Der Umbau des alten Aschenplatzes birgt Hindernisse: Alte Deponie schlummert in der Tiefe.
Bergisch GladbachDas schlummert unter dem alten Ascheplatz

1997: Die Feuerwache Nord wird auf Pfählen errichtet.
Copyright: Peter Mattes
Als ab dem Jahr 1997 die hochmoderne Feuer- und Rettungswache Nord an der Paffrather Straße gebaut wurde, sah man zunächst nur: Pfähle, Pfähle, Pfähle. Gladbacherinnen und Gladbacher wunderten sich sehr, denn die Feuerwache schien ein Pfahlbau wie zu Vorzeiten zu werden. Statistiker der Verwaltung machten sich die Mühe, und zählten die Stützen. Sie zählten sehr lange. 252 waren es am Ende. Ohne die mit Spezialgerät in die Erde gestoßenen Rammpfähle gewaltigen Ausmaßes wäre die Feuer- und Rettungswache nicht entstanden.
Der Standort war damals bereits problematisch: Die historische Zellstoffschlämme-Deponie der Papierfabrik Zanders schlummert dort im Untergrund, zusammen mit Hausmüll und mit Haus- und Bauschutt. Schon damals war allen Akteuren klar, dass die Rammpfähle das Projekt teurer machen würden. 20 Millionen Mark waren es am Ende.
Weniger als 200 Meter Entfernung
Es werden weniger als 200 Meter Entfernung sein, die der alte Sportplatz am Stadion von der Feuerwehr entfernt liegt. Über 20 Jahre später: Die gleiche Lage, das selbe Problem. Berge an Zellstoffschlamm liegen in der Tiefe. Manchmal rutscht etwas im Untergrund hin und her, dann kommen in die Straße Am Stadion Setzrisse. Autofahrer kennen die Hubbel, die die Straße ab und an aufweist. Zelluloseschlämme und die anderen Stoffe zersetzen sich in Jahrzehnten. Eine einfache Lösung gibt es nicht.
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Wie berichtet, haben die Planer das Projekt des Kunstrasenplatzes wegen der Deponie-Probleme gestoppt. Die Kosten wären angesichts des schwierigen Untergrunds deutlich angestiegen. Jetzt wird für die Sportfläche erstmal überlegt, wie es überhaupt weiter gehen kann.
Deponien wo hin das Auge reicht
Deponien gab es früher überall, eine geordnete Entsorgung war Fehlanzeige. In Rösrath gab es eine große Mülldeponie auf den Höhenzügen gegenüber Scharrenbroich, in Kürten erkennt der Kundige noch die Toranlage, die bei Blissenbach das Deponie-Gelände einzäunt. An der Schneppruthe in Bergisch Gladbach erinnern sich Ortskenner an die alte Deponie und auch bei Nußbaum, unweit des Panoramablicks „Kölner Fenster“ und der nahen Villensiedlung, hat die Stadt eine Altlast im Untergrund.
Was genau im Boden im Umfeld von Feuerwache und Sportplatz liegt, wissen die Planer. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde ein ehemaliger Kalksteinbruch als Deponiegelände genutzt, verfüllt mit Zelluloseschlämmen von Zanders. Damals prosperierte die Papierfabrik, unter Patriarch Johann Wilhelm Zanders kam die letzte Blüte. Einen Steinbruch als Deponiefläche zu nutzen, galt in damaligen Zeiten als halbwegs normal. Und im Nachgang, zum Bau der Feuerwache, kam niemand in der Verwaltung auf die Idee, die Eigentümer der Fabrik (es waren die US-Amerikaner von „International Paper“, anschließend die skandinavische Genossenschaft M-Real Zanders) zur fachgerechten Entsorgung der Klärschlämme aufzufordern. So hielten es die Planer auch mit allen späteren Nachfolgern, einschließlich des norwegischen Zellulosehändlers Terje Haglund als Zanders-Geschäftsführer bei der ersten und zweiten Insolvenz und der Werksschließung zum 30. April 2021. Mittlerweile ist die Stadt Eigentümerin, das Problem der Klärschlamm-Deponie ist geblieben.

So sieht der Ascheplatz am Stadion Paffrather Straße aus.
Copyright: Christopher Arlinghaus
Was wichtig ist: Dämpfe, die aus dem Untergrund nach oben dringen, sind nicht giftig. Das fanden Gutachter nach dreijähriger Prüfung vor dem Bau der Feuer- und Rettungswache heraus. Es ist Methangas, das austritt. Kommt es mit der Außenluft in Kontakt, verliert es laut Stadt seine Gefährlichkeit. Für die Stadt war dies beim Bau der Feuerwache die Lösung. Sämtliche Gebäude wurden ohne Keller gebaut. Vier einzelne Gebäude entstanden und alle bekamen unter ihren Bodenplatten eine Luftschicht, die fortwährend ausgetauscht wird. Vor 20 Jahren beim Bau der Wache war dies so, und auch nach über einem Vierteljahrhundert ist das noch immer so. Alle sechs Monate wird gemessen, die Werte sind laut Stadt seit mehr als einem Jahrzehnt unverändert. Unter den Bodenplatten deckt Kiessand die alte Deponie ab. Und für alle befestigten Flächen der Außenanlagen werden gas- und wasserdurchlässige Materialien genutzt.
Auch der Untergrund der Feuerwache bewegt sich mit der Deponie. Im Jahr um einige Millimeter. In den zweieinhalb Jahrzehnten seit Inbetriebnahme, so berichtete es auch Feuerwehrchef Jörg Köhler, habe sich der Hofbereich um einen ganzen Meter gesenkt. „Irgendwann in zehn Jahren könnten die Gründungspfähle schief stehen“, berichtete er, als es vor zwei Jahren um den Neubau der Wache in Frankenforst ging. In so einem Fall wäre die Tragfähigkeit der Aufbauten nicht gewährleistet. Was das alles für das Sportgelände bedeuten könnte, ist offen. Dass es kleiner ausfallen wird, hat die Stadt schon kommuniziert.
Spezialwissen für ein künftiges Gladbach-Quiz bietet die Feuer- und Rettungswache auch: Die verbauten Pfähle waren zwischen 15 und 39 Metern lang und hätten, aneinandergelegt, eine Länge von 6,075 Kilometern gehabt. Für den Sportplatz ist bislang kein Pfahlprojekt beabsichtigt.

