Viele Lindlarer machten das Konzert an der Wupper für Anduril zum Heimspiel. Die Band genoss den Auftritt hörbar und blickte weit zurück.
JubiläumFolk-Musiker von Anduril aus Lindlar verzaubern die Drahtzieherei in Wipperfürth

Der entspannte Schein trügt: Die Musiker der Lindlarer Band Anduril waren vor ihrem Jubiläumskonzert ganz schön aufgeregt.
Copyright: Wolfgang Weitzdörfer
Wenn man Geburtstag hat, dann ignoriert man das entweder – oder man schmeißt ein rauschendes Fest und lässt es so richtig krachen. Die Lindlarer Folk-Band Anduril, im Jahr 2001 auf der schottischen Isle of Skye gegründet, wird dieser Tage ein Vierteljahrhundert alt. Und schnell hatten sich die Musiker dafür entschieden, das Jubiläum gebührend zu begehen.
Heimspiel in Wipperfürth
Am Freitagabend machte man die Nacht zum Tage und hielt in der Alten Drahtzieherei in Wipperfürth Hof. Die ohnehin nicht gerade kleine Fanbase war in großer Zahl gekommen, wodurch der Abend zu einem echten Heimspiel geriet – und das in der Nachbarstadt. Doch bevor das Sextett um Sänger Tim Roderwieser und Drummer Andreas Schwarz die Bühne betrat, um gnadenlos abzuräumen, lag es am für diesen besonderen Abend zum Quartett angewachsenen Duo Soay, mit Markus Blumberg und Aileen Fliegner aus dem Anduril-Dunstkreis, den Abend mit einigen leidenschaftlich und stimmgewaltig dargebotenen Songs zu eröffnen.
Viel Applaus für die neue Formation Soay
Da gab es etwa das flotte und aktuell sogar aus dem Radio bekannte „The Great Divide“ von Noah Kahan zu hören, wobei besonders der zweistimmige Gesang zu gefallen wusste. Aber auch „Roll Away The Stone“ von Mumford & Sons wurde gespielt, was beim Publikum perfekt ankam, denn jeder Song wurde ausgiebig und geradezu euphorisch bejubelt. Die vier Musiker hatten nicht nur hörbar Lust am Musizieren, da war auch eine Musikalität, die zu beeindrucken wusste. Eigentlich ein Wunder, wenn man sich überlegte, dass praktisch alle Instrumente zwischen den vier Musikern bunt durcheinandergemischt wurden – und etwa Schlagzeuger Markus Blumberg gar erst vor fünf Wochen erstmals hinter seinem damals neu gekauften Trommeln saß.

Von zwei auf vier Musiker ist die neue Formation Soay kürzlich angewachsen, die als Vorband viel Lob erhielt.
Copyright: Wolfgang Weitzdörfer
Aber natürlich wartete das Publikum vor allem auf Anduril, die Irish- und Scottish-Folk-Institution aus dem Oberbergischen, das Geburtstagskind des Abends. „Das ist ein ganz besonderer Anlass für uns, auch weil wir sehr oft im kleineren Rahmen spielen – und dann ist das hier so eine riesige und voll besetzte Halle. Das ist schon krass und beeindruckt uns auch ziemlich“, verriet Akustikgitarrist Dominik Blumberg kurz vor dem Gang auf die Bühne. Und ergänzte: „Ich bin erst seit drei Jahren dabei, aber auch für die anderen ist das nun wirklich kein alltägliches Konzert.“ Entsprechend sei auch er natürlich ein wenig aufgeregt, wie er lachend ergänzte. Die Freude darüber, dass man so viele Wegbegleiter von vergangenen Konzerten treffen werde, sei jedenfalls riesig.
Ich bin erst seit drei Jahren dabei, aber auch für die anderen ist das nun wirklich kein alltägliches Konzert.
Und dann ging es auch los, mit einem ersten Video, denn der Abend lebte auch davon, dass hier im Bühnenhintergrund eine ganze Menge aus dem Bandleben zu sehen war. Die Songs stammten ebenfalls aus den ganzen vergangenen 25 Jahren, etwa die vom ersten Album aus 2007 stammenden Songs „Whalerider“ und „Johnny Fraser’s Lights“. Aber auch Lieder wie der Titelsong des nach wie vor aktuellen Albums „Nordic Circle“ oder auch „Heart Of Oak“ von 2023 wurden präsentiert – mit letzterer Hymne gaben die Musiker zugleich eine Liebeserklärung an ihren viel zu früh verstorbenen E-Gitarristen Hannes Koch ab.

Eindrücke, Bilder und Videos aus 25 Jahren Bandgeschichte bildeten die Kulisse für Anduril-Musik, die auch nach Mitternacht noch zu hören war.
Copyright: Anne Sauer
Die Band bewies auf der Bühne eindrucksvoll, dass sie auch nach einem Vierteljahrhundert immer noch Lust auf Musik hat und zugleich im Hier und Jetzt angekommen ist. Immer wieder viel Beifall erhielt aber auch Scott Henderson, der an der Mandoline zu hören war. „Die Bekanntschaft mit der Band geht auf das Gründungsjahr auf der Isle Of Skye zurück. Seitdem steht die Beziehung – und Scott war zuletzt auch zusammen mit uns auf der Frankreich-Tour“, berichtete Dominik Blumberg.
Unter dem Strich hätten sich Anduril kaum ein besseres Setting für diesen besonderen Abend und ihre Silberhochzeit aussuchen können. Das fand auch das Publikum, das mit seinem begeisterten Applaus nicht hinter dem Berg hielt. Und vor allem eines hatte – eine wunderbare Zeit in der Alten Drahtzieherei. Was konnte man sich mehr wünschen?
