen auch Wollfäden auf die Tragflächen geklebt.

Nach mehreren Jahren Bauzeit ist die Mustang II von Ingolf Klahr auf dem Dümpel startklar.
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Deren Auswehverhalten, die aus dem Cockpit heraus gefilmt werden, lassen später am Boden Schlüsse über die Strömung zu, so dass man noch Veränderungen am Flieger vornehmen kann mit dem Ziel, am Ende der Tests ein in allen Lagen gut zu beherrschendes Fluggerät zu haben, das die finale Genehmigung bekommt. Einen dieser Testflüge absolvierte Koppen erst in dieser Woche auf dem Dümpel. Für alle Fälle flog er mit Fallschirm und Sturzhelm. Zwei Starts, zwei Landungen und marginale Änderungen hatten zum Ziel, dem Endergebnis ein Stück näher zu kommen.
Klahr selbst darf in der aktuellen Phase noch nicht an den Knüppel. Der Drolshagener hat vor 15 Jahren seinen Pilotenschein gemacht. Ursprünglich kommt er aus dem Modellfliegen und hat auch dort Kunstflug gemacht. Doch dann habe er manntragende Flugzeuge fliegen wollen und schaffte sich eine Robin 2160 an, die er vor zehn Jahren komplett restauriert hat. Jetzt, wo beide Flieger nebeneinander im Hangar stehen, müsse die Entscheidung fallen, welcher der beiden Flieger verkauft wird. „Das Herz wird bluten“, vermutet Klahr. Die Entscheidung will der Pilot seiner Frau überlassen, denn mit ihr will er durch Europa reisen. In der neuen, sportlichen Mustang hat sie auch schon ein Probesitzen gemacht. Doch eine Entscheidung darüber, wo die Reise hingeht, gibt es noch nicht.

