Zum 150. Geburtstag Konrad Adenauers werfen wir einen Blick auf die Verbindungen des ersten Bundeskanzlers nach Oberberg.
150. GeburtstagWas Adenauers Aktentasche mit Oberberg zu tun hatte

Beim Besuch in Wipperfürth machte Konrad Adenauer 1958 auf Vorschlag des gebürtigen Marienheiders von Paul Lücke (l.) auch einen Abstecher nach Wipperfeld.
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Anlässlich des 150. Geburtstags von Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer lohnt es sich, auch einen Blick auf die Verbindungen des „Alten aus Rhöndorf“ ins Oberbergische oder zu einigen Oberbergern zu werfen – nicht mit wissenschaftlichem Anspruch, sondern als lockere Sammlung.
Da ist natürlich die Verbindung zu August Dresbach, geboren 1894 in Wiehl-Pergenroth, aufgewachsen in Ohlhagen, gestorben 1968 in Ründeroth, Dr. phil., Redakteur der „Kölnischen Zeitung“ (1925-1939) und der „Frankfurter Zeitung“ (1941-1943), 1945-1951 Landrat in Gummersbach, 1949-1965 Bundestagsabgeordneter in Bonn. Mit ihm verband den „Alten“ mehr als das CDU-Parteibuch.
Seine Aktentasche besaß er seit 1946, sie war ein Geschenk seines CDU-Freundes August Dresbach. Bereits mehrfach waren die Nahtstellen ausgebessert worden.
Die enge Adenauer-Mitarbeiterin Anneliese Poppinga verriet in ihrem Buch über die letzten fünf Kanzler-Jahre Adenauers („Das Wichtigste ist der Mut“ von 1994) einiges über die persönliche Bescheidenheit des Kanzlers und erwähnte auch dieses Detail: „Seine Schuhe kauft er bei Salamander. (...) Seine Aktentasche besaß er seit 1946, sie war ein Geschenk seines CDU-Freundes August Dresbach. Bereits mehrfach waren die Nahtstellen ausgebessert worden. Die Tasche war abgegriffen und wies viele Flecken auf. Er trennte sich nicht von ihr.“
Eine nette Anekdote, die das Magazin „Der Spiegel“ eine Woche nach Adenauers Kanzler-Abschied im Oktober 1963 weiterverbreitete, hatte Dresbach kurz zuvor einer Zeitung verraten – auch im Dresbach-Buch „Ein unbequemer Demokrat“ von Klaus Goebel und Gerhard Pomykaj wird sie zitiert: Dresbach, der laut Klaus Goebel „nachweislich schon 1942“ die Bekanntschaft des ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters Adenauer erneuert hatte, war in den Kriegsjahren einer Bitte des späteren Staatssekretärs im Gesamtdeutschen Ministerium und früheren Vertrauensmanns des Anti-Hitler-Putschisten Goerdeler, Franz Thedieck, gefolgt und hatte diesen mit zu einem Besuch beim inzwischen amtsenthobenen Kölner OB Adenauer in dessen Haus in Rhöndorf mitgenommen.
Dresbach: „Der Nachmittag und der Abend verliefen in sehr netter Art. Beim nächsten Besuch wurde ich von Adenauer gefragt, was Thedieck gewollt habe. Ich wollte ablenken. Das geriet nicht. ‚Ach was, der Thedieck kam nicht ohne Auftrag.‘ Dann habe ich den Mund weit auf und folgendes kund und zu wissen getan. 'Es ist ein Putsch geplant. Goerdeler soll Reichskanzler werden. Thedieck sollte feststellen, ob Sie noch geistig frisch seien. Man will Sie zwar im Kabinett nicht haben, denn Sie gelten als unkollegial, aber Sie sollen Oberpräsident der Rheinprovinz werden.“
Geschenke erhalten die Freundschaft. Das mag sich Adenauer zwei Jahre nach Ende seiner Kanzlerschaft gedacht haben: Im Mai 1965 richtete er ein paar Zeilen an den damals erkrankten August Dresbach. Mit Marschmusik lasse sich die Langeweile sicher vertreiben, ließ er Dresbach wissen und legte der Sendung nach Ründeroth zur baldigen Genesung eine Schallplatte mit zackiger Musik bei. Der Brief liegt heute im Archiv des Oberbergischen Kreises.
