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Schillerndes GesamtbildAusstellung in Engelskirchen bietet neue Perspektiven

Lesezeit 3 Minuten
Rike Stausberg, Karsten Heider, Peter Leidig und Wibke Brode inmitten ihrer Werke.

Vernissage in der BAV-Villa: (v.l.) Rike Stausberg, Karsten Heider, Peter Leidig und Wibke Brode.

In der Engelsvilla in Engelskirchen eröffnet am Freitag eine Ausstellung in der Reihe „projekt a+“, die neue Perspektiven bietet.

Es ist ein bisschen wie bei einer Jazzband. Rike Stausberg und Peter Leidig sind die Kernbesetzung, dazu kommen immer einige Gastsolisten. Mit ihrer Reihe „projekt a+“ sind die beiden wieder zu Gast bei Bergischen Abfallwirtschaftsverband in der Engelskirchen Engelsvilla. Am heutigen Freitag wird die Ausstellung mit einem Galeriemarkt eröffnet. Und nur bei dieser Gelegenheit können die Besucher die Werke von Karsten Heider bewundern.

Ein bisschen Unsicherheit gehört zum Kunstschaffen

Der Ründerother zeigt künstlerische Handeinbände, also von ihm zu echten Schaustücken gestaltete Bücher. Sehenswert sind zudem die Buchbinderwerkzeuge, die Heider mitbringen will und deren Gebrauch in einem Lehrfilm von 1937 veranschaulicht wird. Die Gummersbacher Filigranzeichnerin Rike Stausberg ist begeistert: „Ein schön eingebundenes Buch hat etwas Heiliges.“

Eine handwerkliche Vorführung wird es nicht geben, sagt Heider. „Ich lasse mir nicht gern bei der Arbeit zusehen.“ Die drei weiteren Künstler, die bei der Ausstellungsvorbesichtigung dabei sind, nicken zustimmend. Im kreativen Prozess könne man den bewertenden Blick eines anderen noch nicht vertragen. Wibke Brode, ebenfalls aus Ründeroth, ist auch das Ausstellen ihrer ganz persönlichen Werke immer wieder mit ein bisschen Scham verbunden, wie sie zugibt. Der erfahrene und renommierte Gummersbacher Peter Leidig (vor 50 Jahren hatte er seine erste Ausstellung) hält das nicht für schlimm, im Gegenteil: „Ein bisschen Unsicherheit muss man sich bewahren.“

Wir suchen passende Arbeiten aus, die sich dann zu einem Gesamtbild fügen.
Peter Leidig

Brode ist vor diesem Hintergrund dankbar dafür, dass ihre Bilder von den routinierten Ausstellungsmachern Stausberg und Leidig präsentiert werden. Wie Leidig erläutert, sind die kuratierten Kunstschauen im langen Flur der klassistischen Villa immer genau kalkulierte Arrangements: „Bei uns werden die Flächen nicht einfach an die beteiligten Künstler verteilt. Wir suchen passende Arbeiten aus, die sich dann zu einem Gesamtbild fügen.“

So begegnen Stausbergs Wimmelbilder in Mischtechnik den sehr grafischen Linol- und Siebdrucken der Kölnerin Lydia Oermann. Leidigs Plexiglasobjekte, mit denen er immer neue Nuancen der Räumlichkeit erprobt, stehen   der expressiven Malerei von Martina Furk aus Lohmar gegenüber. Wibke Brode setzt mit ihren Collagen wieder einen anderen Akzent. Mit größter Akkuratesse ausgeschnittene Fund- und Erinnerungsstücke fügt sie zu Bildsträußen zusammen. Mit Silvia Weisler aus Gummersbach ist schließlich eine Fotografin vertreten, deren Aufnahmen malerisch wirken, selbst wenn sie den oberbergischen Wald abbildet.

Beim Gang durch den Villenflur   eröffnen sich von Bild zu Bild jeweils ganz neue Blicke in die Welt. Mehr kann man von der Kunst nicht verlangen. Weniger aber auch nicht.


Ausstellung beginnt Freitag

Die Ausstellung in der BAV-Villa in Engelskirchen, Braunswerth 1-3, wird am heutigen Freitag, 31. März, von 16 bis 20 Uhr, mit einem Galeriemarkt eröffnet. Bis zum 29. Juni kann sie montags bis donnerstags, 9 bis 16 Uhr, und freitags 9 bis 12 Uhr, besichtigt werden.

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