Der Baumhof ist eine der ältesten Gastwirtschaften in der Kreisstadt. Nach Corona begannen die Probleme.
TränenreichGummersbacher Kultkneipe „Im Baumhof“ ist insolvent

Anke Seltrecht ist seit 2003 im Baumhof, seit 2018 ist sie dort Chefin. Und nun muss sie für immer schließen.
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Die Gummersbacher Kultkneipe „Im Baumhof“ ist insolvent. Bis August läuft der Betrieb noch, danach macht Anke Seltrecht die Schotten dicht. „Bis dahin haben wir noch einige Reservierungen, darunter einen großen Geburtstag, ein Klassentreffen, einen Polterabend und nicht zuletzt die Fußball-WM“, sagt Seltrecht. Und diesen Gästen will sie wie in den vergangenen Jahren auch in bewährter Form gerecht werden, wie sie sagt. Im Jahr 2003 hat die Geschäftsfrau bei dem langjährigen Wirt des Baumhofs, Michael Chlechowitz, als Mitarbeiterin begonnen. Im Jahr 2018 hat sie die Kultkneipe dann übernommen. Obwohl sie Wirtschaftsingenieurwesen studiert hatte, entschied sie sich für die Gastronomie. „Das war einfach mein Ding“, sagt sie. Doch die Freude währte nicht lange, denn Corona machte auch ihr das Leben als Gastronomin schwer, denn die Einnahmen bleiben aus.
Nutzer zeigen ein ganz anderes Verhalten
Und nach der Pandemie sei das Geschäfts nie wieder auf das Niveau zurück gekehrt, auf dem es zuvor einmal gewesen sei. Das bestätigt auch Michael Chlechowitz, der seine ehemalige Mitarbeiterin als freundschaftlicher Berater durch die schwer Zeit begleitet. Er berichtet, dass die Kosten nach Corona an vielen Stellen explodiert seien. Ob Personal, Energie oder der gesamte Wareneinsatz im Baumhof: mit dem Betrieb einer Gastwirtschaft lassen sich das nicht erwirtschaften, sagt Chlechowitz. Und hinzu komme ein völlig verändertes Nutzerverhalten. Die Zeiten, in denen die Menschen nach der Arbeit noch auf fünf Bier nach Feierabend in die Gaststätte gingen, seien längst vorbei.
Und Anke Seltrecht berichtet, dass die Wochenenden längst nicht mehr so stark seien wie zu ihren Anfangszeiten im Baumhof: „Früher kam man freitags nicht durch die Reihen, die an der Theke standen. Heute ist es so, dass an einigen Wochentagen mehr Betrieb ist als am Wochenende.“Der Schlussstrich, den sie nun ziehen muss, hat auch Konsequenzen für ihr Team. Neben Seltrecht und ihrem Koch, die beide Vollzeit arbeiten, gehören noch 17 Aushilfen zur Mannschaft des Baumhof. „Und die kalkulieren ja auch mit dem Geld, was sie hier jeden Monat verdienen“, sagt sie.
Für Seltrecht und ihren Koch hat sich bereits eine Perspektive für die Zeit nach dem Baumhof in einem Gummersbacher Hotel eröffnet. Von dieser Hilfsbereitschaft und dem Zuspruch, den sie in ihrer Gastwirtschaft erfährt, ist Anke Seltrecht „total begeistert“, wie sie sagt. Dass ihr bei diesen Worten dann auch die Tränen fließen, ist wohl mehr als verständlich. Wie es danach im Baumhof weiter geht, ist allerdings noch offen. Der Eigentümer der Immobilie hat mit der Bielsteiner Erzquell Brauerei noch einen Vertrag über zehn Jahre, wie die beiden sagen.

