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Interview

Neue Wege
Lena und Miguel Rigau haben eine Leichtathletik-Gruppe in Nümbrecht gegründet

8 min
Lena und Miguel Rigau auf der Baustelle am Sportplatz in Nümbrecht.

Auf der Baustelle am Sportplatz in Nümbrecht können sich Lena und Miguel Rigau schon vorstellen, wo bald ihre Leichtathleten laufen.

Wie ihr Angebot angenommen wird und wie sie Sport, Beruf und Familie unter einen Hut bekommen, darüber haben wir mit den beiden gesprochen.

Im April haben Lena (36) und Miguel (40) Rigau eine Leichtathletikgruppe gegründet, die mittlerweile eine Abteilung im SSV Nümbrecht Handball ist. An den vergangenen Wochenenden sind sie mit den Kindern bereits bei Wettkämpfen an den Start gegangen. Über das Angebot geben die beiden ehemaligen deutschen Spitzenläufer über 400 Meter ihre Leidenschaft für die Leichtathletik weiter.

Lena Rigau gewann einst die Silbermedaille bei der U23-Europameisterschaft und wurde 2014 Team-Europameisterin. Den Titel sicherte sich ihr Mann 2009 und 2014, zudem stand er mit der 4x400 Meter-Staffel 2011 im Finale der Weltmeisterschaft. Wie ihr Angebot angenommen wird und wie sie Sport, Beruf und Familie unter einen Hut bekommen, darüber sprach Andrea Knitter mit Lena und Miguel Rigau.

Wie hat es Sie nach Nümbrecht verschlagen?

Lena Rigau: Im Grunde genommen mit dem Finger über der Landkarte. Wir haben zusammen in Köln gewohnt und sind von dort nach Berlin gezogen, wo Miguel 2018 die Leichtathletik-EM mitorganisiert hat. Als dann unsere älteste Tochter geboren wurde, wollten wir zurück und haben einen Standort gesucht, der zwischen den Wohnorten unserer beiden Familien liegt. Das war zunächst Gummersbach und von dort ging es nach Nümbrecht, wo wir ein Haus gebaut haben und ich Lehrerin an der Grundschule bin.

Miguel Rigau: Wir sind Ende 2020 nach Nümbrecht gezogen, mussten erst einmal ankommen und uns als Familie organisieren. Wir haben drei Mädchen im Alter von neun, sieben und drei Jahren.

Lena Rigau: Unsere beiden älteren Mädchen spielen im SSV Handball, wir wollten aber auch, dass sie unsere Sportart kennenlernen. Dazu kommt die perfekte Infrastruktur in Nümbrecht mit der Verbindung der Schulen und der Sportstätten, wo jetzt am Sportplatz auch noch die Leichtathletikanlagen neu gebaut werden. Ich habe in der Schule zudem gesehen, dass es viele talentierte Kinder gibt. Wie viel Spaß ihnen die Leichtathletik macht, hat sich ja auch mit den Wettbewerben der NRW Young Stars gezeigt, bei denen wir mit einem Schulteam ins Regionalfinale gekommen sind.

Miguel Rigau: Kinder wollen sich sportlich betätigen und gegenseitig messen. Mir läuft es jetzt noch kalt den Rücken runter, wenn ich daran denke, wie es direkt beim allerersten Wettkampf der NRW Young Stars in Nümbrecht war, als es mit der Hindernisstaffel losging. Die Kinder hatten unfassbar Spaß und wurden begeistert von ihren Schulkameraden angefeuert. Das war einfach toll.

Wie ist es zur Zusammenarbeit mit den Handballern gekommen?

Lena Rigau: Durch unsere Töchter. Zudem wollten wir keinen eigenen Verein gründen, das wäre uns dann doch zu viel geworden. Wir hätten es ja auch nicht alleine machen können. Wir haben mit dem SSV-Vorsitzenden Mario Jatzke gesprochen und sind bei ihm auf offene Ohren gestoßen. Aktuell machen wir einmal die Woche klassische Leichtathletik und arbeiten ein weiteres Mal im allgemein athletischen Bereich, hier kommen auch Kinder aus dem Handball gezielt zu den Einheiten.

An welche Altersgruppe richtet sich Ihr Angebot?

Miguel Rigau: An die Jahrgänge 2013 bis 2019. Wir sehen es als klassisches und als ergänzendes Angebot zum Handball.

