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NaturgartenWas jeder Oberberger für die Artenvielfalt tun kann

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Eine Frau und ein Mann betrachten eine Staude.

Der palmblättrige Nieswurz ist eine der heimischen Stauden im Lindlarer Garten der Wopfners.

Die Lindlarer Grünen zeichnen die Naturgartenexperten Katja und Klaus Wopfner mit ihrem Umweltpreis aus. Diese geben Tipps für Garten- und Balkonbesitzer.

Dieser Garten wirkt nicht gerade aufgeräumt, und das ist Absicht. Überall sprießen neue Blätter und Blüten, in den Beeten finden sich aber auch noch die trockenen Stängel der Kräuter und Stauden aus dem Vorjahr. Katja und Klaus Wopfner haben sie stehen lassen, damit Insekten darin überwintern können. Da und dort liegt Totholz, auch ein wichtiger Lebensraum für Tiere.

Dass hier nicht aufgeräumt wird, heißt nämlich nicht, dass der Garten verwildert wäre, alles geschieht mit Bedacht. Katja Wopfner sagt: „Sonst wäre das hier bald ein Wald.“ Ohne die Mitwirkung des Menschen, erläutert Ehemann Klaus, hätten viele Pflanzen und Tiere keine Überlebenschance in der Konkurrenz mit den Bäumen, seit der Mensch den Auerochsen ausgerottet hat, der einst in Deutschland die natürliche Landschaftspflege übernahm.

Ein Metallvogel auf einer Gartenmauer.

Auch für echte Vögel ist der pittoreske Garten am Steinbruch ein Paradiese voller Nistplätze und Futterquellen.

Die Wopfners haben in 30 Jahren viel Arbeit in ihren Garten gesteckt, viel Versuch und Irrtum. Die gelernte Bauzeichnerin und der frühere Versicherungsagent sind biologische Autodidakten. Aber wo einmal eine Viehweide war, herrscht nun eine überwältigende Artenvielfalt, und die beiden übertreffen sich in der fachgerechten Bestimmung.

Die Privatgärten in Deutschland sind zusammen so groß wie alle Naturschutzgebiete.
Klaus Wopfner wirbt für die Artenvielfalt im eigenen Garten

Dass die Wopfners nicht mehr Zeit in den lauschigen Sitzecken des 9000 Quadratmeter großen Reiches verbringen, liegt daran, dass sie ihre Fachkunde mit anderen teilen. Als Gründer der Regionalgruppe des Vereins Naturgarten e. V. pflegen sie ein Schaugelände im Freilichtmuseum und treten auf Veranstaltungen auf, so auch bei der heutigen Pflanzentauschbörse auf Schloss Homburg. Sie öffnen ihren Garten für Publikumstage (in diesem Jahr am 7., 13. und 14. Juni sowie 20. September) und haben im Keller darum sogar einen eigenen Informationsraum mit Bücher und Broschüren.

Überzeugungsarbeit überall in Oberberg

Zudem hängen dort allerlei Urkunden. Jetzt kommt eine Trophäe dazu, wenn die Wopfners mit dem Umweltpreis der Lindlarer Grünen ausgezeichnet werden.

Beim Rundgang weist er auf den Zaun aus Weidenpfählen hin, die schon wieder austreiben und neuen Lebensraum für viele hundert Arten bieten. Sie hat an einer Bärlauch-Blüte einen Wollschweber entdeckt, eine parasitäre Fliege, die wie eine kleine Hummel aussieht. „Wenn man die richtigen Pflanzen setzt, stellt sich die Tierwelt von allein ein.“ Wenn man das Grün mit den Augen der Wopfners sieht, eröffnet sich ein faszinierender Kosmos.

Dass die Eheleute auch andere vom Naturgärtnern überzeugen wollen, hat einen guten Grund: „Die Privatgärten in Deutschland sind zusammen etwa so groß wie alle Naturschutzgebiete“, sagt Klaus Wopfner. „Und sie sind Brücken und Verbindungswege für die Artenvielfalt.“ Katja Wopfner ergänzt: „Jeder, der einen Garten hat, kann einen Beitrag zur Biodiversität leisten.“ Dass lasse sich durchaus mit mehr Ordnung und Struktur vereinbaren, als sie es selbst in ihrem Garten tut. Eine einzige Bruchsteinmauer sei schon nützlich, selbst ein mit heimischen Arten bepflanzter Blumentopf besser als nichts.

Und man sollte seine Haltung zur Natur überdenken. „Über Blattläuse sollte man sich freuen. Die sind für die Vögel jetzt eine bessere Nahrungsquelle als alles gekaufte Vogelfutter“, sagt Katja Wopfner. „Und wenn man sieht, dass ein Blatt angefressen wurde, sollte man nicht entsetzt sein. Sondern sich fragen, welches Raupe wohl satt geworden ist.“


Klima- und Umweltpreis Lindlar

Die Lindlarer Grünen zeichnen die Eheleute Wopfner am Sonntag, 26. April, mit ihrem   Klima- und Umweltpreis aus. Der Preis wird zum zweiten Mal verleihen, im vergangenen Jahr bekam ihn der Unternehmer Wolfgang Oehm. Zu der kleinen Feierstunde im Garten der Wopfners sind auch Vertreter der Gemeindeverwaltung und der anderen Ratsfraktionen eingeladen, betont Grünen-Sprecher Christian Schumacher.

„Die Natur vor unserer Haustür braucht Menschen, die sie schützen – nicht mit großen Worten, sondern mit Tatkraft und Leidenschaft“, heißt es zur Begründung. Katja und Klaus Wopfner   engagierten sich vielfältig in der Gesellschaft, unter anderem im Naturgartenverein und im Freilichtmuseum. Mit ihrem Lindlarer „Naturgarten am Steinbruch“ zeigten sie, wie Artenschutz konkret gelingt. Schumacher sagt: „Wir wollen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger über Schottergärten schimpfen, sondern eine positive Geschichte erzählen.“