Nach fast 38 Jahren geht Andreas Spierling, Pfarrer der Evangelischen Impuls-Kirchengemeinde Lieberhausen-Bergneustadt, in den Ruhestand.
Nach 38 JahrenPfarrer Spierling wird auf dem Hackenberg verabschiedet

Pfarrer Andreas Spierling (noch 65) wird am Sonntag in Bergneustadt-Hackenberg entpflichtet.
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Am zweiten Advent 1988 ist Andreas Spierling als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde für den damaligen dritten Bezirk Hackenberg-Leienbach eingeführt worden. Er hatte damals die Nachfolge von Pfarrer Wolfgang von Woyski angetreten. Am kommenden Sonntag, 28. Juni, wird Superintendent Michael Braun ihn nun verabschieden und entpflichten (Beginn: 11 Uhr im evangelischen Gemeindecentrum Hackenberg, Breslauer Straße 20a, Bergneustadt). Nach 38 Jahren, von denen er 34 Jahre lang dem Kreissynodalvorstand angehört hat.
Wie ist es, nicht mehr gebraucht zu werden?
Und dann? „Erst einmal spüren, wie das ist, nicht mehr in der Form wie bisher gebraucht zu werden“, sagt er. Er hat sich nämlich fest vorgenommen, für längere Zeit keine Dienste in der Gemeinde zu übernehmen, denn eine Woche später wird die Pfarrerin im Probedienst, Judith Fresen, ordiniert. Spierling: „Da ist es gut, wenn ich nicht mehr mitwirke, damit sie ihre eigenen Impulse und Schwerpunkte setzen kann.“
Mit seiner Frau Bärbel möchte er in Bergneustadt-Hackenberg wohnen bleiben, aber seine Gemeinde wird ihn sicherlich trotzdem vermissen als jemand, der viele Impulse gesetzt hat. In der Einladung zu seiner Verabschiedung lobt ihn die Gemeinde als „mitreißenden Prediger und einfühlsamen Seelsorger“; er habe „Herzen bewegt, als weitblickender Visionär neue Wege beschritten und den Aufbau unserer Gemeinde hochmotiviert begleitet“.
Für viele war ich einfach der Andreas. Und das war gut so.
Andersrum werde auch „der Menschenfreund vieles vermissen, zum Beispiel das gemeinsame Eintauchen in Lebensgeschichten“, schreibt der Kirchenkreis An der Agger über Spierling – und zitiert diesen: „Das waren bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen ja immer kurze Weggemeinschaften.“
Spierling sagte kürzlich in einem Interview, das auf der Internetseite der evangelischen Impulsgemeinde Lieberhausen-Bergneustadt veröffentlicht wurde, was immer sein Wunsch gewesen sei: nicht gekünstelt zu wirken und nicht „der Herr Pfarrer“ zu sein. Spierling wörtlich: „Für viele war ich einfach der Andreas. Und das war gut so. Ich fand es immer schön, als Christ unter Christen zu leben und eine besondere Beauftragung als Pfarrer der Gemeinde zu haben.“
Auf der Sommersynode vor zwei Wochen hat sich Spierling mit einigen launigen Worten von der Versammlung verabschiedet. Dort sagte er, er habe im Kirchenkreis An der Agger viel gelernt. Wie meinen Sie das? „Dass ich durch die Arbeit im Kreissynodalvorstand sehr viel von den Gemeinden und Einrichtungen mitbekommen habe. Das hätte ich als Gemeindepfarrer so nicht gehabt.“ Das habe ihm geholfen, in der Gemeinde für bestimmte Dinge einzustehen, umzusetzen, voranzutreiben – wie zum Beispiel auch die Fusion der Gemeinden Lieberhausen und Bergneustadt, von der er absolut überzeugt sei: Der Festabend an Silvester 2023 mit dem Countdown um Mitternacht zur Fusion am 1. Januar 2024 habe nicht nur bei ihm Gänsehaut erzeugt.
Vielfältiges Engagement
Zuvor hatte er sich vielfältig engagiert – nicht nur als Mitglied des Kreissynodalvorstands und zweiter stellvertretender Skriba. Er hatte seit Herbst 2002 das Amt des 1. stellvertretenden Skriba inne, seit 2014 war er Skriba, also neben dem Assessor stellvertretender Superintendent. Er gehörte aber beispielsweise auch mehr als ein Jahrzehnt der landeskirchlichen Prüfungskommission für das Zweite Theologische Staatsexamen an und führte dort Praxisgespräche. „Meine Fragen habe ich immer aus dem konkreten Gemeindeleben entwickelt“, sagt Andreas Spierling.
Kleine Erdferkel zu Besuch
An einer konkreten Geschichte aus dem Leben ließ Andreas Spierling übrigens vor zwei Wochen die Sommersynode teilhaben. Dabei ging es um den Besuch des damaligen Superintendenten Horst Pack und der Oberkirchenrätin Gisela Vogel in den frühen 90er Jahren bei Spierlings Zuhause. Der Sohn – damals drei oder vier Jahre alt – verabschiedete die beiden so, wie er es von einem Jugendmitarbeiter der Gemeinde, der mit anderen zusammen schon mal zum Babysitten gekommen war, gelernt hatte: „Tschüss, ihr kleinen braunen Erdferkel“ – vermutlich für die beiden eine einmalige Erfahrung.
