Im Rahmen der „Woche der Pflege“ in Oberberg fand auch ein Gesundheitstag für Auszubildende statt sowie erstmals ein Poetry Slam zum Thema.
AktionswocheBeim Gesundheitstag und Poetry Slam erhielt die Pflege in Gummersbach eine Stimme

Beim Gesundheitstag in Gummersbach gab es jede Menge Angebote zum Mitmachen, darunter auch Fitnessübungen.
Copyright: Siegbert Dierke
Das Amt für Soziale Angelegenheiten des Oberbergischen Kreises hat in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren die „Woche der Pflege“ veranstaltet. Mit mehreren Aktionen wurde die Bedeutung der Pflege in der Öffentlichkeit sichtbar gemacht, Pflegekräfte unterstützt und pflegenden Angehörigen niedrigschwellige Informations- und Beratungsangebote bereit gestellt werden.
Viel Zuspruch bekam unter anderem der Gesundheitstag am Mittwoch, der in Kooperation mit der Akademie Gesundheitswirtschaft und Senioren (AGewiS) und dem Gesundheitsversicherer Barmer organisiert und in den Räumen der AGewiS auf dem Gummersbacher Steinmüllergelände durchgeführt wurde. Rund 180 Auszubildende nahmen an dem Gesundheitstag Teil und durchliefen dabei, aufgeteilt in sieben Gruppen, insgesamt sieben Module zu den Themen Ernährung, Bewegung und Gesundheit.
Vorträge,Gesundheitsstraße und Pflege-Poetry-Slam in Gummersbach
Neben den drei Vorträgen mit dem Titel „Essen zwischen Frühdienst, Schule, Energy Drink und Feierabend – Wie eine gesunde Ernährung Dich durch die Ausbildung bringt“ sowie zur Physiotherapie weckte besonders die sogenannte „Gesundheitsstraße“ großes Interesse bei den Auszubildenden. Dort konnten sich die jungen Menschen einem Body Check unterziehen und die eigene Körperzusammensetzung messen lassen. „Jeder bekommt eine Übersicht seiner Werte wie Körperfett, Wasserhaushalt oder das biologische Alter.
Aber das ist noch nicht alles. Sie bekommen auch eine Art Mini-Ernährungs- und Sportberatung mit Tipps, wie sie ihre Werte verbessern können“, erklärte Benjamin Vergato von der Barmer. Zusammen mit Martin Martens, Schulleitungsassistent bei der AGewiS, hatte Vergato das Programm für den Gesundheitstag auf die Beine gestellt.
Und auch sportlich betätigen mussten sich die 180 Azubis – sie erhielten im Rahmen des Gesundheitstags eine Kostprobe in Yoga, Entspannungsübungen sowie einen Einblick in Rückenfitness.
Erstmals hatte das Amt für soziale Angelegenheiten des Oberbergischen Kreises in der „Woche der Pflege“ in Zusammenarbeit mit dem Pflegenetzwerk Oberberg zu einem Poetry Slam unter dem Motto „Pflege im Fokus“ eingeladen. Dieser fand am Dienstagabend im InnovationHub auf dem Gummersbacher Steinmüllergelände statt. Mehr als 60 Zuhörerinnen und Zuhörer sowie Slammerinnen und Slammer nahmen teil und warteten gespannt auf die Beiträge.

Die Beiträge der elf Slammerinnen und Slammer gingen unter die Haut.
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Im Vorfeld hatten die Teilnehmenden unter Leitung der Slammerin und Moderatorin des Abends, Eva-Lisa, einen Workshop durchlaufen. Die meisten von ihnen präsentierten erstmals ihren Text auf einer Bühne und vor Publikum. „Nervosität ist da ganz normal“, sagte Eva-Lisa und bat das Publikum die Slamer mit lautem Applaus zu belohnen.
Elf Männer und Frauen hatten sich in die Teilnehmerliste eingetragen. Sehr zur Freude von Nicole Breidenbach vom Pflegenetzwerk Oberberg hatte sich die Veranstaltung im Vorfeld zudem weit über die Grenzen des Oberbergischen hinaus herumgesprochen. Die wohl weiteste Anreise hatte Miriam Hölzel-Kirchberger aus Nürnberg. Gemeinsam mit ihrer Ehefrau war sie für die Teilnahme mehr als vier Stunden mit dem Auto angereist.
Die Notfall-Sanitäterin arbeitet in einer Nürnberger Kinderklinik und erklärte: „Bei uns gibt es so etwas nicht, und als ich von diesem Event erfuhr, war mir sofort klar, dass ich hier teilnehmen muss.“ Sie sei zwar sehr aufgeregt, denn auch für sie sei das Neuland, wie die 31-Jährige erzählte, aber sie freue sich auch sehr und sei dankbar für diese Erfahrung. „Der Pflege auf diese Art Weise eine Stimme zu geben, ist einfach klasse und sehr wichtig“, findet Hölzel-Kirchberger. Sie war am Dienstag als zweites dran und erntete mit ihrem Beitrag „Müde“ nicht nur am Ende lauten Applaus – auch zwischendurch gab es immer wieder Zustimmung vom Publikum.
Miriam Hölzel-Kirchberger erzählte auf der Bühne, dass sie es müde sei, Menschen zu sehen, die alleine auf ihr Ende warten müssen, weil niemand Zeit für sie habe. Denn bei der Pflege zähle heute nicht mehr der Mensch, den es zu versorgen gelte, sondern dass die Daten, Fakten und Zahlen stimmen. „Wichtig ist nicht mehr die Menschlichkeit, wichtig ist, wie schnell etwas erledigt werden kann“, sagte sie mit bedauernder Stimme und appellierte, dass hier dringend Handlungsbedarf besteht.
Ein Appel, der vom Publikum mit Jubelrufen honoriert wurde. Es war einer von vielen eindrücklichen Vorträgen an dem Abend, ehe am Ende des ersten Pflege-Poetry-Slams noch ein reger Austausch zwischen den Besucherinnen und Besuchern und den Slammern stattfand.
