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Polizei und Banken warnenImmer häufiger nutzen Betrüger das Internet – auch in Oberberg

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Die Tastatur eines Laptops spiegelt sich auf dem Bildschirm des Computers.

Immer mehr Online-Betrüger machen sich online auch die Künstliche Intelligenz zunutze. 

Die Polizei rät zu besonderer Wachsamkeit. Von Betrugsfällen erfahren auch die Sparkasse Gummersbach und die Volksbank Oberberg. 

Gerade erst ist es wieder passiert: Erschrocken zuckt der 70-jährige Lindlarer zurück, als auf dem Bildschirm seines PC plötzlich grellrot die Nachricht aufploppt: Virusbefall! Ein Albtraum. Gleichzeitig verheißt eine Telefonnummer Rettung in der Not. „Am Telefon meldete sich ein Mann, der sich als Mitarbeiter von Microsoft ausgab und berichtete, dass angeblich eine unberechtigte Abbuchung vom Konto des Lindlarers stattgefunden habe“, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Eine Falle, wie sich herausstellte. Denn kaum hatte der Senior nach Aufforderung seine Kontodaten und TAN-Nummer mitgeteilt, da war schon ein vierstelliger Betrag von seinem Konto verschwunden.

Das geschehe immer wieder, „die Zahl der Fälle ist unvermindert hoch“, sagt Polizeisprecher Marc Leporin. Die Aufklärung sei sehr schwierig. Denn die Betrüger sind erfinderisch und nutzen immer neue Methoden, um an sensible Daten zu kommen, auch in Oberberg. Bei 841 Delikten war laut Polizeistatistik im Jahr 2024 das Tatmittel das Internet, in rund einem Drittel davon ging es um Betrug. 40 Mal waren Über-60-Jährige betroffen. In 96 Fällen wurde eine Bankkarte oder Kreditkarte gestohlen beziehungsweise missbraucht.

Mail vom Finanzamt mit Info über Steuerrückzahlung war nicht echt

So hoffte Vera W. (Name geändert) auf eine Steuerrückzahlung, als sie eine Mail bekam, die angeblich vom Elster-Portal des Finanzamts kam. Tatsächlich hatte die 73-Jährige gerade ihren Steuerbescheid erhalten, der ein Guthaben aufwies. Zum Glück hinderte ihr Schwiegersohn die Bergneustädterin noch rechtzeitig daran, ihre Kontodaten herauszugeben. Weniger Glück hatte der Reichshofer, der laut Polizei der Zahlungsaufforderung eines Messengerdienstes folgte und dabei einen vierstelligen Betrag verlor.

Oder die Lindlarerin, die glaubte, einen Urlaub zu buchen, aber stattdessen auf eine gefälschte Internetseite gelockt wurde. Ebenso wie der 44-jährige Wipperfürther, der im vergangenen Sommer vermeintlich Konzerttickets kaufte und dabei das Geld auf ein gefälschtes Konto überwies. Ganz perfide wird es, wenn sich die Täter wie in Engelskirchen als Polizeibeamte ausgeben.

Oder sogar als Bankmitarbeiter, die versuchten, Kunden zur Herausgabe von Bankkarte und PIN-Nummer zu bewegen, sagt Nils Hühn, Sprecher der Volksbank Oberberg. In einem Fall wurde sogar die Telefonnummer des Anrufers so manipuliert, dass auf dem Display die echte Nummer der Hausbank erschien. „Häufig sind es ältere Menschen, die zum Opfer werden, aber auch jüngere werden durchaus mal kopflos, wenn sie unter Druck gesetzt werden“, sagt Dirk Steinbach, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gummersbach. „Dann ist meist das Geld weg. Was früher der Banküberfall war, ist heute der Online-Betrug.“

