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MotocrossNicht nur die Benzingespräche machen Lukas Platt wieder Spaß

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Lukas Platt mit dem Schlauch in der Hand.

Auf dem Bielsteiner Waldkurs war Lukas Platt bei den DMX Open für das Wässern im Start- und Zielbereich zuständig.

Nach seiner schweren Verletzung ist der ehemalige Motocross-Profi Lukas Platt an den Bielsteiner Waldkurs zurückgekehrt

Im Juni 2025 verunglückte Motocross-Profi Lukas Platt (30) so schwer, dass er November erklärte, seine Karriere zu beenden. Der Unfall passierte im Rahmen der Deutschen Motocross-Meisterschaften, deren offene Klasse (DMX Open) der Gummersbacher damals anführte. Als die DMX Open jetzt auf dem Bielsteiner Waldkurs gastierten, war Lukas Platt für die Wässerung der Strecke im Start- und Zielbereichs zuständig. Wie es ihm seit dem Unfall ergangen ist und wie er damit umgeht, nur noch Zuschauer zu sein, darüber sprach Andrea Knitter mit dem Mitglied des MSC Bielstein-Drabenderhöhe.

Es gab auf dem Bielsteiner Waldkurs nicht nur ein großes Hallo, Sie bei den DMX Open an der Rennstrecke zu sehen, sondern auch einige „Job-Angebote“. Hat Ihnen das nicht gut getan?

Das große Interesse war schon witzig. Ich bekam auch den Vorschlag, den MSC Bielstein-Drabenderhöhe zu übernehmen oder Rennleiter bei den Motocross-Rennen des ADAC zu werden. Was mir jetzt schon Spaß macht, ist, den Nachwuchsrennfahrern bei den Lehrgängen mit Tipps zu helfen und meine Erfahrungen damit weiter zu geben. Alles andere stelle ich hinten an, denn meine Schulter ist noch lange nicht in Ordnung.

Aber das Wässern ging schon ohne Probleme?

Ich kann den Arm auch schon anheben. Dabei ist das mit dem Wässern gar nicht so einfach, man muss das richtige Maß zwischen zu trocken und zu nass finden. Auch da kann ich meine langjährige Erfahrung einbringen.

2025 war ihre vierte Saison als Profi und eine richtige Seuchensaison für Sie, als nach dem Schlüsselbeinbruch der schwere Unfall folgte.

Es war nach dem Unfall in Aichwald eine Verkettung von vielen Umständen, die dazu führten, dass meine linke Schulter wohl nie wieder ganz in Ordnung kommt.

Was meinen Sie damit?

Bei dem Sturz im Rennen hatte ich mir das Handgelenk und die Schulter ausgekugelt. Im Krankenhaus war der Notarzt nicht sicher, was er tun sollte und wartete auf seinen Chef. Als er es nicht weiter hinauszögern konnte, haben sie mir unter Vollnarkose Hand und Schulter eingekugelt. Statt wie mir geraten wurde, abzuwarten, habe ich mir eine zweite Meinung eingeholt und das MRT hat gezeigt, dass beide Gelenke total zerstört waren. Da alles geschwollen war, wurde das Handgelenk zwei Wochen später und die Schulter eine Woche danach operiert.

Statt der Heilung kam es aber noch viel schlimmer.

Ja, zwei Monate später hatte sich an einer der Narben eine Beule gebildet und es wurde festgestellt, dass sich ein bakterieller Keim entwickelt hatte. Der musste entfernt werden.   Ich bin zwei Stunden operiert worden, die Schulter war komplett taub und der Neurologe sagte, dass das so bleibe. Damit wollte ich mich nicht abfinden und haben in Aachen einen Neurochirurgen konsultiert, der auf Nerventransplantationen spezialisiert ist. Zumal festgestellt wurde, dass der Nervus axillaris, der für die Schultermuskulatur verantwortlich ist, nicht geprellt sondern gerissen war. Bis zur Operation   Ende Januar musste ich den Keim loswerden, was eine echte Tortur war. Zunächst lag ich   zehn Tage im Krankenhaus und musste dann sechs Wochen lang alle acht Stunden Antibiotika nehmen.

