Aus der Quarantäne aufs PodiumGummersbacher Motorcrosser wird Dritter in Grevenbroich

Auf der Sandstrecke hatte Lukas Platt einige Trainingseinheiten, was ihm beim DM-Auftakt zugute kam.
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Gummersbach – Dass es gleich so gut laufen würde, hätte sich Motocrosser Lukas Platt zehn Tage vor dem ersten Start bei den deutschen Meisterschaften Open in Grevenbroich nicht vorstellen können. Der 25-Jährige, seit Anfang des Jahres als Profisportler unterwegs, lag mit Corona auf dem heimischen Sofa. Selbst der Weg in die Küche war für ihn schon eine sportliche Höchstleistung,
Pünktlich zum Wettkampfwochenende war Lukas Platt negativ getestet und fuhr auf den dritten Gesamtrang, punktgleich mit dem Zweitplatzierten. „Mit einem Podium unter den Umständen der vergangenen Wochen hätte ich niemals gerechnet, umso größer und schöner war dieses Ergebnis für mich“, sagt der Motocross-Profi.

In Grevenbroich ging es für den Gummersbacher Motocrosser Lukas Platt (r.) direkt aufs Podium.
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Platt hatte sich im Anschluss an die vergangene Saison mit seinem Hauptsponsor zusammengesetzt und seine Perspektiven ausgeleuchtet. Mit Ergebnisse unter den ersten Zehn hatte er in den beiden abgelaufenen Meisterschaften in der ADAC MX Masters im Kreis der Profis auf sich aufmerksam gemacht. In der DM Open belegte der Gummersbacher am Saisonende Platz drei. „Wenn wir weiterkommen wollen, muss ich den nächsten Schritt machen“, berichtet Platt vom Ergebnis des Gesprächs. Er ging auf Sponsorensuche und baute um Vermögensberater Raimund Sauer, einem ehemaliger GP-Fahrer, einen Stamm von Geldgebern auf, die ihm ein Festgehalt ermöglichen und er damit seit dem 1. Januar als selbstständiger Berufssportler gilt. Bis dahin hatte Platt zwar schon Sponsoren, arbeitete aber unter der Woche in einer Tischlerei, wo er eine 75 Prozent-Stelle hatte.
Lukas Platt: Seit dieser Saison für Fantic unterwegs
„Wenn nicht jetzt, wann dann“, unter dem Motto wagte Platt den Sprung zu den Profis. Zudem wechselte er das Motorrad-Fabrikat im DW-Racing-Team und fährt seit dieser Saison auf der italienischen Marke Fantic. Weiterhin unterstützt ihn der österreichische Motor- Fahrwerkstuner KS Performance bei Rennsupport. Acht Rennen stehen für ihn in der deutschen Meisterschaft und bei den MX Masters an. Beide Rennserien sollen in diesem Jahr wieder komplett ausgetragen werden, nachdem in den vergangenen Jahren das Programm aufgrund der Corona-Pandemie reduziert worden war.
Zum Saisonauftakt der DM kam dem 25-Jährigen auch zugute, dass er auf der Sandbahn in Grevenbroich schon oft trainiert hatte. Denn durch seine Corona-Erkrankung hatte Platt nicht wie geplant an einem Vorbereitungsrennen in Arnheim teilnehmen können, um die neue Marke und das neue Team unter Rennbedingungen kennenzulernen.
Gummersbacher Lukas Platt: „Ich versuchte, cool zu bleiben“
Im ersten freien Training nahm sich Lukas Platt bewusst zurück, um „noch ein paar Körner für die anstehenden Rennen zu sparen“. Dass er trotzdem die fünftschnellste Zeit fuhr, motivierte ihn besonders. Zumal in Grevenbroich ein sehr stark besetztes Starterfeld um die Qualifikation für die Rennen kämpfte. Lukas Platt lag in seiner Qualifikationsgruppe lange auf der Poleposition, musste sich am Ende aber vom GP-Piloten Tom Koch um 0,1 Sekunden geschlagen geben. In der Addition der beiden Gruppen bedeutete das Platz drei in der Startaufstellung.
Nach dem Start ins erste Rennen schob sich Platt schnell auf den zweiten Platz, in dem Bewusstsein, dass es nach acht Tagen Quarantäne nicht leicht werden würde, die 35 Minuten auf höchstem Niveau durchzuhalten. „Ich versuchte, cool zu bleiben und konnte die ersten 18 Minuten auch relativ gut das Tempo des Führenden mitgehen“, blickt Platt zurück. Dann musste er sich aber seine Kräfte einteilen und das Rennen managen. 33 Minuten drückte GP-Pilot Adam Sterry von hinten und in der letzten Runde musste ihn der Gummersbacher passieren lassen. Als Dritter fuhr Platt ins Ziel.
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Da es zwischen den beiden Wertungsläufen lediglich eine Stunde Pause gab, blieb nur Zeit, sich umzuziehen und nachzutanken. Beim Start kam der 25-Jährige zu weit nach außen und musste sich auf Platz sieben einreihen. Wie im ersten Lauf machte Platt viel Druck, fuhr bis auf Platz drei vor und fing ab Runde vier an, taktisch zu fahren.. Nach etwas 20 Minuten Rennzeit wurde Platt überholt und kam als Vierter ins Ziel. In der Gesamtwertung bedeutet das Rang drei.
Optimistisch und mit einem Dankeschön an die Sponsoren und Unterstützer blickt Lukas Platt nun auf das zweite DM-Rennwochenende, das in Schnaitheim auf Hartboden ausgetragen wird.


