Eigentlich ziehen sie im Oktober gen Süden. Am Wochenende waren am oberbergischen Himmel dennoch Kraniche zu sehen. Ein Experte erklärt die Ursache.
VogelweltWarum ziehen schon wieder Kraniche über Oberberg?

Späte Kraniche waren am Wochenende über Oberberg zu sehen.
Copyright: Christoph Buchen
Kraniche mitten im Winter? Uwe Adolphs aus Benroth traute am Samstag seinen Augen nicht, als gegen Mittag sieben Kranichtrupps in typischer „1“-Formation und mit lautem Trompeten über den Nutscheid und das Bröltal zogen. Aber auch weiter im Norden des Kreises waren die Tiere zu sehen, als sie in Gummersbach unweit des Steinbergs kreisten und dort nicht zu überhören gewesen sind.
Der Vertrauensmann für Vogelschutz, Christoph Buchen aus Morsbach, der seit 58 Jahren die Kranichzüge im Oberbergischen erfasst, bestätigt, dass es sich um diese Großvögel handelte. „Bis in die 1970er Jahre hinein zogen die Vorboten des Winters stets im Oktober in die Winterquartiere und kehrten zu Frühlingsbeginn im März wieder zurück“, erinnert er sich. „In den letzten 40 Jahren hat sich jedoch der Kranichzug erheblich verändert“, stellt der Ornithologe fest. Nach seinen Aufzeichnungen kann man von Ende September bis Anfang April durchgehend Kranichzüge beobachten.
In den milden letzten Jahren haben die Kraniche in Norddeutschland sogar überwintert und auf Feldern und Feuchtwiesen noch Nahrung gefunden. Wenn aber dann eine Kältewelle einsetzt und das Land mit einer geschlossenen Schneedecke überzogen wird, ergreifen auch die letzten Kraniche die Schneeflucht und ziehen über Westdeutschland in ihre französischen und spanischen Winterquartiere.
So geschehen am Wochenende. Christoph Buchen berichtet: „Samstagvormittag gingen die ersten Beobachtungen von Naturfreunden aus dem Raum Waldbröl, die an der Wintervogelzählung des Nabu teilgenommen haben, bei mir ein. Bis zum Abend waren es 25 Trupps mit geschätzt 2000 Kranichen.“ Sollte bald mildes Wetter einsetzen, könnten die ersten Vorboten des Frühlings wieder zurück nach Deutschland kommen.

