Die Pflanzentauschbörse auf Schloss Homburg gab praktische Hinweise für den naturnahen Ziergrarten und die regionale Gemüseernte.
PflanzentauschbörseWie man einen oberbergischen Obstbaum zusammenbaut

Der Pomologe Thorben Weschenbach zeigte den Besuchern , wie Obstbäume veredelt werden. Dafür konnten sie eigene Edelreiser mitbringen oder aus regionalen Sorten auswählen.
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Frühlingswetter mit strahlendem Sonnenschein hat am Samstag rund eintausend Gartenfreunde auf die Pflanzentauschbörse gelockt. Bereits vor dem Start um 10.30 Uhr bildete sich eine Traube von gut 150 Menschen am Eingang unterhalb von Schloss Homburg. Nach Öffnung der Schranke strömten sie ungestüm auf den Platz vor dem Roten Haus, um ihre mitgebrachten Pflanzen gegen Neuzugänge für den Garten zu tauschen oder bei einem Plausch an den mehr als 30 Ständen ihr Gärtnerwissen zu teilen. So sieht es das Format vor, das die Biologische Station Oberberg in Kooperation mit Nabu, Landfrauen und dem Naturgartenverein schon zum 27. Mal veranstaltete.
„Ich komme regelmäßig hierher“, sagt die Reichshoferin Svea Dietz-Halbach. Besonders hat es ihr das Angebot von Birgit Will aus Eckenhagen angetan, die dort neben ihrem eigenen auch den historischen Bauerngarten am Heimatmuseum betreut. Diesmal entdeckt sie neben allerlei Gemüse auch einige Kräuter. Dietz-Halbach erläutert: „Wir haben einen Selbstversorgergarten – mit Hühnern, Laufenten und Zwergziegen.“ Der produziere nahezu das gesamte Gemüse für die Familie: „Ich ziehe zwar viel vor, ergänze das aber gerne mit Setzlingen von der Pflanzentauschbörse.“
Reichshofer Gemüsegärtnerin will Vorbild sein
An den Stand von Will kommt sie nicht zufällig: „Ihre Pflanzen wachsen immer gut an.“ Ein weiterer Grund sei, dass sie die alten Sorten gerne erhalten möchte. Gegenüber dem Supermarkt seien diese sehr viel robuster: „Der Ertrag ist gut, der Geschmack super, und außerdem sind die Pflanzen viel weniger krankheitsanfällig.“ Mit Blick auf ihre dreijährige Tochter erklärt die junge Frau: „Ich möchte ihr ein Gefühl für die ländliche Lebensweise und die Wertschätzung der Nahrung vermitteln.“
Der Erhalt und die Wiederverbreitung regionaler Pflanzen ist auch dem Naturgartenverein sehr wichtig. „Wir möchten die einheimischen Wildpflanzen in die Gärten bekommen“, schildert der Lindlarer Klaus Wopfner von der Regionalgruppe Bergisches Land. Am Sonntag wurde er mit seiner Frau Katja in Lindlar mit dem Umweltpreis der örtlichen Grünen ausgezeichnet. Den beiden geht es um die Biodiversität. Nach der Krefelder Studie von 2017 seien in den letzten 30 Jahren 75 Prozent der Biomasse der einheimischen Fluginsekten verschwunden, warnt Wopfner. In den Jahren danach habe sich der Rückgang weiter fortgesetzt. Hilfreich wären in jedem Garten kleine „wilde Ecken“. „Unser Traum sind kleine Oasen in jedem Garten für die Insekten als Trittsteinbiotope.“
Nabu Oberberg ruft zum Mitmachen auf
Das Thema Naturgarten ist auch für Claus Wittke vom Nabu Oberberg bedeutsam. Auf der Pflanzentauschbörse möchte er mit Leuten in Kontakt kommen, die der Nabu sonst nicht erreicht: „Ich wünsche mir den Zugang zu Menschen, die natürlich gestaltete Gärten anlegen – jede Staude und jede Blühpflanze hilft, Insekten eine Nahrungsgrundlage zu geben.“ Deren Rückgang sei auf die zunehmend strukturarme Landschaft mit intensiver Bewirtschaftung zurückzuführen: „In den Städten ist die Insektenvielfalt inzwischen höher als auf dem Land.“
Die Pflanzentauschbörse fiel in diesem Jahr mit dem Tag der Streuobstwiese zusammen. Während Carola Hoppen vom Naturgartenverein im Landschaftshaus darüber referiert, was Streuobstwiesen so wertvoll macht, zeigt Pomologe Thorben Weschenbach live, wie Obstbäume veredelt werden. Dafür konnten die Besucher eigene Edelreiser mitbringen oder aus regionalen Sorten auswählen. Vorteil dieser Veredelung vor Ort ist, dass man eine zum Standort passende Unterlage mit der gewünschten Apfel- oder Birnensorte kombinieren kann.
Fachmännisch macht Weschenbach die notwendigen Schnitte, um Unterlage und Edelreis so zu verbinden, dass die wasserführenden Schichten aufeinander liegen: „Kambium auf Kambium.“ Das so veredelte Obstbäumchen kann nach einer Anwachsphase von einem Jahr an den endgültigen Standort gesetzt werden.
Schließlich gibt es am „Runden Tisch“ der Biostation fachmännische Gartenberatung mit Irmgard Kutsch und Christa Budde-Hielscher. Die beiden berichten vom Ausspruch einer Besucherin: „Es ist alles so toll hier – wie kommt es, dass draußen so viel Schlechtes mit der Natur passiert?“
