Leistungsbezogen wollen die im Mai gegründeten „Kickers OBK“ trainieren. Aber gibt es ein erstes Problem: Die Gruppe braucht einen Platz.
Neuer KlubWie die „Kickers OBK“ zur Schmiede für Oberbergs Fußballtalente werden wollen

Das Aufwärmtraining in der Gummersbacher Lochwiese - mit Ball aber ohne Schuhe - kommt bei den schwarz-gelben Kickers OBK immer gut an.
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Auf den ersten Blick gibt es an diesem Juni-Nachmittag im Gummersbacher Stadion Lochwiese nichts Besonderes zu sehen. Ein Dutzend Jungs dribbelt Fußbälle um Hindernisse, ab und zu fällt ein Tor, ein Trainer ruft Tipps über den Rasen. Hier trainieren also die „Kickers OBK“. Bitte wer? Genau, selbst eingefleischten Kennern der oberbergischen Fußballszene dürfte der Name bislang kaum begegnet sein. Kein Wunder, gegründet haben sich die Kickers schließlich erst Mitte Mai. Für Gesprächsstoff sorgen sie trotzdem schon.
Spieler kommen aus allen Teilen Oberbergs
Wer genau sind denn nun die Kickers OBK?
Der Verein versteht sich als reiner Jugendfußballclub, der ausdrücklich leistungsbezogen trainieren lässt. „High-Performer haben es in Oberberg schwer. Wir sind überzeugt, dass wir in eine Nische stoßen. Die Reaktionen geben uns jedenfalls recht – wir bekommen fast täglich Anfragen von den Eltern neuer Spieler“, erklärt Albert Martens, einer von drei Kickers-Trainer.
Von den 18 Jungs in seinem Kader – aus allen Teilen Oberbergs und in der großen Mehrzahl Jahrgang 2016 – sind praktisch alle derzeit noch bei anderen Vereinen gemeldet. Das wollen die Junioren aber ändern, sich zum Stichtag 30. Juni abmelden, und dann endgültig den Kickers anschließen. Wer ihr Trainingsspiel genauer beobachtet, erkennt schnell das Talent des Trüppchens. Pässe übers Dreieck laufen flüssig, Flanken in den Strafraum kommen punktgenau an und jeder Spieler hat seine individuellen Tricks fast schon perfektioniert. „In dieser Mannschaft ist jeder einzelne extrem ehrgeizig und will das nächste Leistungslevel so schnell wie möglich erreichen“, erklärt Coach Martens und legt nach: „An guten Tagen machen die auch Teams nass, die drei Altersgruppen höher spielen. Das können wirklich einmal goldene Jungs werden.“

Das Trainerteam der Kickers OBK in Gummersbach (v.r.); Enrico Dost, Albert Martens und Noah Lik
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Was unterscheidet die Kickers von anderen Junioren?
Bei den Kickers scheint alles etwas exklusiver: Vier Trainingseinheiten pro Woche statt zwei, die Einheiten werden mit modernster Videotechnik für die spätere Analyse festgehalten und gekickt wird mit dem neuesten Adidas-Ball, der gerade auch bei der WM rollt. Regelmäßig gibt das Trainer-Trio auch Hausaufgaben auf, etwa, um das Ballgefühl zu stärken oder taktische Züge verständlich zu machen. An den Wochenenden reisen die Jungs regelmäßig zu Turnieren. Jüngst gewannen sie etwa die „Puma Future Series“, die der Sportausrüster zusammen mit Borussia Dortmund veranstaltete.
Oberberger haben schon große Turniere gewonnen
An diesem Wochenende starten sie beim „Bülle-Cup“ in Ennepetal, einem der größten Jugendturniere in NRW. Der BVB ist ein gutes Stichwort: Ausdrücklich betonen die Kickers-Trainer ihre Kontakte zu klangvollen Fußballnamen, zu Leverkusen, Leipzig, Ajax Amsterdam, nach Florenz und vor allem eben zu Borussia Dortmund. Bei den Jungs kommt das natürlich an: Ein Freundschaftsspiel gegen den Ajax-Nachwuchs muss für einen Zehnjährigen allemal aufregender klingen als das gegen ein oberbergisches Klübchen von nebenan. „Zwei unserer Spieler stehen schon im BVB-Perspektivkader“, verrät Martens.
Da muss es doch möglich sein, uns die Lochwiese jeden zweiten Samstag für unser Heimspiel zur Verfügung zu stellen.
Möchten die Kickers auch in der bergischen Liga kicken?
Ausdrücklich möchten die Trainer mit ihren Schützlingen – am liebsten schon ab Herbst – auch im Ligabetrieb des Fußballkreises Berg angreifen. Der Haken ist: Ein neuer Verein muss einen offiziellen Spielort für seine Heimspiele vorweisen können, so sehen es die Vorgaben des Fußball-Verbandes Mittelrhein vor.
Und da wird es nun kompliziert: Ausgeguckt haben sich die Kickers nämlich das Stadion Lochwiese. Dort trainieren sie ohnehin an vier Nachmittagen in der Woche und es liege ideal, weil zentral im Kreisgebiet, betont Martens Trainerkollege Enrico Dost. Die Jungs kommen aus Gummersbach, aber eben auch aus Bergneustadt, Wipperfürth, Reichshof und Wiehl. Eben gerade die Lochwiese ist indes die Heimat der Fußballer des VfL Gummersbach. Aber: „Von vier Tagen in der Woche sind wir zweimal ganz alleine, zweimal sind zeitgleich auch Jugendmannschaften des VfL vor Ort, aber die brauchen nie das gesamte Feld“, versichert Martens. „Da muss es doch möglich sein, uns die Lochwiese jeden zweiten Samstag für unser Heimspiel zur Verfügung zu stellen.“
Bis März noch Coach beim VfL Gummersbach
Was macht die Situation noch zusätzlich kompliziert?
