Im Interview gibt Mitorganisatorin Nina Sommer, Gleichstellunsgbeauftragte der Stadt Gummersbach, erste Einblicke.
Frauengesundheit und mehrWas erwartet Besucherinnen beim Gummersbacher Mädchen- und Frauentag?

Frauengesundheit ist Schwerpunktthema des Tages ab 11 Uhr in der Gummersbacher Halle 32.
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Mit dem Schwerpunktthema „Weibliche Gesundheit im ländlichen Raum“ beschäftigt sich am Samstag der Oberbergische Mädchen- und Frauentag in Gummersbach. Andreas Arnold sprach mit der Mitorganisatorin Nina Sommer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gummersbach.
Warum ist ein lokaler Frauentag so wichtig?
Ein lokaler Frauentag macht gesellschaftliche Themen dort sichtbar, wo Frauen (und Mädchen) leben. Während internationale Aktionstage Aufmerksamkeit schaffen, übersetzt ein lokales Format abstrakte Gleichstellungsthemen in den konkreten Alltag: lokale Angebote und Hilfestrukturen und persönliche Begegnungen. Er stärkt Netzwerke, fördert Austausch auf Augenhöhe und zeigt: Gleichstellung ist kein fernes politisches Ziel, sondern eine kommunale Aufgabe, die uns alle betrifft.

Die Gummersbacher Gleichstellungsbeauftragte Nina Sommer.
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Was waren die Beweggründe, die Benennung auf Mädchen auszuweiten?
Benachteiligungen beginnen leider sehr früh. Geschlechterrollen, Selbstbilder, Bildungs- und Gesundheitschancen werden bereits im Kindes- und Jugendalter geprägt. Wir möchten Mädchen und jungen Frauen signalisieren, dass wir da sind. Dass wir ihre Sorgen und Nöte ernst nehmen und dass wir gern mit ihnen ins Gespräch gehen wollen, um gemeinsam etwas verändern zu können. Wir setzen mit unseren Angeboten gezielt auf Stärkung von Selbstbewusstsein und Handlungskompetenz. Dass Mädchen schon früh ihre Rechte rund um Gesundheit und Gleichberechtigung kennen, liegt uns am Herzen.
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Mit der Schwerpunktsetzung auf die Frauengesundheit soll wer angesprochen und sensibilisiert werden?
Frauen und Mädchen selbst. Es geht um Stärkung von Wissen, Selbstbestimmung und Gesundheitskompetenz. Wir wollen Fachkräfte (Medizin, Pflege, Pädagogik, Sozialarbeit), Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger für geschlechtergerechte Perspektiven sensibilisieren. Es geht um das Sichtbarmachen von strukturellen Lücken und darum, in der Öffentlichkeit Tabus abzubauen. Frauengesundheit ist kein Nischenthema, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe, die lange unterschätzt wurde.
Wie niederschwellig ist das Format, so dass möglichst viele Frauen erreicht werden?
Die Veranstaltung ist kostenfrei, zentral gelegen und barrierearm und findet an einem Samstag statt, damit berufstätige Frauen teilnehmen können. Unsere Angebote sind so ausgerichtet, dass für jede etwas dabei ist. Auch wenn unsere Besucherinnen nur wegen eines konkreten Vortrags oder Workshops vorbeikommen, so können sie auf der Frauenmesse viele wichtige Informationen mit nach Hause nehmen und sich untereinander austauschen und vernetzen. Wir Gleichstellungsbeauftragte nutzen die Veranstaltung natürlich auch, um uns zu zeigen und den Frauen und Mädchen mit auf den Weg zu geben: Wir sind da! Auch nach dem 7. März.
Gibt es eine Erklärung dafür, dass häusliche Gewalt oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch ein Problem sind?
Weil sie keine individuellen Probleme, sondern strukturelle Missstände sind. Häusliche Gewalt besteht fort, weil Machtungleichgewichte zwischen den Geschlechtern weiterhin existieren, Gewalt häufig tabuisiert wird und Betroffene aus Angst, Abhängigkeit oder fehlender Unterstützung zu lange bleiben. Täterstrukturen werden gesellschaftlich oft verharmlost, während Schutz- und Hilfesysteme überall überlastet sind. Sorge- und Pflegearbeit wird noch immer überwiegend Frauen zugeschrieben.
Arbeitswelt und Betreuungssysteme sind vielfach nicht auf diese Realität ausgerichtet: Fehlende Betreuungsplätze, unflexible Arbeitszeiten und finanzielle Nachteile zementieren das Ungleichgewicht. Die Probleme existieren, solange gesellschaftliche Rollenbilder, wirtschaftliche Abhängigkeiten und unzureichende Strukturen bestehen. In unserer täglichen Arbeit, und natürlich auch am 7. März, versuchen wir, genau diese Zusammenhänge sichtbar zu machen – und zu zeigen, dass Veränderung politisch, institutionell und gesellschaftlich notwendig ist.
Viel Programm
Der Oberbergische Mädchen- und Frauentag findet am Samstag, 7. März, von 11 bis 17 Uhr in der Halle 32 auf dem Gummersbacher Steinmüllergelände statt. Die Veranstalterinnen von der Regional-AG Gleichstellung Oberberg haben ein umfassendes Programm zum Informieren und Mitmachen zusammengestellt. 35 Ausstellerinnen aus dem gesamten Kreisgebiet sind bei einer Messe vertreten, zudem gibt es mehr als 20 Workshops, Fachvorträge und Schnupperkurse zu unterschiedlichen Themen. Die Podiumsdiskussion ab 12.30 Uhr beschäftigt sich mit dem Thema weibliche Gesundheit.

