Eigentümergemeinschaft und Betreiber sind offenbar schon seit Jahren im Streit.
„Mietrückstände“Hotel Victors in Gummersbach muss Immobilie räumen

Am Dienstag wurde damit begonnen, das Victors zu räumen.
Copyright: Andreas Arnold
Nachdem das Gummersbacher Victors-Hotel rund drei Jahre lang weder Miete noch Nebenkosten gezahlt haben soll, hat die Eigentümergemeinschaft der Immobilie an der Brückenstraße eine Räumungsklage angestrengt, die nun umgesetzt werden soll. Das hat der Vorsitzende des Beirates der Eigentümerversammlung, Marc Grümer, am Dienstag auf Nachfrage dieser Zeitung berichtet. Und Grümer kündigt an, dass die Kurzzeitpflege-Einrichtung, die in einem Nachbargebäude betrieben wird und eine 100-prozentige Tochter von Victors sei, vor der gleichen Situation stehe. „Auch dort wird keine Miete gezahlt“, sagt Grümer, der auf das schriftliche Urteil des Oberlandesgerichts Köln noch wartet. Liegt das vor, soll auch dort geräumt werden.
Victors hat bereits am Dienstag damit begonnen, die Immobilie zu räumen. Auf der Internetseite ist zu lesen, dass das Gummersbacher Hotel renoviert werde, Buchungen waren schon am Montag nicht mehr möglich und am Abend standen vor dem Hotel die Umzugswagen einer Leimener Spedition. Die Gründe für den Auszug schildert das Unternehmen auf Nachfrage anders als Grümer. Es bestätigt zwar, dass man die Immobilie zu räumen habe, lässt aber den Aspekt der laut Eigentümergemeinschaft offenen Forderungen komplett außen vor.
Montagabend standen die Umzugswagen vor dem Hotel
Peter Müller, Sprecher der Victors Residenzen, bestätigte derweil auf Nachfrage dieser Zeitung, dass der Betrieb in Gummersbach eingestellt worden sei und dass am Montag die Umzugswagen nach Gummersbach gekommen seien, um die erste Charge Mobiliar aus dem Haus zu holen. Wäre es nach der Victors-Gruppe gegangen, dann hätte man diese Entscheidung gewiss nicht getroffen, betont er. Im Gegenteil: Gummersbach sei ein guter Standort, den man gerne weiter betreiben möchte. Hinter dieser Entwicklung steht laut Müller eine seit Jahren währende Auseinandersetzung über eine Renovierung bzw. Sanierung des inzwischen 28 Jahre alten Gebäudes. Was diese Verhandlungen erschwere, ist laut Müller die Kleinteiligkeit der Eigentümergemeinschaft, die an die 100 Teileigentümer habe.
Müller sagt für Victors, dass ein solches Haus nach 25 Jahren grundlegend renovierungsbedürftig sei. Er nennt Brandschutz, Beleuchtung und Bäder als Beispiele dafür, wo etwas getan werden müsse. Aber genau darüber habe man mit den Eigentümern kein Einvernehmen erzielen können. „Das stimmt so nicht“, sagt Marc Grümer. Natürlich seien die Eigentümer bereit, in die Immobilie zu investieren. Doch zunächst müssten die Außenstände beglichen werden. In den Reihen der Eigentümer bestehe Einigkeit darüber, dass man einen siebenstelligen Betrag in die Hotel-Immobilie investieren wolle. Das habe man noch zuletzt auch der Führung des Unternehmens in Wiesbaden gegenüber deutlich gemacht.
Und als die Eigentümergruppe vor wenigen Jahren ein Übernahmeangebot von der Hotelkette Halberbacher erhalten habe, sei Victors nicht bereit gewesen, zu gehen. Am Wochenende werden sich die Eigentümer der Hotelimmobilie zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung treffen und, wie Grümer sagt, um eine Strategie für das weitere Vorgehen entwickeln. Victors betont derweil, dass man „gesprächsbereit“ sei und Gummersbach gerne weiter betreiben würde. Eine schriftliche Anfrage dieser Zeitung zu den offenen Zahlungen konnte Müller mit Verweis auf eine Nachfrage in der Rechtsabteilung von Victors am Dienstag noch nicht beantworten. Wie eine Bombe ist die Nachricht von der Hotelschließung derweil in Firmenkreisen in der Kreisstadt eingeschlagen, als auf einmal alle Buchungen storniert wurden.
Davon bekam dann auch Marc Schröder, Chef des Steinmüllerhotels, sofort zu spüren, als die Nachfrage nach Buchungen ad hoc in die Höhe schnellte. „Wir haben versucht, die Anfragen aufzufangen“, sagt Schröder und berichtet, dass durch die aktuelle Entwicklung auch seine Auslastungsquote steige. Wobei auch in seinem Haus, das als reines Business-Hotel betrieben werde, die Auslastung schwanke. Daher müsse auch er sehen, wie die Führung des Hauses am praktikabelsten sei.
Mit Blick auf die betroffenen Mitarbeiter des Victors in Gummersbach sagt er, dass sich diese bei Interesse auch bei ihm melden könnten. Mit der Räumung des Victors verliert Gummersbach nach dem Wyndham Garden in Windhagen in nur wenigen Jahren das zweite von drei Hotels in der Kreisstadt. Der damalige Bürgermeister Frank Helmenstein hatte in den politischen Gremien immer darauf gedrungen, dass die Kreisstadt neben einem Kino auch ein weiteres Hotel benötige.

