Gummersbach – Drei Polizisten, die mit einer Drogen- und Einbrecherbande kooperieren, in dem sie ihnen dienstliche Informationen zuspielen – was ein Gummersbacher Ermittler am Dienstag als Zeuge im Prozess vor dem Kölner Landgericht aussagte, sorgte am Dienstag für Schockwellen in der oberbergischen Politik. Die hatte nämlich erst aus dieser Zeitung von den Vorfällen erfahren. Vor allem Mitglieder des Polizeibeirats, eines generell nicht öffentlich tagenden elfköpfigen, vornehmlich aus Kreistagsmitgliedern bestehenden Gremiums, fühlen sich düpiert.
Polizeibeirat wurde nicht informiert
Die neun angeklagten Mitglieder der Gruppe hatten zwischen Mai 2016 und April 2017 mit kiloweise Marihuana gehandelt und dabei auch vor einem Einbruch in die Gummersbacher Cannabis-Plantage eines bis heute nicht ermittelten weiteren Straftäters nicht zurückgeschreckt. Vor Gericht räumten sie am Dienstag alle ihnen zur Last gelegten Taten ein.
Im Zuge der Ermittlungen war die Kripo darauf gestoßen, dass die Gruppe offenbar Unterstützer in Reihen der Polizei hatte. Drei Beamte wurden als mutmaßliche Maulwürfe identifiziert. Sie sollen die Kriminellen mit internen Informationen aus den Ermittlungen versorgt haben. Zwei konnten aufgrund ihrer erst kurzen Dienstzeit als Polizisten Mitte 2018 sofort entlassen werden. Der dritte ist bis heute suspendiert, gegen ihn laufen auch strafrechtliche Ermittlungen.
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Nicht nur Polizeibeiratsvorsitzender Thorsten Konzelmann (SPD) stellte am Mittwoch klar, der Beirat hätte über einen solch gravierenden Vorgang unbedingt informiert werden müssen. Ina Albowitz-Freytag (FDP) zeigte sich fassungslos sowohl über den Vorfall an sich als auch über das Informationsgebaren von Landrat Jochen Hagt. Dass sie außerdem nicht von ihm, sondern „aus dem Hause“ erfahren habe, dass Polizeichef Ralf Schmidt Ende Mai in Pension gegangen und Sascha Himmel als neuer Polizeidirektor zum Nachfolger ernannt worden ist, steigert die Verärgerung zusätzlich. Entsetzen auch bei Axel Osterberg (CDU), der den Vorgang jetzt in der Kreistagsfraktion besprechen will: Verhindern könne man solche Vorfälle nie, aber wenn sie schon passierten, hätten die engsten politischen Gremien informiert werden müssen,
Landrat Jochen Hagt will nicht ausschließen, dass der Beirat informiert wurde, jedenfalls werde er das jetzt prüfen lassen. Falls bislang nicht geschehen, werde er die Information in der nächsten Sitzung nachholen.
Dienstrechtliche Konsequenzen
Insgesamt sieht der Landrat als Chef der Kreispolizeibehörde diese in ihrer Struktur durch den Vorfall nicht beeinträchtigt: Dass so etwas nach drei Jahren Ausbildung und dem Ablegen des Amtseids trotzdem passiere, sei ihm ebenso unverständlich wie den Kollegen der drei Beamten, sagte Hagt auf Anfrage, aber Schwarze Schafe gebe es überall. Die Sache sei aufgefallen, die notwendigen dienstrechtlichen Konsequenzen habe man umgehend gezogen.
Dass die Suche nach den polizeilichen Tippgebern die Ermittlungen gegen die Drogenbande nicht nur erschwerte, sondern auch deutlich in die Länge zog, gereicht den neun Angeklagten jetzt womöglich noch zum Vorteil zusätzlich. Der Staatsanwalt erklärte am Dienstag, die lange Verfahrensdauer müsse strafmildernd berücksichtigt werden. Ohne „Maulwurf-Problematik“ würde es die Bewährungsstrafen nicht geben, auf die er jetzt plädierte.

