Die Neugestaltung im Ortskern von Lindlar sorgt für eine Menge Gesprächsstoff. Der Gemeinderat lehnt ein mit Anwohnern abgestimmtes Konzept ab.
Konzept für NeugestaltungUmgestaltung in Lindlar: Wieder Knatsch um den Kamper Platz

Abgelehnt hat der Gemeinderat diesen Entwurf, der den Kritikern der ursprünglichen Pläne entgegenkam.
Copyright: Büro Holzem + Hartmann
Den „Kamper Platz" gibt es in Lindlar eigentlich gar nicht. Das Rondell, an dem die Kamper Straße auf die Bachstraße und die Brennergasse trifft, gehört nämlich strenggenommen zur Kamper Straße. Und trotzdem sorgt das kleine Plätzchen mitten im Ortskern in dieser Woche für eine ganze Menge Gesprächsstoff. Das liegt vor allem an der Sitzung des Gemeinderates am Dienstagabend, in der die Neugestaltung des Platzes im Rahmen der städtebaulichen Modernisierung Thema. Und da war sich die Politik längst nicht einig.
Umgestaltung bereits seit September 2025 Thema
Rückblick: Bereits im September des letzten Jahres stand die Umgestaltung des Ortskerns für die Politik auf der Tagesordnung. Bei den Entwürfen der Landschaftsarchitekten für den Kirchplatz, also den unmittelbaren Raum vor der Severinuskirche, hatte die Politik noch die wenigsten Bauchschmerzen. Eine vorgesehene Grauwackestele wurde von der breiten Ratsmehrheit gleich aus Kostengründen abgeräumt. Und Bedenken, ob der Karnevalszug auch über den neuen Kirchplatz würde kurven können, durch praktische Tests mit Traktor und Anhänger zerstreut.
Zankapfel war indes schon damals der „Kamper Platz". Einen Ort mit viel Grün, kleinem Spielplatz, allerdings auch die Entfernung der bestehenden großen Linde, stellten die Planer damals vor. Dagegen formierte sich nicht nur in der Politik Widerstand, auch Anwohner fürchteten, künftig ihre Garagen nicht mehr ansteuern zu können, Geschäftsleute protestierten.

Das Ende der Kamper Straße.
Copyright: Sauer
Die Gemeinde und das zuständige Planungsbüro B.A.S. reagierten: Ein öffentlicher Lenkungskreis wurde initiiert, bei dessen Sitzung im Juni B.A.S. Varianten der Planung vorstellte, die mit den Lindlarern diskutiert wurden. Richtig überzeugen konnte die Bürgerinnen und Bürger allerdings kein Modell, dafür machten sie eigene Vorschläge für den „Kamper Platz", die von dem Planungsbüro wiederum gezeichnet wurden. Dabei zeichneten die Architekten den Entwurf zwar, allerdings teilten sie laut Vorlage für die Ratssitzung am Dienstag zugleich mit „dass bei dieser Art der Gestaltung wesentliche Qualitäten der bisherigen Planung in Frage gestellt werden." Und weiter heißt es, dass „das Planungsbüro seine Leistungen für diesen Teilbereich mit den erbrachten Alternativentwürfen als abgeschlossen betrachtet." Simpel ausgedrückt: Die Planer hatten von dem Hin und Her die Nase voll und stiegen aus.
Vorstellung im Bauausschuss des Gemeinderates
Daraufhin beauftragte die Verwaltung das Büro Holzem und Hartmann, einen Entwurf zu skizzieren, der die Bürgerwünsche aufnimmt. Dieser wurde Ende September im Bauausschuss des Gemeinderates vorgestellt und da begann der jüngste Knatsch eigentlich erst so richtig. Die Mehrheit im Ausschuss, vor allem die CDU, stimmte damals für jenen Plan und sprach eine entsprechende Empfehlung an den Gemeinderat aus. Jüngst im Gemeinderat blieben die Christdemokraten inklusive Bürgermeister allerdings alleine mit ihrer Zustimmung, BSW und FDP votierten anders als im Bauausschuss und damit bekam der Entwurf (14 gegen 15 Stimmen) keine Mehrheit – mit der gleichen Stimmenverteilung wurde stattdessen beschlossen, dass der ursprüngliche B.A.S.-Plan weiter verfolgt werden soll.
CDU-Fraktionschef Armin Brückmann war auch am Donnerstag noch ordentlich angefressen: „Wer ohnehin den Willen der Anwohner ignorieren will, braucht nicht für Bürgerbeteiligung werben. Das hätten wir uns alles sparen können. Es fördert die Politikverdrossenheit und nützt am Ende genau den Falschen." In der Ratssitzung am Dienstag hatte Brückmann scharf kritisiert, dass es im Bauausschuss ein anderes Ergebnis gegeben habe. Dem wiederum hatte SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Scherer entgegengehalten, dass der Rat das letzte Wort habe und eben nicht einer seiner Ausschüsse.
Auf sein Abstimmungsverhalten am Dienstag angesprochen sagte FDP-Ratsmitglied Harald Friese, dass die Zusammenarbeit beim Kamper Platz ein Überbleibsel aus der Ampel-Koalition der letzten Ratsperiode sei. Bedenken der FDP hinsichtlich der Förderfähigkeit dieses oder jenes Entwurfes hätten sich inzwischen zerstreut, weshalb er sich für die ursprüngliche Variante entschieden habe. Für genau die hatten SPD, Grüne, Linke und das BSW am Dienstag noch einmal geworben. Es gehe darum, weniger Verkehr auf dem „Kamper Platz" zugunsten der Aufenthaltsqualität zuzulassen, so Scherer. Und Jörg Mehlhorn (Linke) befand, dem Rat würde Mut zur Veränderung gut stehen. (sfl)
