Oberbergs Grünen haben zwar zwei Landtagskandidaten aber keine neue Kreissprecherin
MitgliederversammlungOberbergs Grüne finden keine neue Kreissprecherin

Julian Münster und Sylvia Berghoff nach ihrer Wahl.
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Die oberbergischen Grünen ziehen mit Kreissprecher Julian Münster (Oberberg Süd) und Sylvia Berghoff (Oberberg Nord) als Kandidaten in den Landtagswahlkampf. Beide sind am Samstag bei der Mitgliederversammlung im Gummersbacher Lindenforum einstimmig gewählt worden. Diese stand unter dem Motto „zukunftsfest aufstellen für die Herausforderungen“. Gegenkandidaten gab es keine. Anders verlief die geplante Wahl einer neuen Kreissprecherin an der Seite von Julian Münster. Diese stand an, nachdem die bisherige Sprecherin Bernadette Reinery-Hausmann ihr Amt im Juli niedergelegt hatte. Vor der Mitgliederversammlung stand noch nicht fest, wer ihre Nachfolge antreten würde. Am Ende fand sich niemand, der das Amt übernehmen wollte. „Der Posten ist damit leider vakant“, sagte Münster dieser Zeitung, was er sehr bedauere. Die Grünen wollen das Thema noch einmal in die Ortsvereine tragen und dort für entsprechendes Engagement werben. Der Ausgang der Mitgliederversammlung macht die Personalsituation der Grünen nicht einfacher.
Die ehemalige Bundestagsabgeordnete Sabine Grützmacher, deren Entscheidung nichts mit den Parteifreunden in Oberberg zu tun hatte, verließ bereits im vergangenen Jahr die Partei. Sie betonte, dass die Beschlüsse auf Landesebene zum Polizeigesetz NRW und zum Einsatz von KI für sie der Anstoß gewesen seien. Im Sommer folgte Reinery-Hausmann mit ihrem Entschluss, nicht mehr an der Spitze in Oberberg stehen zu wollen. Wie verkraften das die Grünen? Münster sagt, dass Frauen patriarchal höhere Ansprüche an sich stellen würden und bei einer Kandidatur zurückhaltender seien. Denkbar sei, dass eine neue Kreissprecherin zunächst als Beisitzerin in den Vorstand gewählt würde. Das sei besser, als wenn jemand nach einem halben Jahr wieder aufhöre.
Menschen sollen weiter analog leben können
Sylvia Berghoff (48) aus Wipperfeld ist gelernte Gärtnerin, Diplombiologin und arbeitet seit 17 Jahren in der IT, zuletzt selbstständig. Nach einer politischen Station bei den Linken ist sie seit drei Jahren bei den Grünen. Berghoff lebt seit 2018 offen als Transfrau. Auch dieser Teil ihrer Biografie habe ihren Blick darauf geprägt, wie wichtig eine Gesellschaft sei, in der Menschen verschieden sein dürften und dennoch die gleichen Chancen auf Teilhabe, Respekt und ein selbstbestimmtes Leben hätten. Bei einer Wahl in den Landtag möchte Berghoff ihre unterschiedlichen Erfahrungen zusammenführen. Gerade auf Landesebene würden Entscheidungen konkret: bei Digitalisierung und Verwaltung, Natur- und Umweltschutz, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Frage, wie offen und lebenswert die Region für alle Menschen sei. Wichtig sei ihr, dass Menschen weiterhin analog leben könnten, ohne dabei abgehängt zu werden.
Der promovierte Meeresbiologe Julian Münster ist seit 2023 Kreissprecher der Grünen. Jetzt soll für ihn der nächste Schritt folgen. Aktuell arbeitet er als Teamleiter bei der Deutschen Bahn im Bereich Umwelt- und Artenschutz. Den Schwerpunkt seiner Arbeit im Landtag sieht er bei Umweltkriminalität und Menschenrechtsverletzungen. Bei seiner Vorstellung ließ Münster den Hitzesommer 2026 Revue passieren und nannte ihn „mehr als ein alarmierendes Signal“. „Hier im Kreis haben wir mit dem Interkommunalen Klimawandelanpassungskonzept – dem KWAK – bereits eine Grundlage geschaffen. Aber ein Konzept im Regal rettet keine Wälder und schützt keine Dörfer und Städte – es kommt auf die mutige und konsequente Umsetzung an! Nordrhein-Westfalen ist 2021 mit dem ersten Klimaanpassungsgesetz unter den Bundesländern vorangegangen, und wir müssen dafür Sorge tragen, dass dieser Weg weiter beschritten und auch im Oberbergischen weiter umgesetzt wird“, sagte Münster.
Konkret müsse Oberberg konsequent zu einer verlässlichen Schwammregion entwickelt werden. „Wir müssen den natürlichen Wasserhaushalt stärken und Niederschlagswasser in den Flächen halten. Durch die Wiederherstellung natürlicher Auen und die Renaturierung unserer Fließgewässer schützen wir uns bei Starkregen vor Überschwemmungen. Zugleich sichern wir durch den Umbau unserer Wälder zu klimaresistenten, naturnahen Mischwäldern wertvolle Wasserspeicher für lange Dürrephasen.“ Die Herausforderungen in Oberberg spiegelten die Realität vieler ländlicher Regionen in NRW wider.
