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Rosenmontag in OberbergMehr Engel für den Karneval und für noch mehr Sicherheit

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Damit große Motivwagen wie dieser sicher durch Engelskirchen und ganz Oberberg kommen, braucht es ab sofort pro Wagen acht Wagenengel.

Damit große Motivwagen wie dieser sicher durch Engelskirchen und ganz Oberberg kommen, braucht es ab sofort pro Wagen acht Wagenengel.

Seit Jahren ringen die Karnevalsgesellschaften mit immer höheren Auflagen und mit steigenden Kosten. Was ändert sich für sie in diesem Jahr?

Aus sechs Engeln werden acht. Noch 28-mal schlafen, dann ist Rosenmontag: Und damit jecke Träume nicht zu Alpträumen geraten, sollen in diesem Jahr mehr Wagenengel als jemals zuvor an den Fahrzeugen in den kunterbunten Umzügen für die Sicherheit sorgen. „Grundsätzlich gilt: ein Rad, ein Engel“, bringt Andreas Trenkmann die Anordnung auf den Punkt. „Und dort, wo früher sechs Engel im Einsatz waren, sollen es nun acht sein.“ Dies ist eine Vorgabe des Oberbergischen Kreises – andere Auflagen, zum Beispiel polizeilicher Natur, formuliert dagegen das Land.

Trenkmann ist verantwortlich für den Rosenmontagszug in Engelskirchen, Gastgeber ist dort die Karnevalsgesellschaft Närrische Oberberger. Ihr Zug ist einer der größten in der ganzen Region: Fast 2000 Menschen machen sich dort auf den Weg durch die Ortsmitte, das sind 50 bis 55 Gruppen, 30 bis 40 Wagen rollen mit. Wo zuvor also 240 Engel benötigt worden, so sind es diesmal also 320. „Aber wir sind sehr optimistisch, dass auch das gelingt.“

Mit ihren Wagen haben in Engelskirchen die Närrischen Oberberger um den Vorsitzenden Michael Peffeköver kaum Arbeit – die sind fertig.

Mit ihren Wagen haben in Engelskirchen die Närrischen Oberberger um den Vorsitzenden Michael Peffeköver kaum Arbeit – die sind fertig.

„Team Hahn“ arbeitet gerade kräftig daran. Mit „1001 Nacht“ möchte die Gemeinschaft aus dem Ort Hahn in Engelskirchen märchenhafte Momente bescheren – 30 bis 40 Hahnerinnen und Hahner ziehen mit, einen Motivwagen und einen Traktor bringen sie in Bewegung. Und dafür müssen jene acht Engel her. „Gerade rühren wir kräftig die Werbetrommel“, berichtet Anette Voss-Klaeser von der Dorfgemeinschaft und bedauert: „Es wird schwer.“ Ansonsten sieht sie die Auflagen pragmatisch: „Wat mutt, dat mutt – dient am Ende ja alles der Sicherheit.“

Engel darf sein, wer mindestens 16 Jahre alt ist und sich durchzusetzen weiß

Jede Gruppe, die sich in den Zug einreiht, bringt eigene Engel mit. Engel darf sein, wer mindestens 16 Jahre alt ist – „und eine robuste Statur hat“, sagt der Zugleiter. Denn gefragt ist ein energisches Durchgreifen, vielleicht auch mal nicht nur mit kräftiger Stimme, sondern mit dem Ellbogen. Bevor sich der Zug in Bewegung setzt, ist Andreas Trenkmann zur Stelle und prüft dann mit anderen Sicherheitskräften, ob das hinkommt: „Ganz vorne rechts, vom Fahrer aus gesehen, das ist die gefährlichste Stelle“, betont er.

Noch bis Donnerstag, 29. Januar 2026, nimmt der Zugchef Anmeldungen entgegen, 32 sind es gewesen bis zum Wochenende. Und bis 31. Januar müssen ihm zudem die Tüv-Berichte für alles Rollende, sogenannte Brauchtumsgutachten vorliegen, 60 Euro kostet eine Abnahme für Stammgäste, wer zum ersten Mal mitzieht, ist mit zunächst 100 Euro dabei. „Anfang Februar rücken der Tüv und ich dann zu Kontrollen aus“, schildert Trenkmann.

Zugchef Andreas Trenkmann zeigt ein Horn, eines der ältesten Geräte in Sachen Sicherheit. Das kommt in Engelskirchen auch heute noch zum Einsatz.

Zugchef Andreas Trenkmann zeigt ein Horn, eines der ältesten Geräte in Sachen Sicherheit. Das kommt in Engelskirchen auch heute noch zum Einsatz.

Das Straßenverkehrsamt des Kreises erhebt für Festwagen zudem eine Gebühr von 40 Euro. Bezahlt ist die schon vorab, da treten die Närrischen Oberberger sogar in Vorleistung, kassiert wird später. Die Vereine, Gruppen und Nachbarschaften wissen, dass die Närrischen Oberberger ganz viel Service bieten, damit an Rosenmontag ein unbeschwertes „Kall du!“ durch die Gassen schallt. Die KG selbst erhebt zehn Euro für jedes Fahrzeug, die Teilnahmekosten pro Narrenkopf liegen bei vier Euro.

Auch in Oberberg gerät der Straßenkarneval immer mehr zu einer Herausforderung

Denn längst ist der Karneval für die Ausrichter solcher Züge und die Teilnehmende eine große Herausforderung geworden, die nur mit viel Ehrenamt, großem Engagement und nicht zuletzt viel Geld zu stemmen ist. „Deswegen sind wir froh, dass wir in Engelskirchen noch ohne Terrorsperren auskommen“, verrät Vorsitzender Michael Peffeköver. Die Miete für eine solche feste Blockade beziffert er auf 10.000 Euro, und bewegt wird die natürlich nicht von Hand: „Gabelstapler müssen her.“

Gleichwohl: An drei Stellen in der Ortsmitte – an der Miebach, an der Grundschule und an der Tankstelle in der Blumenau – muss die KG Sperren aufbauen: „Sechs gebuchte, externe Security-Leute, jeweils ein querstehendes Fahrzeug und ein Gesperrt-Schild“, zählt Geschäftsführer Dirk Schwamborn auf.

Dieses Profipersonal zahlt allein die KG aus der Vereinskasse. Noch will sie diese Kosten nicht den Umzugsgruppen in Rechnung stellen, wie es in anderen Städten und Gemeinden inzwischen üblich ist. An fünf weiteren Stellen im Ort müssen kleine Sperren eingerichtet werden, am Bahnhof etwa.

Vorbei sind also die Zeiten, als allein fette Hörner – große, sehr große Lautsprecher –, eine stabile Funkverbindung zu den Leitstellen und ein Kommandowagen ausreichten, um sich im Rummel für den Notfall zu rüsten: 17 solcher Lautsprecher hüten die Närrischen Oberberger in ihrer Wagenbauhalle. „Diese Geräte sind heute eine der ältesten Auflagen“, blickt Vorsitzender Peffeköver zurück.

Und wie sieht es in zehn Jahren aus? Wie kann dann ein Rosenmontagsumzug noch gelingen? Zugchef Andreas Trenkmann schüttelt sich prompt vor Lachen: „Das kann wohl niemand wissen.“