Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt die Menschheit. Christof Jauernig hat 1000 Menschen in ganz Deutschland dazu befragt.
Wozu leben wir?Der Autor Christof Jauernig spricht in Bergneustadt über eine Spurensuche

Christof Jauernig (52) war Analyst bei einer Unternehmensberatung, ehe er die Reißleine zog.
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Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt die Menschheit seit es sie gibt. Eine allgemeingültige Antwort hat noch niemand verkündet. Andererseits: Wer sich erst gar nicht an das Thema herantraut, wird sie garantiert nicht finden. Der Frankfurter Autor Christof Jauernig hat 1000 Menschen in ganz Deutschland befragt – und bringt ihre Antworten nun auf die Bühnen der Republik. Am Mittwoch, 28. Januar, ist er zu Gast in der Bergneustädter Stadtbücherei. Florian Sauer sprach vorab mit ihm.
Herr Jauernig, wenn es jemand wissen muss, sind Sie es. Also, was ist der Sinn des Lebens?
Wie viel Zeit haben wir? (lacht). Aber im Ernst: um das Finden einer ultimativen Antwort ging es mir nicht, sondern um eine Spurensuche. Klar ist, dass der persönliche Sinn des Lebens sehr unterschiedlich sein kann. Für mich selbst ist es momentan sehr sinnstiftend, mittlerweile beruflich etwas tun zu dürfen, das mich erfüllt, und von dem ich den Eindruck habe, dass es auch anderen Menschen etwas bedeutet.
Sie sind jetzt 52 Jahre alt. Viele Jahre haben Sie als Analyst einer Unternehmensberatung für die Bankenbranche gearbeitet und dann abrupt einen Schlussstrich gezogen. Sie haben gekündigt und sind zu einer sechsmonatigen Tour durch Südostasien aufgebrochen, ohne Plan für die Zeit danach. Der Analystenjob war für Sie also ohne Sinn?
Ja, umso mehr, je älter ich wurde. Ein Phänomen, das auch in meiner späteren Befragung deutlich wurde: der persönliche Lebenssinn ändert sich oft auch mit den Lebensjahren. Man wird 40, man wird 50 Jahre alt, die Knochen beginnen zu knirschen, die Endlichkeit des Lebens kommt ins Blickfeld, und man beginnt nachzudenken. Ein gutes Einkommen, ein sicherer Arbeitsplatz, das sind Dinge, die mir einmal wichtig waren. Aber irgendwann konnten sie nicht mehr ausgleichen, dass ich mich von meinem Job komplett entfremdet hatte – und durch mein Festhalten an ihm im Grunde auch von mir selbst. Bis es mir so schlecht ging, dass ich die Reißleine ziehen musste.
Brauchen die Menschen Krisen als Anstoß, um über den Sinn ihres Lebens nachzudenken?
Krisen können ein starker Katalysator sein, einiges, das für das eigene Leben bisher maßgeblich war, zu hinterfragen. Ich selbst empfinde rückblickend dabei keine Bitterkeit, dass mein Leben damals in eine Sackgasse geriet. Denn ohne diese Zäsur hätte ich nicht zu meiner neuen Tätigkeit als multimedialer Erzähler gefunden, die mir heute so viel Freude macht. Aber natürlich ist es ratsam, sich auch ohne Not immer mal zu fragen, ob die Werte und Prioritäten, an denen das eigene Leben ausgerichtet ist, eigentlich noch passen, noch „Sinn machen“. Mit den gesammelten Sinnimpressionen, mit denen ich auf Tour bin, will ich unter anderem dafür anschauliche Anstöße geben.
Kommen wir zu Ihrem Programm „Eintausendmal Lebenssinn“: Sie haben 1000 Menschen in 66 deutschen Städten befragt, worin sie den Sinn des Lebens sehen. Wie lief das ab?
Die Vorgeschichte: Nach meiner Rückkehr aus Asien ging ich mit der Erzählung über meine Reise und den biographischen Umbruch auf Tour – daraus wurde völlig ungeplant mein neuer Beruf. Es folgte mein zweites Programm „Eintausendmal Lebensglück“. Bei sechsundsechzig dieser Vorstellungen habe ich kleine Zettel auf die Sitzplätze der Zuschauer gelegt. Auf die konnte jeder seine Antwort notieren und in eine Sammelbox werfen. So ist eine sehr bunte Auswahl von Einschätzungen zusammengekommen.
Erinnern Sie sich noch an ganz besondere Notizen?
Es waren viele dabei, die mich sehr bewegt haben. Ein 45-jähriger Feuerwehrmann aus Kamp-Lintfort zum Beispiel schrieb, dass er den Sinn seines Lebens darin sehe, seine Kinder zu guten Menschen zu machen. Und dass ein Teil von ihm in ihnen weiterlebe, wenn er einmal nicht mehr sei. Eine erst 17-jährige Schülerin aus Frankfurt schrieb, der Sinn des Existierens sei vielleicht, etwas zu bewegen, andere und sich selbst glücklich zu machen. Viele machten deutlich, dass für sie Sinn mit einem Gefühl der Weltverbundenheit zu tun hat. Besonders schön ausgedrückt hat das eine 59-jährige Prozessmanagerin aus dem schleswig-holsteinischen Schwarzenbek, die schrieb: „Ich bin Teil eines Ganzen. Manchmal stelle ich mir vor, eine Ameise zu sein, die mit ihrem sonnengewärmten Körper Wärme in den Ameisenhaufen trägt.“
Sie haben die Stimmen aus der Gesellschaft in einem Buch zusammengestellt und werden Sie auch in Bergneustadt auf der Bühne präsentieren.
Die Idee des Programms ist, einen bunten Strauß von Antworten zusammenzupacken und damit durch das Land zu ziehen – zusammen mit meinem eigenen, veränderten Blick auf das Thema. Unsere Welt ist gerade im Umbruch, äußere Sicherheiten bröckeln, Orientierungsanker verlieren an Halt, Ängste nehmen zu. Da kann es nicht schaden, das zu stärken, was innerlich Halt gibt – und genau dazu kann eine solche Beschäftigung mit der Sinnfrage beitragen. Dabei wird es weder eine klassische Lesung geben, noch einen akademischen Vortrag über die Frage nach dem Lebenssinn. Mir geht es darum, einen Resonanzraum zu gestalten, in dem sich die Sinnperspektiven und -empfindungen der eintausend Menschen, meine eigenen und die des Publikums begegnen können.
Dabei setzen Sie auf Bilder, Worte und auch auf Musik.
Genau. Ich möchte Sinn nicht erklären, sondern spürbar machen. Es wird deshalb großformatige Projektionen ausgewählter und symbolisch bebilderter Antworten geben, verbunden mit gesprochenen Texten, die teilweise poetisch daherkommen, untermalt wird das Ganze von meiner selbst hierfür komponierten und eingespielten Musik. Diese Collage soll dem Publikum dabei helfen, einmal den Kopf abzuschalten und sich atmosphärisch durch die Veranstaltung führen zu lassen . Ich glaube, dass das ein guter Rahmen ist, um sich einer so kraftvollen Frage wie der nach dem Sinn des Lebens allmählich zu nähern.
Die Suche nach dem Sinn des Lebens mit Christof Jauernig beginnt am Mittwoch, 28. Januar, um 18.30 Uhr in der Stadtbücherei Bergneustadt, Goethestraße 13. Karten gibt es zum Preis von 7 Euro in der Stadtbücherei und in der Buchhandlung Baumhof an der Kölner Straße.