Man sagt, daß Konrad Adenauer keine Ministerwahl leichter gefallen sei als diese.
Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit verband Adenauer auch mit Paul Lücke, gebürtig aus Marienheider-Schöneborn (1914-1976), der ab 1957 als Minister das Bundesministerium für Wohnungsbau leitete. Wie eng das Verhältnis war, lässt sich einer Passage in der zweibändigen politischen Adenauer-Biographie von Henning Köhler entnehmen: Der berichtet, dass es Paul Lücke – inzwischen Bundesinnenminister – zusammen mit dem CDU-Außenpolitiker und Diplomaten Horst Osterheld gewesen sei, die schon zwei Stunden nach Adenauers Tod am 19. April 1967 nach Rhöndorf gefahren waren, um mit den Angehörigen zu klären, wie es nun weitergehen sollte.
Aber schon viel früher war das Vertrauensverhältnis groß gewesen. Als die Bundestagswahl 1957 der CDU/CSU die absolute Mehrheit bescherte, betraut Adenauer Paul Lücke mit dem Amt des Wohnungsbauministers. Wilhelm Born schrieb 1965 in seinem Paul-Lücke-Buch „Weg in die Verantwortung“: „Man sagt, daß Konrad Adenauer keine Ministerwahl leichter gefallen sei als diese.“

Oberkreisdirektor Friedrich-Wilhelm Goldenbogen (l.) empfing Adenauer 1957 in Gummersbach.
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Lücke stand später loyal an der Seite des ersten Kanzlers, als es selbst innerhalb der Union zunehmend einsam um den großen alten Politiker wurde. Lücke führte 1962 gemeinsam mit dem CSU-Bundestagsabgeordneten Karl Theodor Reichsfreiherr von und zu Guttenberg geheime Sondierungsgespräche mit SPD-Mann Herbert Wehner, ob eine große Koalition denkbar wäre – unter anderem mit dem Ziel, Adenauer weiter eine unbefristete Kanzlerschaft zu sichern. Hintergrund war, dass Koalitionspartner FDP nur noch eine befristete Adenauer-Kanzlerschaft wollte.
Der Spiegel berichtete über diese Gespräche gewohnt spitz: „Herbert Wehner, Zuchtmeister der deutschen Sozialdemokratie, tat sich mit dem Katholikentags-Präsidenten Bundesminister Paul Lücke und dem bayrischen Großgrundbesitzer Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg zusammen, um die Bonner Koalitionsnöte zu bannen.“
Sie sind doch sonst so ein gerader Mann. Aber Ihre Schrift ist unmöglich.
Auch August Dresbach, der Lücke nach dem Krieg in die Kreisverwaltung nach Gummersbach geholt hatte, fand nur lobende Worte über diesen, als der längst Karriere gemacht hatte: „Er war ein guter Mitarbeiter, nicht von so penibler Art, wie man es heute von manchen jungen Beamten in verantwortlichen Stellen her gewöhnt ist. Er hatte immer Initiative. Am meisten imponierte mir damals schon seine Energie. Er hatte sein Bein im letzten Kriegsjahr verloren, aber er ging ohne Stock.“
Dinge, die mit Sicherheit auch ein Adenauer zu schätzen wusste. Nur einen Kritikpunkt hatte „der Alte“, wie der Politikwissenschaftler Hans-Peter Schwarz im Standardwerk „Adenauer. Der Staatsmann“ schreibt, und zwar die Lesbarkeit von Lückes handgeschriebenen Notizen. „Sie sind doch sonst so ein gerader Mann,“ ließ Adenauer Lücke wissen, „aber Ihre Schrift ist unmöglich!“
Einmal war Robert Ley sein Nachfolger
Eine – wenn auch eher indirekte – Verbindung gab es auch zwischen Adenauer und Robert Ley, dem gebürtig aus Nümbrecht-Niederbreidenbach stammenden NSDAP-Reichsleiter und Leiter der Deutschen Arbeitsfront. Adenauer hatte in seiner Kölner Oberbürgermeister-Zeit ab 1920 als Staatsratspräsident fungiert, samt Dienstwohnung in der Berliner Wilhelmstraße. Nach seiner Dienstenthebung durch das NS-Regime folgte ihm Robert Ley für einige Wochen im Amte des Staatsratspräsidenten nach.

