Wo sakrale Architektur auf künstlerische Arbeit trifft.
Tag der ArchitekturGummersbacher Künstler David Uessem gewährt Einblicke in sein Atelier - Gebaut als Notkirche

Das Foto zeigt Künstler David Ussem (Kappe) und Architekt Max Dankward Riemenschneider gleich an mehreren Stellen im Atelier. Möglich wird das durch das Zusammenfügen mehrerer Einzelbilder zu einem Panorama.
Copyright: Andreas Arnold
Für den Gummersbacher Künstler David Uessem gibt es kein Vertun, wenn er über das nicht ganz so alltägliche Zuhause seiner Familie spricht. „Wir haben uns einen Traum erfüllt“, sagt er rückblickend. Mit „Wir“ meint er seine Frau Julia Ussem-Goldmann, die beiden Kinder und sich selbst. Begonnen hat der Traum Ende 2020. Damals konnte die Familie die Notkirche des bedeutenden Architekten Otto Bartning aus dem Jahr 1951 und das später errichtete Gemeindehaus aus dem Jahr 1975 in Gummersbach-Berghausen kaufen. Ende 2024 war das „Familienzuhause“ fertig, wie Uessem sagt. Unterstützt wurde die Familie bei der Transformation eines Gotteshauses zu einem Ort für Wohnen und Kunst von dem aus Gummersbach stammenden Architekten Max Dankward Riemenschneider.
Die Sanierung, so sagt Riemenschneider, verstehe sich als „Weiterbauen am Bestand“. Er berichtet, dass ihn mit Uessem eine „enge Freundschaft“ verbinde. Entwurf und Umnutzung seien aus diesem gemeinsamen Austausch gewachsen – Wohnen und Arbeiten wurden von Anfang an zusammen gedacht. Und als kreativer Mensch brachte Uessem zum ersten Termin seinem Architekten gleich ein Modell von seinem umgebauten Haus mit. Eine Situation, wie sie Riemenschneider auch nicht jeden Tag erlebt. Doch so wusste er gleich, was sein Freund und dessen Frau sich vorstellen.
Trennung von Arbeit
Die Aufteilung von Arbeit und Privatleben war in weiten Teilen vorgegeben: In die Kapelle sollte David Uessems Atelier, in das Gemeindehaus der Ort des Wohnens. „In den Gesprächen mit den beiden konnten wir uns die Ideen gut zuspielen“, berichtet Riemenschneider, „so dass die Vorstellungen immer klarer wurden“. Zu diesem Prozess gehörte auch, dass man sich darüber klar werden musste, wie das Gemeindehaus ursprünglich geplant war. Dafür zeichnete die Hülsenbuscher Architektin Gisela Schmidt-Krayer verantwortlich. Nach so manchem Gespräch sei klar gewesen, wie die Raumaufteilung aussehen soll, und „wo unser Leben stattfinden soll“, berichtet Uessem. Und dazu gehört auch, dass inmitten eines von Licht durchfluteten Raumes der große Esstisch dieses Zentrum bildet. Dieser wird flankiert von einer großzügigen Küche und einem Wohnzimmer, das eine halbe Etage unterhalb gelegen ist.
Am Tag der Architektur in Nordrhein-Westfalen öffnet das Ensemble an der Helene-Ufer-Straße 5-7 in Gummersbach-Berghausen seine Türen: am Samstag, 27. Juni, und Sonntag, 28. Juni 2026, jeweils von 12 bis 17 Uhr. Riemenschneider berichtet, dass er sich für die Teilnahme beworben habe. Das Zeitfenster für die Teilnahme mit einem aktuellen Projekt ende drei Jahre nach dessen Fertigstellung. „Ich habe da einfach hingeschrieben und habe David dann später berichtet, dass wir ausgewählt worden sind“, so der Architekt. Beide sind schon sehr gespannt darauf, wie groß die Resonanz sein wird. Mit dem ein oder anderen Besucher wird aber schon fest gerechnet. „Vielleicht sind auch einige Architekten dabei, denn die Umnutzung einer solchen Immobilie ist dann doch nicht ganz so alltäglich“, sagt Riemenschneider.