Wegen Online-Betrug: Sparkasse und Volksbank beschäftigen IT-Dienstleister

Damit es gar nicht so weit kommt, beschäftigen sowohl Sparkasse als auch Volksbank jeweils einen spezialisierten IT-Dienstleister, der den gesamten Überweisungsverkehr im Hintergrund überwacht – um Geldwäsche aufzudecken, aber auch, um ihre Kunden zu schützen, berichtet Steinbach. Dabei setzen die Banken auf Automatisierung und Künstliche Intelligenz. An einem Tag kommen allein in der Sparkasse Gummersbach um die 15.500 Überweisungen zusammen, 50.000 pro Woche. Im Januar, wo sich bestimmte Fälligkeiten etwa von Versicherungen häufen, könnten es auch mal 100.000 sein, zählt der Sparkassenchef auf. „Da kann kein Mensch Auffälligkeiten erkennen, aber mit KI ist das möglich.“

Die entdecke untypische Zahlungen, die nicht zum Kunden passen. Etwa, wenn jemand noch nie eine Auslandsüberweisung getätigt habe, plötzlich 50.000 Euro nach Litauen oder auf die Cayman-Inseln überweise, so Steinbach. In dem Fall werde die Überweisung gestoppt und ein Kundenbetreuer melde sich persönlich mit der Frage, ob Kunde oder Kundin die Überweisung selbst aus freien Stücken tätigt.

Rückmeldungen von Kunden zeigten, dass die meisten froh darüber seien, meint Volksbank-Oberberg-Sprecher Hühn. Über 100.000 Kundinnen und Kunden tätigen hier rund 32 Millionen Transaktionen im Jahr. Beide Institutionen betonen, dass echte Bankmitarbeiter niemals nach sensiblen Daten wie PIN, TAN oder Passwörtern fragen. „Allerdings nutzen auch Betrüger immer häufiger KI“, sagt Dirk Steinbach. Zum Beispiel, um bei Schockanrufen die Stimme Angehöriger zu imitieren. Wenn es um Bargeld geht, gelinge es manchmal, die Abholer zu stellen, „allerdings sind das oft Mittelsmänner, die eigentlichen Drahtzieher bleiben im Hintergrund“, sagt Polizeisprecher Leporin.

Daher setzt die Polizei auf Prävention. Auch aufmerksame Bankmitarbeiter haben schon Schlimmes verhindert, wenn es um Barabhebungen geht. So in Wiehl, als eine 82-Jährige „so viel Geld wie möglich abheben“ wollte – und die Polizei herausfand, dass sie zuvor von Betrügern unter Druck gesetzt worden war.

„Das ist der Vorteil auf dem Land. Wir kennen unsere Kunden“, sagt Steinbach. Beim Onlinebanking sei es aber oft zu spät. Zwar ließe sich eine „normale“ Sepa-Überweisung manchmal noch innerhalb eines Tages zurückbuchen, wenn Kunden den Betrug früh genug bei der Bank meldeten. „Das geht aber nicht beim neuen Instant Payment, der Echtzeitüberweisung. Da ist innerhalb von zehn Sekunden das Geld beim Empfänger, auch an Sonn- und Feiertagen. Dann ist alles zu spät.“


Online-Betrüger: Das raten Polizei und Banken aus Oberberg

  1. Seriöse Unternehmen wie Microsoft nehmen nicht unaufgefordert Kontakt zu Kunden auf.
  2. Geben Sie auf keinen Fall private Daten (z.B. Bankkonto, Kreditkartendaten) oder Zugangsdaten zu Kundenkonten (z.B. Paypal) heraus.
  3. Gewähren Sie unbekannten Anrufern niemals Zugriff auf Ihren Rechner, beispielsweise mit einer Installation einer Fernwartungssoftware.
  4. Wenn Warnmeldungen auf dem Bildschirm erscheinen und Sie aufgefordert werden, eine Telefonnummer anzurufen, gehen Sie nicht darauf ein. Trennen Sie Ihren Rechner vom Internet und fahren Sie ihn herunter. Ändern Sie über einen nicht infizierten Rechner unverzüglich betroffene Passwörter.
  5. Legen Sie im Falle eines Schockanrufs auf. Rufen Sie ihre Angehörigen und die Polizei an. Händigen Sie niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte aus.
  6. Melden Sie sich bei Betrugsverdacht unverzüglich bei Ihrer Bank.