Lief dann wenigstens bei der Nerventransplantation alles glatt?

Eigentlich schon. Ein kompletter Nerv aus dem Unterschenkel wurde in die Schulter verpflanzt. Durch den Keimbefall war die Wunde statt sieben aber 14 Zentimeter lang. Die Tage danach waren der totale Horror.

Lukas Platt auf dem Motorrad.

Seinen Traum vom Motocross-Profi hatte sich Lukas Platt erfüllt.

Wieso?

Wegen der Schmerzen im Bein, der Nerv war ja gekappt und musste sich neu verbinden. Jede Bewegung tat unglaublich weh.

Haben Sie Kontakt mit anderen Sportlern, die ebenfalls eine solche Operation hinter sich haben?

Ich habe mich mit drei Sportlern ausgetauscht, zwei von ihnen sind Motocrosser.

Wie ist der Stand mit der Schulter heute?

Es geht mit der Schulter bergauf, ich kann sie schon in einem 90-Grad-Winkel anheben und sie hochziehen. Damit ist aber noch nicht alles abgeschlossen, denn die Bänder, Sehnen und das Labrum sind nach wie vor kaputt und müssen operiert werden. Das geht aber erst, wenn der Delta-Muskel wieder funktioniert. Ich denke, das wird im Frühjahr sein und dann folgen die Operationen. Ich will mich aber nicht beschweren, denn ich weiß, es hätte viel schlimmer kommen können.

Im November haben Sie aber sportlich einen Schlussstrich gezogen. Warum gerade dann?

Ich habe gewusst, dass es keinen Sinn mehr macht zu glauben, dass ich noch mal als Motocross-Profi unterwegs sein kann. Zu dem Zeitpunkt war ich mit meinen Unterstützern in Vertragsgesprächen für die neue Saison und musste ihnen sagen, wie es um mich steht.

War es nicht schwer, seinen Lebenstraum zu beenden?

Ich bin eigentlich recht schnell damit zurechtgekommen, da ich wusste, dass es nicht weitergehen konnte. Ich bin dankbar dafür, dass ich die Option hatte, Motocross-Profi zu sein. Es war eine tolle Zeit, in der ich tolle Menschen kennengelernt habe. Ich   muss mir auch nicht den Vorwurf machen, dass ich nicht alles gegeben habe. Ich hatte mir immer gesagt, dass wenn ich den Titel eingefahren habe, dann höre ich auf. Jetzt ist es eben anders gekommen. Und ich danke allen, die mich unterstützt haben und noch unterstützen.

Ist Ihnen die Rückkehr an die Strecke nicht schwer gefallen?

Ich hatte keine Probleme damit, auch zwischen dem Unfall und den Operationen auf der Cross-Strecke zu sein . Ich bin gefühlt 3000 mal auf meine Schulter angesprochen worden. In der Vorbereitung auf die DMX hat es mir Spaß gemacht, im MSC aktiv zu sein. Das Vereinsleben gefällt mir schon. Und fürs Wässern habe ich ein gutes Feedback bekommen. (lacht) Es macht schon Spaß auf dem Crossplatz zu sein und Benzingespräche zu führen.

Können Sie schon wieder aufs Zweirad steigen?

Radfahren geht wieder. Ansonsten habe ich mir aktuell ein anderes sportliches Ziel gesetzt und mich für den Marathon in   München   im Oktober angemeldet. Dafür trainiere ich im Moment. Und wenn alles vorbei ist, möchte ich vielleicht wieder aufs Motorrad steigen, mit ein paar Kumpels just for fun.

Einmal Motocrosser, immer Motocrosser, oder?

Wir sind einfach alle verrückt.