Mit Power, Präzision und Begeisterung üben die jungen Musikerinnen und Musiker in Lindlar Schostakowitschs 11. Sinfonie.
Große Symphonik im KulturzentrumJunges Orchester probt in Lindlar

Während die Bläserabteilung im Kulturzentrum probte, übten die Streicher in der Vossbruchhalle.
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Die zweiundzwanzig Musikerinnen und Musiker der Bläserabteilung sitzen auch am Freitagabend um 20 Uhr noch hochkonzentriert im Kulturzentrum und blicken auf Probenleiter Prof. Thomas Ludes. Der kitzelt an diesem Abend wichtige Nuancen aus den jungen Menschen heraus, lässt Passagen wiederholen und gibt immer wieder Hinweise zu Betonung und Tempo.
Proben auf höchstem Niveau
Die Symphonie Nr.11 von dem russischen Komponisten Schostakowitsch wird geprobt. „Es ist in eurer Macht, ob die Zuhörenden hinterher sagen:Ja, die jungen Leute haben nett gespielt, oder ob sie sagen: Das war ein Konzerterlebnis!“, motiviert Ludes die Musikerinnen und Musiker. Orchesterleiter und Dirigent Prof. Ingo Ernst Reihl ist auch da und gibt zwischendurch Hinweise. Schnell ist klar: der Anspruch ist hoch, sehr hoch.
Doch vielleicht ist es gerade das, was die jungen Leute anzieht, denn die Plätze in dem Ensemble sind heiß begehrt. „Wir hatten in diesem Jahr viel mehr Anmeldungen als wir mitnehmen konnten“, so Reihl. Hundertzwanzig Plätze hat das Orchester. „Das ermöglicht große Symphonik mit vielen Bläsern, und das wünschen sich die jungen Leute auch.“
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Leise Töne, großes Orchester
„Schostakowitsch ist ja keine leichtgängige Kost, und trotzdem kommen so viele Musizierende und auch so viele Leute, die sich das anhören. Das ist schon besonders“, führt Reihl weiter aus. „Aber es macht auch eine Freude, zuzuhören, allein die akustische Spannweite von den leisesten Tönen bis hin zu einem Lärmen ist wahnsinnig groß.“
Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Wahl auf den russischen Komponisten gefallen ist: „Wir versuchen immer, Werke zu finden, die irgendwie in die Zeit gehören. Und in der Weltlage, in der wir uns jetzt befinden, ist das Ringen um Freiheit und Demokratie ein großes Thema.
Das Kulturzentrum ist sehr besonders, und vor allem, dass wir hier proben und auftreten können
Das Stück handelt von der Niederschlagung von friedlichen Menschen, die zum Zar gehen wollten, um mit ihm zu sprechen.“ Reihl sind die Geschichten wichtig, die in seinen Augen durch die Musik erfahrbar werden. Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) erzählt in seiner 11. Sinfonie „Das Jahr 1905“ vom Petersberger Blutsonntag. Im Foyer des Kulturzentrums steht eine Ausstellung zum Komponisten, im Programmheft sind die Hintergründe zum Stück ausführlich dargelegt.
Kathrin Cegla kommt aus dem Kreis Kleve und ist schon im zwölften Jahr, seit dem Beginn ihres Musikstudiums, im Ensemble. Die Musiklehrerin spielt Horn und ist von der Größe und Qualität des Orchesters begeistert: „In diesem großen Orchester hat die Musik eine ganz andere Körperlichkeit. Man fühlt die Musik richtig, auch die leisen Stellen.“ Kathrin Cegla freut sich auch über die Verbindungen, die über die Jahre entstanden sind: „Das ist schon eine besondere Art der Freundschaft, weil sie losgelöst vom Alltag ist und uns alle unsere Leidenschaft für Musik verbindet“.
Prof. Ingo Ernst Reihl kommt mit dem Jungen Orchester seit 2011 regelmäßig nach Lindlar. „Das Kulturzentrum ist sehr besonders, und vor allem, dass wir hier proben und auftreten können“, schwärmt Reihl und hebt in diesem Zusammenhang die herzliche Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Gemeinde und der Jugendherberge, in der die Musizierenden in der Probenwoche wohnen, hervor. In den kommenden Wochen startet das Ensemble eine Konzertreise in die Philharmonie Essen und in das Bochumer Musikforum Ruhr.
Das Konzert findet heute, Montag, um 18 Uhr im Kulturzentrum Lindlar statt. Karten sind unter der Nummer (02266) 96 400 und an der Abendkasse verfügbar.

