Oberberg – „Gemischte Gefühle“ hätten der Landrat und er beim Blick auf die Zahlen, sagte Kreisdirektor Klaus Grootens, als er gestern die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik für den Oberbergischen Kreis in Gummersbach vorstellte. Die Zahl der registrierten Straftaten sank um 3,4 Prozent auf nun 12 553. Im landesweiten Vergleich bedeutet das gemessen an der Einwohnerzahl Platz 4 unter den am geringsten mit Kriminalität belasteten Gebieten. Auch bei der Aufklärungsquote, die um mehr als 7 Prozent über dem Landesschnitt liegt, ist Oberberg in der Spitzengruppe: Fast 59,5 Prozent bedeuten dort Rang 7 im NRW-Vergleich.
Wieder weniger Wohnungseinbrüche
Und dennoch gibt es Sorgen, vor allem bei der Gewaltkriminalität: 567 Straftaten wurden registriert – exakt genau so viele wie im Vorjahr, als die Zahl um fast 16,7 Prozent angestiegen war. Konkrete Ursachen, woran das liegt, habe die Polizei bisher noch nicht ausmachen können, erklärte der neue Leiter der Direktion Kriminalität, Stefan Hebbel: „Beim Blick auf die Fälle gibt es nicht den einen speziellen Ort und die eine spezielle Zeit, wo die Zunahme zu spüren ist.“
Hebbel will diese Delikte deshalb jetzt noch genauer analysieren. Es sei offenbar kein „Einjahresphänomen“, auch wenn die Zahl immer noch weit unter denen in anderen Regionen und vor allem in den Großstädten liege. Trotzdem müsse die Polizei das Thema ernst nehmen. Doch erst, wenn die Ursachen klar seien, könnten auch Konzepte entwickelt werden. Denn: „Wer versucht, alles zu schützen, schützt nichts richtig.“
Sorgen bereitet den Ermittlern auch die Entwicklung bei den Straftaten zulasten älterer Menschen. Während der sogenannte „Enkeltrick“ in seiner reinen Form inzwischen kaum noch vorkomme, hätten sich Banden stattdessen inzwischen auf Anrufe falscher Polizeibeamter konzentriert – mit dem technischen Trick, dass durch Fälschungen bei den Anrufen tatsächlich die Nummer der Polizei angezeigt werde.
„Kein Polizist ruft einen Bürger an mit dem Angebot, zu ihm nach Hause zu kommen und sein Eigentum für ihn zu sichern!“, warnt Hebbel. Dass Prävention fast das einzige Mittel ist, zeigt die fast nicht vorhandene Aufklärungsquote: Nur einer der 121 im Oberbergischen bearbeiteten Fälle konnte aufgeklärt werden.
Als Erfolg werten die Ermittler hingegen sogar den Anstieg bei den Rauschgiftdelikten: Zwar stieg die Zahl um 18,8 Prozent – das aber vor allem dank einiger spektakulärer Ermittlungserfolge (s. Interview).
Einen erfreulichen Rückgang um 8,4 Prozent stellt die Polizei bei den Wohnungseinbrüchen fest. Die Aufklärungsquote bleibt mit 20,9 Prozent über dem Landesschnitt. Die Anzahl der Versuchstaten, bei denen die Einbrecher also letztlich scheiterten, ist mit 46,7 Prozent weiter hoch.
Zwar fällt der Rückgang geringer aus als in ganz NRW (minus 25,7 Prozent). Das erklären sich Hebbel und seine Kollegen aber damit, dass hier der Rückgang schon im Vorjahr (minus 27,2 Prozent) deutlich stärker als anderswo im Land war.
Und so steht am Ende – trotz aller Sorgen – das bekannte, auf das Abschneiden im landesweiten Vergleich bezogene Fazit, das auch Kreisdirektor Grootens gestern gleich zu Beginn gerne wiederholte: „Im Oberbergischen Kreis leben die Bürger in einer der sichersten Regionen in NRW.“
