Nach neun Jahren in Kielce wechselte der 33-Jährige mit seiner Familie nach Gummersbach und damit erstmals in die Bundesliga.
Handball-BundesligaAlex Dujshebaev über seine ersten Wochen beim VfL Gummersbach

Alex Dujshebaev, hier im Spiel gegen die MT Melsungen, mag die Atmosphäre in der Schwalbe-Arena.
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Nach neun Jahren in Kielce wechselte Alex Dujshebaev mit seiner Familie nach Gummersbach und wagte erstmals den Schritt in die Bundesliga. Über das Ankommen beim VfL, die ersten Wochen in der neuen Liga und das Leben in einer echten Handballfamilie hat Desiree Horn mit ihm gesprochen.
Herr Dujshebaev, wie haben Sie sich mit Ihrer Familie in Gummersbach eingelebt?
Wirklich gut. Sogar besser als erwartet. Für mich ist es natürlich auch eine große Veränderung, weil ich neun Jahre lang bei KS Kielce war – mit demselben Trainer, im selben Land und mit vielen der gleichen Mitspieler. Mehr Gedanken habe ich mir um meine beiden vier- und siebenjährigen Söhne gemacht. Sie haben ihr ganzes Leben an einem Ort verbracht und leben jetzt plötzlich in einem anderen Land, gehen auf eine andere Schule beziehungsweise in einen anderen Kindergarten und müssen mit einer neuen Sprache zurechtkommen. Bisher machen sie das wirklich gut. Besser, als wir erwartet hatten. Meine Frau Irene Portillo und ich dachten, dass sie vielleicht nicht gehen wollen oder sich ein bisschen beschweren. Aber das Gegenteil ist der Fall. Sie spielen auch Handball in der Akademie des VfL Gummersbach. Darüber bin ich sehr glücklich.
War die Reaktion Ihrer Kinder vor dem Wechsel eines der größten Fragezeichen für Sie?
Ja, definitiv. Wir haben sehr viel über den Umzug gesprochen, denn an diesem Punkt meiner Karriere ist das nicht mehr nur eine Entscheidung, die ich alleine treffe. Es ist eine Familienentscheidung. Ich wollte auch nicht irgendwohin wechseln, um dort nur ein oder zwei Jahre zu bleiben, weil ich meinen Kindern nicht zumuten möchte, ständig umzuziehen. Und wenn sie schon in einem anderen Land leben, können sie hier eine Sprache lernen, die ihnen später im Leben etwas bringt. Deshalb wollte ich nicht nur wegen der Bundesliga und des sportlichen Niveaus nach Deutschland kommen. Auch die Sprache und meine Kinder haben bei der Entscheidung eine Rolle gespielt.
Sie haben bereits eine beeindruckende Karriere hinter sich und viele Titel gewonnen. War die Bundesliga für Sie der nächste Schritt?
Ja, ich hatte immer das Gefühl, dass ich es irgendwann ausprobieren möchte. Gleichzeitig war ich während meiner Karriere immer glücklich bei meinen Vereinen. Mir war außerdem wichtig, weiterhin auf einem hohen europäischen Niveau zu spielen. Gummersbach ist ein Verein, der konkurrenzfähig ist.
War der VfL Gummersbach Ihre erste Wahl in der Bundesliga?
Es gab mehrere Vereine, die Interesse hatten. Aber für mich war Gummersbach die richtige Wahl. Ich vertraue der Vision des Vereins, der Arbeit und der Entwicklung. Gleichzeitig war für mich sehr wichtig, wie die Gespräche mit Trainer Gudjon Valur Sigurdsson und Geschäftsführer Christoph Schindler gelaufen sind. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass sie mich wirklich haben wollen – als Spieler, aber auch als Person und wegen dem, was ich für den Verein leisten kann. Dieses Vertrauen ist mir wichtig. Ich hatte direkt das Gefühl, willkommen zu sein und dass meine Arbeit wertgeschätzt wird.
Wie fühlen Sie sich in Ihrer neuen Mannschaft? Sie gehören zu den erfahrensten Spielern und waren zu Beginn zudem verletzt.
