Verjüngungskur zum 100. Geburtstag: Das Kreismuseum zeigt oberbergische Geschichte als Playmobil-Set.
Schloss HomburgPlaymobil-Ritter sind zurück in Nümbrecht

Das Schloss selbst krönt ein großes Diorama.
Copyright: Siegbert Dierke
Das Museum des Oberbergischen Kreises auf Schloss Homburg feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Das große runde Jubiläum hat Museumsleiter Steffen Müller zum Anlass genommen, die Ausstellung grundlegend umzugestalten. Schon im Eingangsbereich zum historischen Treppenhaus gibt es den ersten Aktionstisch und einige Exponate zum Anfassen. Müller möchte signalisieren: „Die Tür geht auf, Kinder haben Spaß.“
Das Museum soll jünger, aktiver und beweglicher werden. Bei einem Presserundgang erläuterte Müller am Dienstag seine Vision und stellte die vielköpfige Helferschar vor, die ihn dabei unterstützt. Es sind mehrere tausend Playmobil-Figuren, die wie schon vor sieben Jahren das ganze Haus bevölkern.

Eine der detailreichen Playmobilszenen erinnert an die Spitzer-Porzellan-Ausstellung.
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Unter dem Titel „Geschichte(n) erleben, Teil 2“ sind ab heute und bis Ende Januar 2027 große Dioramen zu sehen. Die detailverliebten Arrangements aus den Kunststoffmaterialien des fränkischen Spielzeugherstellers machen das Schloss und das Kreismuseum darin selbst zum Thema.
Erneut hat der Hamburger Diorama-Künstler und Playmobil-Markenbotschafter Oliver Schaffer mit seinem Fundus aus 400.000 Figuren und drei Millionen Bauteilen Erstaunliches geschaffen. In der Orangerie ist eine großflächige Fantasieversion des Homburger Landes zu sehen.
Auch wenn man hier eine Stunde lang steht und schaut, entdeckt man immer noch etwas Neues.
Zu den „Oberbergischen Geschichten“, die dort erzählt werden, gehört das einst harte Brot der Landwirtschaft, das der Gegend den Namen „Haferspanien“ eintrug. Die Spielzeugszenen künden vom Hexenwahn des 17. und dem Jagdwesen des 18. Jahrhunderts. Napoleon und seine Truppen marschieren auf. Sogar der „Siegburger Vergleich“, bei dem die Gegend 1604 unter den Regionalfürsten aufgeteilt wurde, ist zu sehen – mal was anderes als Cowboys und Dinos und „Drachenzähmen leicht gemacht“.
Nümbrechter Schloss im Pudding-Ton
Gekrönt wird das bunte Treiben von einem Plastikmodell des Schlosses, originalgetreu bis hin zum charakteristischen Anstrich im Pudding-Ton, wie Hausherr Müller anmerkt. „Auch wenn man hier eine Stunde lang steht und schaut, entdeckt man immer noch etwas Neues“, verspricht Müller.
Unten in der Black Box des Anbaus werfen die Ausstellungsmacher einen Blick auf die vielen Sonderausstellungen, die das Haus in 100 Jahren erlebt hat. In kleinen Schaukästen erinnern 36 Playmobil-Szenen stellvertretend an die 132 Themen, die das Schlossmuseum aufgegriffen hat, von der Reformation bis zum Zug der Kraniche. Im Altbau gegenüber finden sich weitere Schaulandschaften, die sich allgemein dem Museumswesen und dem Leben auf und rund um eine mittelalterliche Burg widmen.

Im Verlies schmort ein Ghostbuster.
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Elf Tage lang hat Oliver Schaffer im Schloss gearbeitet, nachdem das Museumsteam Ende Mai in Eigenleistung die Podeste zusammengeschraubt hatte. Im September will Schaffer wiederkommen und noch ein paar neue Ideen verwirklichen, kündigt Steffen Müller an.
Drei Grundsätze werden auch noch gelten, wenn die Playmobil-Figuren Ende Januar verschwunden sind: Das neue Museum möchte verstärkt kinderfreundliche Aktionen bieten, und es möchte sich selbst zum Thema machen. Und es will seine Ausstellungsräume flexibel nutzen, immer wieder neue Exponate aus dem Fundus holen. Im Obergeschoss veranschaulicht ein „Sammelsurium“ mit einem beispielhaften Exponat für jedes der 100 Museumsjahre, wie breit gefächert die regionalgeschichtliche Sammlung ist. Aus dem früheren Jagdsaal sind die Flinten und Hirschfänger verschwunden, hier bekommt man nun einen kurzweiligen Grundkurs in oberbergischer Museumskunde. Aber keine Angst, die Ritterrüstungen aus der Burg Volperhausen sind noch da.
Die Burgküche und ihr Nebenraum werden künftig der Baugeschichte gewidmet sein. Schlossherr Steffen Müller kündigt an, dass bald der Frage nachgeforscht wird, warum es dort eine innenliegende Schießscharte und einen unpraktisch erhöhten Boden gibt. Das Schloss hat noch seine Geheimnisse.
Eines kann hier verraten werden: Die Ghostbusters haben gegen Hom-Buh verloren. Das Schlossgespenst, das auch durch die Playmobil-Schau spukt, hat einen der Geisterjäger in seinem Küchenverlies festgesetzt. Dort kann er nun die nächsten 100 Jahre schmoren.
Museumsfest im September
Das Museum Schloss Homburg ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, es gibt Familienkarten für 10 und 15 Euro. Zum Programm des Jubiläumsjahres gehören neben den Open-Air-Konzerten am zweiten Juli-Wochenende (u.a. mit Kasalla) ein großes Museumsfest für die ganze Familie am Sonntag, 13. September.
