Sechs Jahre prägte er die Nachwuchsarbeit des Bundesligisten. Nun beginnt für ihn ein neues Kapitel in Köln.
HandballJörg Bohrmann sagt dem VfL Gummersbach Lebewohl

Jörg Bohrmann hat die Nachwuchsarbeit des VfL Gummersbach auf vielfältige Weise mitgestaltet.
Copyright: Dierke
Sechs Jahre lang hat Jörg Bohrmann die Nachwuchsarbeit des VfL Gummersbach geprägt. Mit dem Ende der Saison 2025/2026 verabschiedet sich der 57-Jährige als Akademieleiter vom Handball-Bundesligisten.
Bevor er Anfang Juli seine neue Aufgabe als Sportlicher Leiter bei der JSG Handball Köln übernimmt, blickt Bohrmann auf eine Zeit zurück, die für ihn von sportlichen Erfolgen, nachhaltiger Entwicklung und vielen persönlichen Beziehungen geprägt war. „Ich bereue kein einziges Jahr hier beim VfL. Das war einfach eine Top-Zeit“, sagt Bohrmann im Rückblick.
Als er 2020 nach Gummersbach kam, waren die Umstände alles andere als gewöhnlich. Die Pandemie erschwerte den Einstieg erheblich. „Es war eine schwierige Zeit mit Corona“, erinnert er sich. Gleichzeitig bot die Situation aber auch Chancen. „So hatte ich mehr Zeit, mich in den Verein einzulesen und mir einen Überblick zu verschaffen.“ Aus dieser Anfangsphase entwickelte sich eine Aufgabe, die weit über die klassische Rolle eines Akademieleiters hinausging.
Aus Kollegen wurden Freunde
Neben der sportlichen Leitung der Nachwuchsarbeit war Bohrmann auch als Trainer tätig, begleitete organisatorische Prozesse und arbeitete eng mit Jan Schneider, Leiter Organisation, zusammen. Die Zusammenarbeit mit Schneider zählt er heute zu den Höhepunkten seiner Zeit beim VfL. „Spaß hat mir absolut die Arbeit mit Jan gemacht“, sagt Bohrmann. Aus dem Arbeitsverhältnis sei über die Jahre eine Freundschaft entstanden.
Unter seiner Mitwirkung entwickelte sich die Akademie kontinuierlich weiter. Dabei stand für Bohrmann nicht allein der sportliche Erfolg im Mittelpunkt. Sein Anspruch war es stets, nachhaltige Strukturen zu schaffen und junge Spieler langfristig auf den Leistungshandball vorzubereiten. „Mir geht es darum, dass du die Arbeit dann auch schlussendlich so machen kannst, dass das, was du tust, wirklich nachhaltig und gut ist“, beschreibt er seine Philosophie.
Zu den sportlichen Highlights zählt für ihn unter anderem das Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft der B-Jugend gegen den THW Kiel in dieser Saison. Die mit über 1500 Zuschauern gut besuchte Schwalbe-Arena und die besondere Atmosphäre seien Erinnerungen, die bleiben werden. Noch wichtiger seien ihm jedoch die Beziehungen zu den Spielern. „Man hat mit vielen Jungs eine enge Verbindung“, sagt Bohrmann.
Ich bereue kein einziges Jahr hier beim VfL. Das war einfach eine Top-Zeit.
In den vergangenen Jahren habe sich der Nachwuchsleistungssport spürbar verändert. Die Anforderungen im Spitzenhandball seien deutlich gestiegen. Für junge Spieler werde es zunehmend schwieriger, direkt den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. „Wenn du dir die Bundesligamannschaft des VfL Gummersbach anschaust, dann ist es einfach verdammt schwer da reinzukommen“, sagt Bohrmann. Diese Entwicklung betreffe allerdings nahezu alle Spitzenvereine. Viele Talente müssten ihren Weg inzwischen über Zweitligisten oder andere Erstligisten gehen, bevor sie sich für die höchsten Aufgaben empfehlen könnten.
Umso wichtiger seien funktionierende Ausbildungsstrukturen. Hier sieht Bohrmann den VfL weiterhin hervorragend aufgestellt. Besonders die Zusammenarbeit mit den Schulen hebt er hervor. Die Kooperationen mit der Gesamtschule Marienheide, dem Kaufmännischen Berufskolleg und dem Lindengymnasium ermöglichten wichtige Bausteine wie das Frühtraining und seien bundesweit keineswegs selbstverständlich. „Da gehören wir in Deutschland zu den Top drei“, betont er.
Mehr Nachwuchs soll her
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit war die stärkere Vernetzung innerhalb des Oberbergischen Kreises. Gemeinsam mit Vereinen wie den HBD Löwen Oberberg, dem SV Wipperfürth, dem SSV Nümbrecht oder dem HC Gelpe/Strombach wurden neue Konzepte entwickelt, um den Nachwuchshandball in der Region insgesamt zu stärken. Ziel sei es gewesen, mehr Kinder aus dem Oberbergischen für den Handball zu begeistern und gleichzeitig die Ausbildungsqualität in den Vereinen zu verbessern.
Dabei sieht Bohrmann insbesondere in der Ausbildung qualifizierter Trainer eine zentrale Aufgabe für die Zukunft. „Wir haben Top-Trainer bei uns. Und ich sehe auch bei den Vereinen im Umkreis viel Talent, aber das Talent muss auch gefördert werden“, sagt er. Von einer starken Vereinslandschaft profitiere letztlich auch der VfL Gummersbach.
Mit dem Wechsel zur JSG Handball Köln beginnt für Bohrmann nun ein neues Kapitel. Dort wird er ab Juli als Sportlicher Leiter die Weiterentwicklung der Nachwuchsarbeit begleiten und seine langjährige Erfahrung in der Talentförderung einbringen.
Trotz seines Abschieds blickt Bohrmann optimistisch auf die Zukunft der VfL-Akademie. Die Voraussetzungen seien weiterhin hervorragend. „Wir haben Top-Trainer, wir haben Top-Strukturen“, sagt er.
Was bleibt, sind zahlreiche Erinnerungen an intensive Jahre. „Wenn man in so einem Verein arbeiten darf, dann ist man schon ein bisschen stolz darauf“, sagt Bohrmann. Vermissen werde er vor allem die tägliche Arbeit mit den Spielern, die er teilweise sechs Jahre begleitete. „In die Halle zu gehen und die Jungs zu sehen – das ist ja so ein bisschen wie das Wohnzimmer.“