Es ist tatsächlich das erste Mal in meiner Karriere, dass ich mit meinen 33 Jahren der älteste Spieler in einer Mannschaft bin. (lacht) Bisher hatte ich immer ein paar Mitspieler, die älter waren als ich. Aber es ist gut. Durch meine Erfahrung weiß ich inzwischen, wie mein Körper reagiert und was ich brauche. Ich weiß, wann ich etwas langsamer machen muss und wann alles in Ordnung ist. Die Jungs haben mich sehr gut aufgenommen. Wir arbeiten gut zusammen. Ich habe von Anfang an gesagt, dass nicht nur das Niveau der Bundesliga hoch ist, sondern auch die Art und Weise, wie wir trainieren. Wir sind auf einem guten Weg. Wir brauchen nur noch etwas Zeit, um eine noch bessere Chemie zu entwickeln. Wenn wir anfangen, mehrere Spiele hintereinander zu gewinnen, wird das Vertrauen in uns und unsere Arbeit weiter wachsen.
Der Saisonstart mit vielen starken Gegnern war nicht gerade einfach für den VfL Gummersbach. Die Spiele waren trotzdem häufig eng, selbst gegen Berlin. Was hat aus Ihrer Sicht den Unterschied gemacht?
Ich glaube, es waren eher unsere eigenen Fehler, als dass der Gegner uns keine Möglichkeiten gegeben hätte. Berlin hat natürlich sehr gut gespielt. Aber wir haben uns sehr gute Chancen erarbeitet und sie nicht genutzt. Dann ist es natürlich schwierig, ein solches Spiel zu gewinnen. Das lag an uns. Mit der Art und Weise, wie wir gespielt haben, können wir aber zufrieden sein. Wenn man gegen Mannschaften wie Magdeburg, Berlin oder Kiel spielt, entscheiden auf diesem Niveau die kleinen Dinge.
Sie haben lange bei KS Kielce in der polnischen Liga gespielt. Was ist für Sie der größte Unterschied zur Bundesliga?
Es ist einfach noch einmal ein anderes Niveau. Dabei geht es nicht nur um die Qualität der Spieler, sondern um alles drumherum. Was die Bundesliga für mich zur besten Liga der Welt macht, ist das Gesamtpaket. Das Training, die technischen Möglichkeiten, die Regeneration – alles ist sehr professionell. Natürlich gibt es ein solches Umfeld auch bei den Champions-League-Mannschaften in anderen Ländern. Dort betrifft das aber häufig nur die absoluten Topteams. In der Bundesliga liegen die Mannschaften enger beieinander. Die gesamte Liga entwickelt sich ständig weiter. In Polen sind es vielleicht zwei oder drei Topteams, die diese Entwicklung mitgehen, während der Abstand zum Rest größer wird.
Gab es etwas, das Sie an der Bundesliga unterschätzt haben?
Eigentlich nicht. Es ist mehr oder weniger so, wie ich es erwartet habe, weil meine Erwartungen an die Liga bereits sehr hoch waren. Ich mag das Tempo. Das Spiel ist schneller. Dadurch fallen nicht nur mehr Tore, sondern es bietet den Fans auch mehr Unterhaltung.
Haben Sie das Gefühl, dass die Gummersbacher Fans Sie aufgrund Ihrer Verletzung noch gar nicht richtig kennenlernen konnten?
Auf jeden Fall möchte ich in der Schwalbe-Arena noch viel mehr von mir zeigen. Ich möchte diese Energie zu den Fans bringen und zeigen, was ich leisten kann. Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass die Saison lang ist und wir noch sehr viele Spiele haben.
Verletzungspech gehört gerade bei einer langen Saison ebenfalls dazu. Wie wichtig ist es dann, dass andere Spieler einspringen können?
Sehr wichtig. Wenn beispielsweise Tom Kiesler verletzt ist, müssen andere Spieler Verantwortung übernehmen und ihre Rolle kennen. Vielleicht ist das normalerweise nicht ihre Aufgabe in der Mannschaft, aber dann müssen sie für ein paar Wochen einspringen, bis der verletzte Spieler zurückkommt. Jeder in der Mannschaft muss wissen, was seine Aufgabe ist. Gerade bei einer Mannschaft mit hohen Zielen ist das wichtig. Wir müssen uns als Team verbessern und eine entsprechende Mentalität entwickeln. Es geht nicht darum, was die Mannschaft dir geben kann, sondern darum, was du der Mannschaft geben kannst. Und das ist nicht immer dasselbe. Manchmal bist du derjenige, der die Tore machen muss. Und manchmal sitzt du auf der Bank, weil ein Mitspieler in diesem Moment besser ist. Trotzdem musst du immer bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und der Mannschaft zu helfen.
