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725 JahreLandsknechte machen Weihe der Bergneustädter Stadttore zum bunten Spektakel

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Ein Pfarrer weiht ein Stadttor.

Selbst vom heftigsten Hagel ließ sich Pfarrer Andreas Spierling bei der Weihe des unteren Tores nicht abhalten.

Zum 725. Geburtstag der Stadt Bergneustadt wurden am Himmelfahrtstag das obere und das untere Stadttore neu geweiht. 

Den Topf mit dem Weihwasser konnte sich Bergneustadts evangelischer Pfarrer Andreas Spierling am Himmelfahrtsmorgen gleich sparen, denn pünktlich zur Weihe der Stadttore ließ Petrus einen Hagelschauer über der Altstadt niedergehen, der sich gewaschen hatte. Und trotzdem wurde die Zeremonie am unteren und oberen Tor zu einem besonderen Teil der Neustädter 725-Jahr-Feier – stand sie doch wie kaum eine zweite Veranstaltung des langen Wochenendes für das Traditionsbewusstsein der Bergneustädter und eine ganze Menge Stolz auf die Heimatstadt.

Zu sehen ist der Zug der Landsknechte durch das untere Tor

Sechs mal acht Meter messen die sehenswerten Tore, die schon Tage vor dem Stadtgeburtstag in Bergneustadt aufgestellt wurden.

Schon vor Tagen wurden die beiden sechs mal acht Meter großen Pforten in der Altstadt aufgebaut, eines vor der Krawinkel-Villa und das andere nahe der Gabelung von Haupt- und Kampstraße. Noch bis Sonntag bewachen die Landsknechte vom Unteren bzw. die vom Oberen Tor die sehenswerten Bauwerke, beide Trüppchen haben unter der Leitung ihrer Hauptleute Uwe Köster und Uwe Behrendts historische Lager errichtet, in denen sie auch Gäste empfangen.

Mit Trommeln und Trompeten zu den Bergneustädter Toren

Angeführt von Bürgermeister Matthias Thul und seiner Lebensgefährtin Katharina Heimann und begleitet von den Trommeln und Trompeten des Fanfarencorps der Landsknechte Halver zog der Tross mit Pfarrer Spierling gestern Morgen zuerst zum unteren Tor. Dort sagte Spierling, dass Stadtmauern nie nur aus Stein bestünden. Eng verbunden seien solche Bauten immer auch mit der Hoffnung auf Frieden, mit Mut und dem Willen, eine Gemeinschaft zu gründen – und diese auch gegen jene zu verteidigen, die Unruhe stiften wollten.

Zu sehen sind zwei Männer beim Fassanstich.

Nach dem langen Marsch durch die Bergneustädter Altstadt sorgten Bürgermeister Matthias Thul (l.) und Dietmar Drinkmann auf dem Kirchplatz für die Verpflegung der Männer.

Am oberen Tor erinnerte er an die Vorfahren in der Stadt und an zahllose Händler, die die historischen Tore einst passierten und Neues in die Stadt brachten – aber ebenso auch an Handwerker, die mit ihrem Geschick auszogen und außerhalb ihr Glück suchten. An beiden Toren feuerten die Landsknechte zum Abschluss der Weihe Böller ab, verbunden mit dem Wunsch, der Knall solle für alle Zeiten der letzte gewesen sein, die Tore das Dröhnen des Krieges niemals wieder hören müssen.

Verbunden sind Stadtmauern auch immer mit der Hoffnung auf Frieden, mit Mut und dem Willen, eine Gemeinschaft zu gründen – und diese auch gegen jene zu verteidigen, die Unruhe stiften wollen. 
Bergneustadts evangelischer Pfarrer Andreas Spierling bei der Weihe des unteren Tores

Nach dem Marsch auf den Kirchplatz löste sich die Gruppe aus Landknechten, Musikern und Zuschauern allmählich auf. Einige steuerten das Heimatmuseum an, wo es ein drittes Lager der Landsknechte gibt, die am heutigen Freitag, 14 bis 22 Uhr, zum Weinfest einladen und von 12 bis 14 Uhr mit Kindern ein Katapult bauen. Heute um 17 Uhr sind die Landsknechte des Heimatvereins zudem Gastgeber des historischen Femegerichts, vor dem Bergneustädter Prominente angeklagt sind.

Viele nutzten den Feiertag allerdings auch, um über den von Andreas Tabor organisierten Mittelaltermarkt zu bummeln, der in die Gassen der Altstadt eingebettet wurde und bis Sonntag zu sehen ist. Zwischen Edelsteinen und „ablassfreiem“ Likör sind vor allem die Kinder eingeladen, beim Armbrustschießen, Schwertkampf oder mit einer Portion Hexenhaar (Zuckerwatte) in vergangene Zeiten abzutauchen.