Bis März war Albert Martens Trainer der E-Jugend des VfL Gummersbach, dann entließ ihn der Verein. Martens selbst berichtet, dass ein Grund für seinen Rauswurf Beschwerden anderer Vereine an den VfL-Vorstand gewesen seien, er würde aggressiv Talente anderer Klubs abwerben. „Haltlose Gerüchte“, kommentiert der Jugendcoach. Jedenfalls habe die damalige Entscheidung seinen Willen zur Gründung eines „eigenen Vereins“, also der Kickers OBK, befördert.
Der Vorstand des VfL möchte Personalangelegenheiten öffentlich nicht kommentieren. Klar scheint aber: Die Vorzeichen für eine Einigung zwischen VfL und den Kickers stehen schlecht.
Gerade beim Fußballnachwuchs erleben wir derzeit einen so großen Zulauf, dass wir für die nächste Saison zusätzliche Junioren-Mannschaften melden werden. Kapazitäten für fremde Vereine sehe ich dort nicht.
Was sagen die Eltern der Kickers zum Thema?
Die Eltern investieren sehr viel Zeit: in Autofahrten zur Lochwiese und zurück und in die Warterei während des Trainings, mitunter vier Mal die Woche. Aber sie sind vom Kickers-Konzept überzeugt. „So eine Förderung hat der alte Verein nicht ansatzweise hinbekommen“, sagt ein Papa. Ein anderer ist überzeugt, dass der Weg seines Sohnes in ein Leistungszentrum des DFB nur über die Kickers führen kann. Entsprechend sauer sind die Eltern, dass der Ligabetrieb nun an einem fehlenden Heimspielort scheitern soll.
Andererseits betonen viele aber auch, dass die Söhne in ihren alten Mannschaften zu den Leistungsträgern zählten – sie können verstehen, dass die Kickers mit Konkurrenzgedanken beäugt werden. „Aber bei den Profis ist es doch genauso: Du gehst dahin, wo du weiterkommst“, argumentiert ein Vater.
Stadt Gummersbach verweist auf den Pachtvertrag mit dem VfL
Ist die Situation ein Thema für den Fußballkreis Berg?
Thomas Engelberth, Vorsitzender des Jugendausschusses im Fußballkreis Berg, bestätigt, dass eine Heimspielstätte zu den Voraussetzungen zählt, die ein neuer Verein zwingend zu erfüllen hat. Viel mehr kann er zum Thema Kickers OBK allerdings nicht sagen: „Dem Fußballkreis liegt derzeit kein Antrag auf Zulassung zum Ligabetrieb vor.“ Dieser müsste dem Prozedere nach aber auf seinem Schreibtisch landen, danach würde dann der Jugendausschuss über die Zulassung beraten.
Wie äußert sich die Stadt Gummersbach zum Problem?
Die Stadt verweist in Sachen Lochwiese auf den laufenden Pachtvertrag mit dem VfL Gummersbach. Stadtsprecherin Josephine Zwinge ist außerdem „verwundert“ darüber, dass die Kickers noch Interesse an der Lochwiese zeigen. Ihren Angaben zufolge hat es eine Absage durch die Stadt gegeben, auf die der Verein erklärt habe, die Sache sei damit dann erledigt.
Stolz auf das Trikot des VfL Gummersbach
Hoffnungen auf eigene Platzkapazitäten in der Kreisstadt kann Zwinge den Kickers jedenfalls nicht machen, im Gegenteil: Wenn demnächst die Sanierungen der Plätze in Frömmersbach und Bernberg anlaufen, müssten die bestehenden Vereine vorübergehend noch enger zusammenrücken.
Wie steht denn nun der VfL Gummersbach zu den Kickers?
Der VfL steckt beim Fußball mitten im Wiederaufbau, erst im vorigen Jahr sind die Fußballer unter das Dach des Vereins zurückgekehrt. Genau die richtige Entscheidung, wie VfL-Vorsitzender Dieter Brüning, findet. „Der Name des VfL Gummersbach steht wie kein zweiter für den Sport. Gerade die Kinder sind stolz darauf, das Trikot dieses Vereins zu tragen. Und gerade beim Fußballnachwuchs erleben wir derzeit einen so großen Zulauf, dass wir für die nächste Saison zusätzliche Junioren-Mannschaften melden werden.“
Brüning legt Wert darauf, dass der VfL zusammen mit den Gummersbacher Leichtathleten Ankermieter der Lochwiese ist. „Kapazitäten für fremde Vereine sehe ich dort jedenfalls nicht“, stellt Dieter Brüning klar. Fazit: Ob, wann und wo die Kickers OBK im Ligabetrieb auftauchen werden, ist derzeit noch völlig unklar. Die Aufmerksamkeit des bergischen Jugendfußballs dürfte ihnen dagegen sicher sein.
Kontakt zu den Kickers OBK gibt es per E-Mail an albert.martens@gmx.net .