Gegen die MT Melsungen haben Sie gegen Ihren Bruder Daniel gespielt, nachdem Sie fast zehn Jahre lang gemeinsam in einer Mannschaft standen. Wie war das für Sie?
Es war aufregend. Natürlich war ich noch nicht auf meinem höchsten Niveau. Aber es war trotzdem schön, weil wir in den vergangenen zehn Jahren immer in derselben Mannschaft gespielt haben. Wir haben nicht nur gemeinsam im Verein gespielt, sondern auch in der spanischen Nationalmannschaft. Wir waren also eigentlich ständig zusammen. Jetzt macht er sich gut in Melsungen und ist bei einem guten Verein. Ich freue mich schon auf das Spiel dort. Und weil unser erstes Duell unentschieden ausgegangen ist, mussten wir danach auch nicht so viel miteinander diskutieren. (lacht)
Haben Sie vor dem Spiel viel miteinander gesprochen?
Wir haben darüber gescherzt. Bei ihm wurde nachgefragt, ob er weiß, ob ich spielen werde und wie viel ich spielen kann. Aber ich habe ihm nichts gesagt. Ich habe nur gesagt, dass er bis zum Spiel warten muss. (lacht) Er hat mir allerdings genauso wenig erzählt.
Wenn Sie miteinander sprechen, geht es wahrscheinlich trotzdem häufig um Handball, oder?
Eigentlich gar nicht so viel. Unser ganzes Leben dreht sich um Handball. Deshalb sind wir froh, wenn wir mit der Familie auch über andere Dinge sprechen können. Wir reden eher darüber, wie das Leben in Deutschland ist oder wie es allen geht. Es ist wichtig, auch abschalten zu können. Wenn man zu viel über Handball nachdenkt und spricht, gibt man sich selbst keine Pause. Und die braucht man, um für das nächste Spiel wieder bereit zu sein.Nach einem Spiel sprechen wir vielleicht zehn Minuten darüber, aber meistens geht es eher um lustige oder belanglose Situationen. Wir analysieren das Spiel nicht gemeinsam. Das machen wir mit unseren Mannschaften.
Sie kommen aus einer Handballfamilie. Ihr Vater Talant Dujshebaev war lange Zeit Ihr Trainer. Konnten Sie diese beiden Rollen voneinander trennen?
Wenn alles gut läuft und man gewinnt, ist es natürlich einfacher. Wenn es nicht läuft, nimmt man manche Dinge persönlicher und es wird schwieriger, die Rollen voneinander zu trennen. Es gab auch stressige Phasen, zum Beispiel bei einem Final Four in der Champions League. Ich war als Spieler angespannt, er als Trainer. Dann war natürlich auch unsere Beziehung etwas angespannter. Wenn wir meine Eltern besucht haben, haben wir versucht, den Handball außen vor zu lassen. Denn manchmal möchte man seinen Trainer einfach nicht auch noch im Privatleben haben. (lacht)
Finden Sie es mittlerweile besser, nicht mehr von Ihrem Vater trainiert zu werden?
Für mich ist mein Vater der beste Trainer der Welt und es war sehr schön, ihn als Trainer zu haben. Aber irgendwann ist es auch gut, getrennte Wege zu gehen. Nicht nur aus sportlichen, sondern auch aus persönlichen Gründen. Wenn meine Eltern uns jetzt besuchen, ist es entspannter. Ich glaube, für ihn ist es ebenfalls einfacher, nicht mehr mein Trainer zu sein. Es ist einfach etwas anderes, ob der eigene Vater oder jemand anderes der Trainer ist. Ich würde nicht sagen, dass das eine besser oder schlechter ist.
Sie haben in Ihrer ersten Bundesliga-Saison bereits einige besondere Spiele erlebt. Auf welches freuen Sie sich am meisten?
Auf das nächste. (lacht) Ich möchte hier in der Schwalbe-Arena mehr spielen, vor unseren Fans, und diese Atmosphäre noch stärker erleben. Natürlich weiß ich auch, dass sich viele auf das Spiel gegen die Füchse Berlin kurz vor Weihnachten in der Lanxess-Arena in Köln freuen. Dort zu spielen, ist immer etwas Besonderes und ich bin mir sicher, dass es ein sehr spannendes Spiel wird. Aber bis dahin ist es noch lange.
