Nach Prof. Jürgen Habermas' Tod gibt es Überlegungen, den „Platz der Begegnung“ nach dem großen Philosophen zu benennen.
SteinmüllergeländeEin Platz für Habermas in Gummersbach

Vor der Schwalbe-Arena (l.) liegt schon der Heiner-Brand-Platz. Nun soll der Platz der Begegnung zwischen Kino und Steinmüllerhotel den Namen von Prof. Jürgen Habermas bekommen.
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Bereits in der Woche nach dem Tod von Prof. Jürgen Habermas haben in seiner Heimatstadt Gummersbach erste Überlegungen begonnen, wie man den Philosophen von Weltrang im Ort seiner Kindheit und Jugend ehren kann. Und es scheint so, als hätten Politik und Verwaltung nach ersten Gesprächen bereits einen Ort, den man nach Jürgen Habermas benennen möchte. Konkret geht es um den so genannten „Platz der Begegnung“ vor dem Kino Seven, der, Stand jetzt, in naher Zukunft zu einem der zentralen Plätze der Gummersbacher Innenstadt in Richtung Steinmüllerhotel hin erweitert werden soll.
Drei Namen an einem Ort vereint
Drei große Gummersbacher Namen wären so an einem Ort vereint. Neben Steinmüller und Handballikone Heiner Brand, dem der unmittelbar angrenzende Platz vor der Schwalbe-Arena bereits gewidmet ist, nun also auch Habermas, dem vermutlich größten Sohn der Stadt. Die Resonanz aus der Politik ist durchaus positiv, wenn auch wie im Fall der SPD deren Fraktionschef Thorsten Konzelmann das Gummersbacher Gymnasium, also die Schule, die Habermas einst besucht hat, nach wie vor favorisiert.
Debatte über Schul-Umbenennung
Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit kennt den Wunsch aus der Bevölkerung, den Namen des Lindengymnasiums für Habermas aufzugeben. Er gibt aber zu bedenken, dass sich die Schulgemeinschaft diesen Namen bei der Zusammenlegung der beiden Gymnasien selbst gegeben habe. Dass die damalige Schulleiterin Beatrix Will, zahlreiche Lehrer und alle damaligen Schüler nicht mehr am Gymnasium sind, ist ihm durchaus bewusst, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung sagt. Für den „Platz der Begegnung“ spreche auch, dass er von der Bürgerschaft in Gummersbach an 365 Tagen in Anspruch genommen werde. Und das eben nicht nur an den zuletzt erfolgreich bespielten Formaten wie Winterdorf und Schützenfest.
Diese Aktivitäten seien ja nur ein Teil der Nutzung, sagt der Bürgermeister. Halding-Hoppenheit sieht aber auch den Vorteil, dass man einen vorhandenen Namen wie etwa den einer Straße oder dem Lindengymnasium nicht aufgeben müsse, was in aller Regel zu kontroversen Diskussionen führe. Eine von Streit geprägte Diskussion im Zusammenhang mit einer Würdigung eines Menschen finde er nicht gut. Und was den Platz der Begegnung angeht, so sei dieser sicher ganz im Sinne des Gesellschaftstheoretikers Habermas.
Sollte die Verwaltung zum Beispiel die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach ihm vorschlagen, steht meine Fraktion dem sehr positiv gegenüber.
Die Gummersbacher Politik begrüßt den Gedanken, Habermas auf Steinmüller zu würdigen. CDU-Fraktionschef Jörg Jansen sagte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass seine Fraktion „eine Ehrung von Jürgen Habermas nach seinem Tod durch die Stadt für angemessen und folgerichtig“ hält. „Aus unterschiedlichen Gründen kam diese bisher nicht zustande. Jetzt bietet sich eine gute Gelegenheit zu seinen Ehren und in Erinnerung an diesen großen Denker. Sollte die Verwaltung zum Beispiel die Benennung einer Straße oder eines Platzes nach ihm vorschlagen, steht meine Fraktion dem sehr positiv gegenüber. Gerade eine Benennung im öffentlichen Raum ist für einen Soziologen und Philosophen sehr passend“, sagt Jansen.

Prof. Jürgen Habermas wuchs in Gummersbach auf.
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SPD-Fraktionschef Thorsten Konzelmann betont, dass eine Ehrung von Prof. Habermas in der Vergangenheit nie an der SPD gescheitert wäre. Eine etwaige Ernennung von Habermas und Handballlegende Heiner Brand zu Ehrenbürgern wäre von seiner Fraktion nie in Frage gestellt worden. Der Habermas seinerzeit angediente Ehrenring, den dieser dann abgelehnt habe, wäre schon ein Kompromiss gewesen. Er persönlich frage sich, ob eine Umbenennung von Habermas alter Schule nicht doch die bessere Wahl wäre. Dass man mit dem bisher noch nicht benannten Platz in der Entscheidungsfindung schneller durchkomme, sei ihm natürlich bewusst.
Thema diese Woche im Ältestenrat
Auch für Ursula Anton, Fraktionsvorsitzende der FDP, war der Platz vor dem Kino zunächst nicht die allererste Wahl. In Gummersbach sei dieses Areal auch als Festplatz ein Begriff. Doch mit Blick auf die zentrale Lage und die Wahrnehmung als Ort der Begegnung sei dieser Platz am Ende dann doch eine gute Wahl.
Am Freitag dieser Woche wird das Thema im Gummersbacher Ältestenrat besprochen. Doch schon jetzt zeichnet sich eine große Mehrheit für die Ehrung von Habermas ab.