Wie ist das Angebot angenommen worden?

Miguel Rigau: Die Eltern rennen uns die Hütte ein. Wir haben schon eine lange Warteliste. Im Training sind aktuell 24 Mädchen und Jungen in unserer Gruppe, mehr geht nicht. Das sind pro Trainingseinheit meist 18 , was mehr als genug Teilnehmer sind. Denn wir müssen uns als Abteilung und als Familie abbilden können. Wir planen, die Abteilung perspektivisch zu erweitern, aber dafür brauchen wir Sicherheit, wie wir über den Winter kommen, denn mit den jungen Leichtathleten können wir nicht die ganzen kalten Monate draußen trainieren. Im Moment führen wir auch mit der Stadt Wiehl Gespräche. Das ist schon anders, als zu unserer aktiven Zeit, als wir zunächst eine Stunde Schnee geschüppt haben, um auf die Laufbahn zu können.

Sie haben bisher aber auch schon zum Leichtathletik-Training fahren müssen, da die Nümbrechter Anlage noch nicht fertig ist.

Lena Rigau: Mitte April haben wir bei der ersten Trainingseinheit mit zehn Kindern noch den Sportplatz in Nümbrecht genutzt. Seitdem fahren wir jeden Donnerstag nach Waldbröl, trainieren auf der dortigen Leichtathletikanlage, die offen zugänglich ist. Dazu nehmen wir die Geräte mit und werden dabei von den Eltern unterstützt. Dienstags nutzen wir übergangsweise den Schulhof und das Foyer der Nümbrechter Grundschule. Man muss nur kreativ sein, trainieren kann man immer.

Was ist Ihre Trainingsphilosophie?

Miguel Rigau: Wir haben einen Anspruch an uns und an die Kinder. Wir möchten keine Breitensportgruppe sein. Wir bieten für die Kinder altersgerecht alle Disziplinen im Mehrkampf an, wobei der Wurf, dadurch, dass die meisten Handball spielen, ein bisschen weniger stattfindet. Erst im Alter von 14 bis 15 Jahren zeigt sich, wo es hingeht und es beginnt die Spezialisierung. Natürlich sehen wir aber auch bereits jetzt erste Tendenzen und versuchen, entsprechend im Training zu differenzieren, ganz klar mit dem Ziel einer sportlichen Erfolgsperspektive.

Sie haben im April mit dem Training begonnen und haben jetzt bereits an den ersten Wettkämpfen teilgenommen. Hat das gut funktioniert?

Miguel Rigau: Der erste Wettkampf war Anfang Juni ein kleines Sportfest in Olpe mit familiärer Atmosphäre. Einen Monat später sind die Kinder dann erstmals überregional gestartet, ein kleiner Kreis des Teams bei der U12-Talentiade. Hierbei qualifizieren sich jeweils die drei besten der neun Vorrunden-Wettbewerbe für das Finale Ende September. Und unsere drei Leichtathleten haben direkt fünf Finaltickets gebucht. Uns ist es wichtig, die Kinder in die Wettkämpfe zu bringen, damit sie Erfahrung sammeln können (siehe unten stehenden Artikel).

Lenau Rigau: Solche Wettkämpfe sind schon anders als im Mannschaftssport. In der Leichtathletik schauen alle auf einen, das kostet Überwindung, macht schon nervös, aber am Ende auch stolz.

Wie ist es mit der Ausstattung, ist alles für die Leichtathletik vorhanden?

Miguel Rigau: Wir hangeln uns so durch. Wir haben viele Dinge besorgt und gekauft, wie zuletzt eine Hochsprunganlage über das Leichtathletik-Team Deutsche Sporthochschule, LTDSHS Köln, in dem ich derzeit noch Vizepräsident Sport bin. Das Gymnasium stellt uns die Hürden zur Verfügung. Und dann ist da natürlich die Vorfreude, dass wir in Nümbrecht demnächst am Sportplatz blaue Bahnluft schnuppern.

Was macht die Leichtathletik für Sie aus?

Miguel Rigau: Das ist ein Bereich, der uns beide von Kindheitsbeinen begleitet. Es ist ein total cooler Sport. Nichts ersetzt dieses besondere Gefühl im Startblock, diese einzigartige Spannung in dem leisen Moment zwischen fertig und Schuss. Leider hat die Leichtathletik viel an Aufmerksamkeit verloren, das hat aus unserer Sicht auch strukturelle Gründe. Es braucht keine frühe Zentralisierung, sondern eine starke Fläche, aus der sich die Spitze entwickeln kann. Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang und sie wollen sich messen. Sie im Sport zu begleiten, ist die Aufgabe von uns allen.

