Über die Hälfte der Oberbergerinnen und Oberberger besitzt keinen ausreichenden Zugang zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Rund 146.000 Menschen, also etwa 54 Prozent der Kreisbevölkerung, wohnen an Orten, die unter dem Richtwert liegen, der das Mindestangebot kennzeichnet. Und für insgesamt 43.000 Menschen liegt keine Haltestelle in erreichbarer Nähe, die auch nur die niedrigste Nutzungsschwelle erreicht. Diese Zahlen hat die Denkfabrik Agora Verkehrswende ermittelt und sie jetzt auf einer Landkarte veröffentlicht, die die ÖPNV-Verbindungen in 400 deutschen Landkreisen und knapp 11.000 Gemeinden bewertet.
Für den „ÖV-Atlas 2026" ordneten die Forscher jedes Fleckchen im Land einer Güteklasse zu, die die sogenannte Erschließungsqualität aussagen soll. A steht dabei für ein hervorragendes Angebot, F ist die schlechteste Kategorie. Zentrale Fragen sind dabei etwa, wie weit die nächste Haltestelle entfernt ist, welches Verkehrsmittel dort abfährt und vor allem, wie oft es dort abfährt. Ein S-Bahnhof wird höher bewertet als eine einfache Bushaltestelle. Gute Beispiele, um ein Gefühl für die Bewertung zu bekommen, sind diese: Güteklasse D entspricht einer etwa 250 Meter entfernten Haltestelle, an der werktags alle 30 Minuten ein Bus abfährt. Klasse B wiederum erreicht, wer höchstens 200 Meter von einer Straßenbahnhaltestelle mit einer Linie im Zehn-Minuten-Takt entfernt wohnt.
Oberberg landet im Vergleich weit hinten
Die besagten 54 Prozent in Oberberg leben im Gebiet der Klasse F und bei den genannten 43.000 Personen – immerhin 15 Prozent der hiesigen Einwohnerschaft – sind die Verbindungen laut dem Verkehrsatlas so schlecht, das nicht einmal die Stufe F greift. Unter den Landkreisen mit vergleichbarer Struktur belegt Oberberg Platz 125 von 132 Rängen – und zwar mit einem Durchschnittswert, der insgesamt noch für die Einstufung in die Kategorie D ausreicht.
Genau das verdeutlicht auch die gewaltigen Unterschiede im Kreisgebiet: Denn wenn sich über die Hälfte mit Stufe F oder darunter zufrieden geben muss, der Durchschnitt aber die Stufe D ist, kann es der anderen Hälfte der Oberberg nicht so schlecht gehen.

Busse fahren laut Studie zu selten.
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Große Unterschiede im Kreis
Die ÖPNV-Fahne hoch halten im Oberbergischen die Städte Gummersbach und Bergneustadt, beide mit guten Werten der D-Kategorie – die Kreisstadt wirft zudem auch eine ganze Menge Einwohner mit in den Statistik-Topf. Fast 20 Prozent der Gummersbacher leben sogar in Bereichen, die die Forscher den höchsten Klassen A und B zuordnen. Auf der anderen Seite erreicht die Erschließung laut dem Atlas für 27 Prozent der Kreisstädter nur maximal die Stufe F. In Bergneustadt sehen die Zahlen etwas schlechter aus (5 Prozent in A oder B, 34 Prozent in Kategorie F oder schlechter).
Ganz anders ist die Situation im Kreissüden. Beispiel Nümbrecht: Hier lebt niemand in einem A- oder B-Bereich, vielmehr gibt die Untersuchung 2026 für 77 Prozent der Bevölkerung eine Anbindung an, die höchstens der Kategorie F entspricht. Für genau 5064 Nümbrechter hat die Denkfabrik so wenige öffentliche Verbindungen ermittelt, dass sie selbst aus der schlechtesten Kategorie fallen. Noch schlechter sieht es dem Atlas zufolge in Reichshof aus. Nach den vorgestellten Zahlen leben dort insgesamt 10.500 Menschen in der Kategorie F oder schlechter – die meisten von ihnen, nämlich fast 6000, eher schlechter. Und auch aus Morsbach kommt man mit dem Bus schlecht weg (80 Prozent Kategorie F oder schlechter).
Relativ solide Plätze in der E-Güteklasse holen Marienheide und Engelskirchen mit dem Regionalbahn-Anschluss und auch Wipperfürth und Waldbröl als Bus-Knotenpunkte im Norden bzw. Süden des Kreises.
Die vergleichsweise schlechte Anbindung an den ÖPNV im Kreisgebiet spiegelt sich auch in der Nutzung wider – auch dazu gibt der Atlas 2026 detailliert Auskunft. Nur 14 Prozent der oberbergischen Pendler nutzen Bus und Bahn, fast 80 Prozent setzen sich ins Auto. (sfl)

