Das alte Wallraf-Richartz-Museum wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. An derselben Stelle ist nun das Museum für Angewandte Kunst zu Hause.
Köln früher und heuteVom schlossartigen Museumsbau zur coolen „Fabrik“

Wo heute das Museum für Angewandte Kunst zu Hause ist, befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg der erste Bau des Wallraf-Richartz-Museums.
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Hinter dem Bauzaun erinnern Bronzestatuen an Ferdinand Franz Wallraf und Johann Heinrich Richartz. Schließlich befand sich in dem Gebäude, das heute als Museum für Angewandte Kunst mitten in der Innenstadt Hinterhofatmosphäre verbreitet, bis vor rund 40 Jahren noch das Wallraf-Richartz-Museum. Die Architekten Rudolf Schwarz und Josef Bernard hatten in den 1950er Jahren dafür einen Entwurf verwirklicht, den Bundeskanzler und Alt-Oberbürgermeister Konrad Adenauer aufgrund seiner Nüchternheit als „Fabrik“ kritisierte. Ulrich Krings, früherer Kölner Stadtkonservator, bezeichnet ihn hingegen als „einen der wichtigsten Neubauten nach dem Krieg“.

Hinter Bauzäunen und Containern versteckt: das Museum für Angewandte Kunst
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Das Museum nahe dem Wallrafplatz orientierte sich in seinen Umrissen an seinem neogotischen Vorgänger. Dies war ein schlossähnlicher Komplex, der den Kreuzgang des mittelalterlichen Minoritenklosters integrierte, das zuvor an dieser Stelle gestanden hatte. Im Treppenhaus erinnerte Eduard von Steinle mit Wandmalereien unter anderem an die Geschichte des Dombaus. 1861 war das erste Museum des Rheinlands dank einer Stiftung des Kaufmanns Johann Heinrich Richartz fertig geworden. Die neue Heimat der Kunstschätze, die Sammler Ferdinand Franz Wallraf 1824 nach seinem Tod der Stadt vermacht hatte, war eine stolze Erscheinung. Der Zweite Weltkrieg verwandelte sie in eine Ruine, die schließlich abgebrochen wurde.
Neubau aus den 50er Jahren mit stimmungsvollem Innenhof
Der Neubau aus den 1950er Jahren erinnert mit einem stimmungsvollen Innenhof noch immer an den gotischen Kreuzgang, von dem an der westlichen Seite noch ein Rest erhalten geblieben ist. Ansonsten habe Rudolf Schwarz dem Ur-Museum eine „viel coolere“ Fortsetzung verpasst, so Ulrich Krings. Glatte Backsteinfassaden prägen das Äußere, die Giebel der Dächer nehmen die Dachgestaltung der angrenzenden Minoritenkirche auf. Innen habe der Wunsch dominiert, durch klare Funktionalität „die Wirkung der Kunstwerke nicht einzuschränken, sondern zu fördern“, so der Architekturhistoriker Alexander Kierdorf. Die Blickbezüge zur Minoritenkirche dienten der Einstimmung auf die mittelalterliche Kunst.
1986 zog das Wallraf-Richartz-Museum um, der „Schwarz-Bernard-Bau“ wurde nun zur Heimat des „Museums für Angewandte Kunst“ (Makk), dem früheren Kunstgewerbemuseum. Mit dem heutigen Erscheinungsbild ist Ulrich Krings allerdings alles andere als zufrieden. Aufgrund von baulichen Mängeln ist das Makk komplett eingezäunt, Eingänge sind eingerüstet. Vor dem Haupteingang bilden Baucontainer eine große, graue Wand. Schon 2005 hätten ganze Museumssäle gesperrt werden müssen, weil Fenster aus den 1950er Jahren nicht mehr dicht waren, so Krings. Das so wertvolle Gebäude werde seit Jahren vernachlässigt – und das in einer der schönsten Zonen, die die Innenstadt zu bieten habe.