Lena Rigau: Es hängt auch ganz viel an den Eltern, denn Kinder müssen auch lernen zu verlieren. Das ist eine Charakterschule. So sprechen wir ganz gezielt Kinder an, die den richtigen Ehrgeiz haben, um erfolgreich zu sein. Sie ziehen und machen mit.

Miguel Rigau: Denn bei allem ist es doch so, nirgendwo lernt man besser Resilienz als im Sport.


Zeitplan

Die Arbeiten an den Leichtathletikanlagen Mit der neuen Tartanbahn sowie den Wurf- und Sprunganlagen am Sportplatz in Nümbrecht sollen mit Schuljahresbeginn abgeschlossen sein. So sieht es laut Bürgermeister Thomas Hellbusch der Zeitplan vor. Einzig das Wetter könnte dem einen Strich durch die Rechnung machen, erklärt er mit Blick auf Hitzeperioden wie zuletzt oder eine Starkregenphase.

Die Kunststoffarbeiten an der Tartanbahn brauchen über drei Wochen bestimmte Temperaturen und die Oberfläche sie so empfindlich, dass nach Aussage des Herstellers nicht einmal ein Tischtennisball darauf fallen dürfen, berichtet Hellbusch weiter.


Die ersten Wettkämpfe der Nümbrechter Nachwuchsleichtathleten

Gleich zweimal stellten sich die neu formierten Leichtathleten des SSV Nümbrecht an ihrem zweiten Wettkampfwochenende der starken Konkurrenz im Verbandsgebiet des Landesverbands Nordrhein. Mit drei Athleten des Jahrgangs 2016 ging es im Sportpark Höhenberg um Tickets für die Finals des Landesverbands im September in Ratingen.

Das neu geschaffene Wettkampfkonzept zielt darauf ab, junge Athletinnen und Athleten der Altersklasse U12 früh an den Leistungssport heranzuführen und Vergleichswettkämpfe auf höchstem Niveau auszutragen. In insgesamt neun Vorrunden können sich jeweils die drei Erstplatzierten einer jeden Disziplin für die Finals im September qualifizieren.

Das Wettkampfdebüt in Troisdorf hat den Nümbrechter Leichtathleten sichtlich Spaß gemacht.

Das Wettkampfdebüt in Troisdorf hat den Nümbrechter Leichtathleten sichtlich Spaß gemacht.

Aus ihren insgesamt neun Einzelstarts nahmen die Nümbrechter Leichtathleten am Ende fünf Tickets für die Finals mit. Allen voran glänzte Josephine Höhn bei ihrer Wettkampfpremiere mit dem Sieg im Sprint über 30 Meter fliegend. Weitere Tickets sicherte sich Josephine Höhn im Weitsprung und Ballwurf. Edda Rigau qualifizierte sich im Hochsprung und Ballwurf.

Beim traditionsreichen Alwin-Herrmann Sportfest in Troisdorf kam das Team Track des SSV Nümbrecht Handball auf 35 Einzelstarts. Insgesamt sieben Mal standen die jungen Athletinnen und Athleten ganz oben auf dem Podest im Aggerstadion. Besonderes Highlight war der Doppelerfolg im Hochsprung von Lotte Faulenbach und Mira Thiele, während quasi zeitgleich Paula Boosen in ihrem ersten 800 Meter Rennen direkt die Spitze des Feldes übernahm und souverän Erste wurde. Weitere Siege gingen an Pepe Bubenzer, Levi Jatzke, Emma Marie Roesner, Josephine Höhn und Lotte Faulenbach (Ballwurf).

„Wir haben hier als Team einen tollen Eindruck hinterlassen können“, freuten sich die Trainer Lena und Miguel Rigau. Unabhängig von Platzierungen hätten die Athleten wirklich herausragende Einzelleistungen gezeigt. „Gerade im Weitsprung haben sich Eleni Hebenstreit, Mira Thiele und Leonard Dehl super entwickelt. Das stimmt uns positiv für den Rest des Sommers“, zeigten sich die Coaches zufrieden.