Seit sieben Wochen verfügt der BSV Bielstein über eine eigene Handicap-Fußballmannschaft. Björn Lange sprach mit dem Trainer Mohamed Rezgui und Geschäftsführer Christopher Pethe über das Projekt und die damit verbundenen Möglichkeiten.
Wie ist die Idee entstanden?
Rezgui: Es gab schon mehrfach Anfragen von interessierten Spielern. Irgendwann bin ich dann mit der Idee an den Vorstand herangetreten, und wir haben das Projekt umgehend gemeinsam umgesetzt.Pethe: Das Thema passte auch hervorragend zu unserem Breitensportkonzept. Wir haben uns ja auf die Fahnen geschrieben, allen Personen die Möglichkeit zu bieten, sich bei uns zu engagieren und Fußball zu spielen. Ab sofort kann sich also jeder interessierte Spieler, der eine Beeinträchtigung hat, bei uns melden und zum Training kommen. Das einzige, was wir organisatorisch nicht leisten können, ist Rollstuhl- und Blindensport, aber ansonsten gibt es keinerlei Grenzen.
Seit Ende September trainieren Sie einmal die Woche. Wie ist die Resonanz?
Rezgui: Sehr gut. Wir hatten bislang 14 verschiedene Spieler beim Training, die ich gemeinsam mit meinem Co-Trainer Alex Lindt betreue. Im neuen Jahr werden noch weitere Spieler aus Lindlar und Wipperfürth hinzustoßen. Die Altersstruktur ist aktuell von 14 bis 47 Jahren.
Pethe: Das muss aber nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn auch altersmäßig ist die Geschichte nach oben offen. Lediglich bei Spielern unter 14 Jahren versuchen wir, diese in unsere Jugendmannschaften zu integrieren. Das ist bei Behinderungen bis 50 Prozent auch möglich.
Sie trainieren auch noch die B-Jugend des BSV. Inwiefern unterscheidet sich das Training?
Rezgui: Natürlich ist das ein anderes Arbeiten, da alle Spieler unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Teilweise arbeiten wir mehr im motorischen Bereich. Grundsätzlich sehe ich die Unterschiede aber gar nicht so groß, denn bei beiden Teams steht die Freude am Sport und an der Gemeinschaft im Vordergrund. Und natürlich auch der sportliche Ehrgeiz. Die Wünsche nach einem zweiten Trainingstag wurden schon laut.
Sie betreten mit dieser Geschichte auch organisatorisch Neuland. Was gab es alles zu beachten?
Pethe: Ganz wichtig sind die Kooperationspartner. Vor einer Woche hatten wir ein Gespräch, an dem unter anderem der Geschäftsführer der Behinderten Werkstätten Jens Kämper und Andreas Lamsfuß vom Haus für Menschen mit Behinderung teilgenommen haben. Versicherungstechnisch ist nun erst einmal alles geklärt und die Spieler können sich ganz normal bei uns im Verein anmelden und sind vollwertige Mitglieder.
Rezgui: Darüber hinaus bietet die BWO ja auch einen Trainingstag im Rahmen des Werkstattbetriebs an, den wir durch unsere Einheiten ergänzen und ausbauen möchten. Wir werden also sehr eng mit diesen Einrichtungen zusammenarbeiten.
Wie sehen die sportlichen Ziele aus?
Rezgui: Zunächst einmal sind wir froh, dass wir dieses Angebot nun auch im Oberbergischen haben und die Spieler und Eltern nicht mehr so weit fahren müssen. Wenn der Kader stark genug ist, werden wir sicherlich die ersten Testspiele vereinbaren. Zunächst vielleicht in unserer Turnhalle und dann draußen. Es gibt in Ommerborn-Sand eine Mannschaft, gegen die wir spielen könnten, aber natürlich auch in Köln und Bonn. Darüber hinaus werden wir sicher auch einmal „just for fun“ gegen meine B-Jugend spielen.
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Pethe: Die interne Vernetzung ist uns ganz wichtig, denn wir möchten keinen Verein im Verein. Die Spieler sollen ins Vereinsleben integriert werden. Sie bekommen von uns auch die komplette Ausrüstung und natürlich werden sie auch zu unseren Veranstaltungen eingeladen und eingebunden, wie dem Weihnachtsmarkt oder unserem Vereinsjubiläum. Und natürlich können auch andere Vereinsmitglieder zum Training kommen, die keine Behinderungen haben. Ich werde sicherlich auch einmal die Schuhe schnüren. Zudem sind wir gerade in der Namensfindung, die positiv besetzt sein soll. BSV-Specials wäre zum Beispiel eine gute Option.
Gibt es einen Liga-Spielbetrieb?
Rezgui: Ja, den gibt es und natürlich möchten wir perspektivisch auch dort teilnehmen, zumal die Spieler das auch wollen. Bislang haben sie diese Möglichkeit des Wettstreits „nur“ im Rahmen ihrer alljährlichen Werkstattturniere.
Pethe: Dieses Thema Liga werden wir für das Jahr 2020 angehen, und dann müssen wir die Mannschaft auch zusätzlich beim Behinderten-Sportverband anmelden. In dieser Liga kicken dann auch zum Teil ehemalige Profispieler, die etwa durch Unfälle oder Suchtgeschichten gehandicapt wurden. Da hat man dann natürlich gleich ein ganz anderes spielerisches Niveau.



