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Interview

Handball
Jugendtrainer verrät: Der HC Gelpe/Strombach bietet Krafttraining wie die Profis

4 min
Patrick Kielgast steht mit verschränkten Armen im Kraftraum.

Patrick Kielgast war bei der Umsetzung und  Ausstattung des Kraftraums beim HC Gelpe/Strombach beteiligt. 

Jugendtrainer Patrick Kielgast brachte sein Fachwissen mit in die Einrichtung des Kraftraums ein.

Der Kraftraum des HC Gelpe/Strombach wird inzwischen intensiv genutzt. Einer, der seine Erfahrung aus dem Sport- und Fitnessbereich in das Projekt eingebracht hat, ist Patrick Kielgast. Der 43-Jährige trainiert seit zwei Jahren die männliche C- und D-Jugend des Vereins und war maßgeblich an der Umsetzung und Ausstattung des Raums beteiligt. Im Gespräch mit Desiree Horn erklärt er, welche Ziele mit dem Kraftraum verfolgt werden, für wen er gedacht ist und welchen Stellenwert Krafttraining und Ernährung im Jugendhandball haben.

Herr Kielgast, nicht nur als Trainer sind Sie seit zwei Jahren beim HC Gelpe/Strombach aktiv. Welche Rolle hatten Sie bei der Entstehung des Kraftraums?

In die ursprüngliche Ideenentwicklung war ich gar nicht so stark involviert, eher in die Umsetzung. Als ich zum Verein kam, stand der Raum noch nicht. Es gab Brainstorming-Termine mit dem Vorstand: Welche Größe, welche Form, was will und kann der Verein überhaupt leisten? Dabei war auch das Kaufmännische Berufskolleg Oberberg maßgeblich an der Planung beteiligt. Die Schule hat auch zur Hälfte die Kosten des Kraftraums übernommen. Zeitlich konnte ich am Anfang nicht viel beitragen. Die ersten Geräte wurden angeschafft, und dann wurde ich gefragt: „Patrick, ist das so gut?“

Was war die Idee hinter dem Kraftraum?

Einen echten Mehrwert für den Verein und auch für das Berufskolleg zu schaffen. Die Idee war, dass die Spielerinnen und Spieler, die ohnehin in der Halle sind, auch dort trainieren können. Verletzte können Regenerationstraining machen, andere gezielt Krafttraining. So muss man niemanden extra ins Fitnessstudio schicken. Diese Nähe ist etwas, wovon viele Vereine träumen – selbst Bundesligavereine können das nicht immer leisten.

Ab welchem Alter ist Krafttraining sinnvoll?

Grundsätzlich sofort – sobald der Körper auf das Gerät passt. Aber es kommt stark auf die Entwicklung der Kinder an. Im D-Jugend-Bereich gehe ich noch nicht in den Kraftraum. Da arbeiten wir viel mit dem eigenen Körpergewicht. Das ist sinnvoller als starre Bewegungen an Geräten. Wichtig ist, die Kinder langsam heranzuführen. Die Sportwissenschaft weiß heute: Richtig und sauber durchgeführt ist Krafttraining im Kindesalter nicht schädlich.

Woher stammt Ihre Expertise im Umgang mit Training und Entwicklung junger Sportler?

Ich habe nach mehreren angefangenen Studiengängen und einem Jahr Sportanimation auf Gran Canaria eine Ausbildung zum Diplom-Sport- und Gesundheitstrainer gemacht. 2012 habe ich dann das Studio übernommen, in dem ich meine Ausbildung gemacht habe – das Medi-Sport-Center Balance. 2020 kam dann mit dem fit+ Marienheide ein zweites Studio dazu. Zeitweise hatte ich über 20 Mitarbeitende, darunter Azubis und duale Studenten, und habe bis zu 80 Stunden die Woche gearbeitet.

Das klingt sehr intensiv.

Das war es auch. Vor drei Jahren hatte ich ein Burnout und bin anschließend in eine Depression gerutscht. Daraufhin haben wir relativ schnell entschieden, das Studio in Derschlag zu verkaufen. Das Studio in Marienheide habe ich behalten. Heute bin ich Papa einer fast vierjährigen Tochter und Handballtrainer.

Und was war Ihre Einschätzung zu dem Raum?

Mit ein paar einzelnen Geräten kann man zwar etwas Homefitness machen, aber für Mannschaften, die leistungsorientiert spielen, reicht das nicht aus. Da kann man kein Fitnessstudio ersetzen. Also haben wir relativ schnell über Langhanteln und Cardio gesprochen und geschaut, welche Geräte speziell für den Handball sinnvoll sind.

Was hat die Ausstattung des Kraftraums gekostet?

Die Geräte liegen bei etwa 22.000 Euro. Das ist kein High-End-Equipment, kein „Porsche“, aber das braucht man für diesen Umfang auch nicht. Hier trainieren vielleicht punktuell bis zu 20 Personen am Tag. Viele Geräte haben wir dann über meine Kontakte in den Profi-Fitnessgebrauchtmarkt gekauft.

Wer darf den Kraftraum nutzen?

Die Trainer haben einen Schlüssel und alle eine Einweisung von mir bekommen. Dabei ging es um den Umgang mit den Geräten und mit den Spielerinnen und Spielern. Durch meine Ausbildung mit enger Anbindung an die Physiotherapie weiß ich, worauf man gesundheitlich achten muss.

Wie wird der Kraftraum angenommen?

Sehr gut. Ich bin viermal die Woche in der Halle und sehe regelmäßig Leute trainieren. Das Angebot wird wirklich genutzt – und das zeigt, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

Gibt es weitere Pläne für den Kraftraum?

Aktuell nicht. Der Raum ist voll, der Platz begrenzt und die finanziellen Mittel eines Breitensportvereins sind es auch. Ein Thema ist definitiv die Lüftung, da sich viel Feuchtigkeit im Raum sammelt. Daran muss man noch arbeiten.

Für Sportler ist auch die Ernährung ausschlaggebend. Spielt das Thema Ernährung bei Ihnen im Jugendbereich eine Rolle?

In der D-Jugend eigentlich noch nicht. Später, wenn die Pubertät beginnt und sich der Stoffwechsel verändert, muss man schon darüber sprechen. Das passiert dann eher punktuell. Wir greifen das Thema immer mal wieder auf, sensibilisieren die Jungs. Zum Beispiel bei Turnieren: Wenn in der Spielpause Eis, Döner und Popcorn auf dem Speiseplan stehen, nutzen wir das für Gespräche darüber, was Ernährung mit dem Körper macht.

Sollte Ernährung Ihrer Meinung nach im Breitensport mehr im Fokus stehen?

Ich finde schon. Früher habe ich viele Vorträge gehalten – vor bis zu 70 Leuten – über Ernährung, Bewegung, Stoffwechsel und Gesundheit. Momentan bin ich selbst noch dabei, nach meinem Burnout wieder richtig zu mir zu finden. Wenn ich da weiter bin, kann ich mir sehr gut vorstellen, auch im Verein Vorträge zum Thema Ernährung anzubieten. Ich glaube, das ist der nächste Schritt.