Oberberg – Hinter Tülay Durdu liegt ein arbeitsreiches Wochenende. Bevor die 45-jährige Rösratherin am Samstag zunächst in Waldbröl von der SPD und dann in Gummersbach von den Grünen als Landratskandidatin nominiert wurde, hatte sie am Freitagabend schon den Kreisparteitag der rheinisch-bergischen SPD zu absolvieren.
Denn: Auch dort kandidiert Durdu – und das auf einem aussichtsreichen Platz. Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Rösrath, die als Landratskandidatin im Rheinisch-Bergischen den CDU-Mann Stephan Santelmann 2017 überraschend in die Stichwahl gezwungen hatte, kandidiert im Wahlkreis Overath 3/Rösrath 3 für ein Direktmandat.
Ein Einzug in den Kreistag scheint da fast schon garantiert
Vor allem aber steht sie auf dem aussichtsreichen Platz vier der Reserveliste. Ein Einzug in den Kreistag im Rheinisch-Bergischen scheint da fast schon garantiert – auch ohne Direktmandat und selbst wenn die SPD im Rheinisch-Bergischen ein katastrophales Wahlergebnis einfahren sollte.
Zwei Wahlkämpfe auf einmal – geht das überhaupt? Durdu schmunzelt: „Danke für die besorgte Nachfrage, aber ich bin eben leistungsorientiert.“ Eine zu große Belastung sieht sie nicht, auch weil sie vorbereitet war: „Dass ich hier für den Kreistag kandidiere, steht ja schon länger fest als meine Landratskandidatur in Oberberg.“ Danach sei sie von den Genossen sogar ausdrücklich gebeten worden, dennoch zu kandidieren: „Sie wollen mich eben am liebsten gar nicht gehen lassen.“
Es gibt genug Bürgermeister, die nicht in ihrer Kommune leben
Für den Vorsitzenden der SPD Oberberg, Thorsten Konzelmann, ist das alles kein Problem. Es gebe genug Bürgermeister, die nicht in ihrer Kommune leben: „Oder eben das Beispiel von Hermann-Josef Tebroke, der in Lindlar wohnte, während er Landrat im Rheinisch-Bergischen Kreis war.“ Nur eines, räumt Konzelmann ein, sei anders: Keiner habe zugleich in der Heimat kandidiert.
Überraschter reagiert Marc Zimmermann, einer der Kreissprecher der Grünen, die die SPD-Frau aus Rösrath mit den Linken und Oberbergs Sozialdemokraten als Kandidatin vorgeschlagen hatten. „Nein, das wusste ich nicht“, sagt er zur Doppelkandidatur.
Zweifel an Durdus Motivation gibt es nicht
Er vermute, dass Durdu sich für den Fall einer Niederlage absichern wolle: „Sonst wäre sie ja erstmal ganz aus der Politik raus. “ Zudem sei sie eines der Gesichter der SPD in Rhein-Berg: „Dass sie da auch für ihre Partei auf Stimmenfang gehen will, kann ich schon verstehen.“
Zweifel an Durdus Motivation, was den oberbergischen Wahlkampf betrifft, hat auch Zimmermann nicht. „Ich kann versichern, dass wir alle bis in die Haarspitzen motiviert sind.“ Den Eindruck habe auch Durdu am Samstag bei den Grünen in Gummersbach hinterlassen: „Mit meiner Kollegin Sabine Grützmacher hat sie bis in die Nacht zusammengesessen, um den Wahlkampf zu besprechen.“
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Zumindest der Fall, was passiert, falls Durdu zweimal gewählt wird – einmal in den rheinisch-bergischen Kreistag, einmal als oberbergische Landrätin – wird kein Fall für Juristen. Die Frage, ob beides zusammen geht, stellt sich für sie nicht. Sie sagt: „Dann werde ich natürlich meine ganze Kraft für die Arbeit als Landrätin aufwenden – und nicht in den Kreistag gehen.“


