Viel Ballkontakt und hohe Einsatzzeiten, versprechen die Twin Games. Der Fußballkreis Berg hat das neue Konzept jetzt in Lindlar vorgestellt.
Twin GamesFußballkreis stellt Spielform der Zukunft für Oberbergs Fußballjugend vor

Zeitgleich auf zwei parallelen Spielfeldern spielten die Homburger D-Junioren beim Demotraining gegen den Lindlarer Nachwuchs. Das Hauptfeld war mit sieben gegen sieben besetzt, ganz den neuen Regeln entsprechend.
Copyright: Nastasja Kleinjung
Spricht man dieser Tage mit Fußball-Jugendtrainern im Rheinland, kommt das Gespräch ziemlich schnell auf die sogenannten „Twin Games“. Dahinter verbirgt sich eine neue Spielform, die der Deutsche Fußball-Bund über den Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) nun allmählich auch an den Rhein und damit ins Bergische bringt. In einigen Jahren, da sind sich die Trainer einig, wird der Zwillingsspielbetrieb vor allem für die D-Junioren die maßgebliche Form von Fußball werden.
Mehr Interessierte im Lindlarer Parkstadion als erhofft
Aber was ist nun anders als bisher? Im Unterschied zu seinen Nachbarn, hat sich der Fußballkreis Berg nicht darauf beschränkt, das neue Reglement kommentarlos per Mail an die Vereine zu verschicken – vielmehr organisierte der Kreisjugendausschuss um Thomas Engelberth am vergangenen Wochenende in Lindlar einen Workshop, bei dem Vereinsvertreter die „Twin Games“ in der Praxis beobachten konnten. Und das Interesse war gewaltig: Rund 100 Jugendleiter, -trainer und Verantwortliche kamen neugierig ins Parkstadion, deutlich mehr, als die Organisatoren gehofft hatten.
Vereinfacht erklärt, sollen die D-Junioren künftig parallel auf zwei Feldern kicken, daher der Name der Spielform – bislang spielen in der Regel neun gegen neun auf einem Feld. Platz A wird demnächst grundsätzlich mit sieben gegen sieben besetzt. Die übrigen Jugendlichen beider Mannschaften treffen dann auf Platz B gleich nebenan aufeinander – Minimum ist dort ein vier gegen vier, darüber ist jede Zahl bis zum sieben gegen sieben zulässig.

Für die Fragen der Jugendtrainer standen die Mitglieder des Kreisjugendausschusses, hier etwa Georg Jesinghaus, bereit.
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Beide Spielfelder haben mit 60 mal 40 Metern zunächst die gleiche Größe, je weniger Fußballer auf Platz B antreten, desto stärker wird dieser verkleinert. Unter dem Strich bedeutet das: Im besten Fall stehen alle Mitglieder einer Mannschaft auf dem Platz und genau das ist der Gedanke, den DFB und FVM mit der Neuerung verfolgen.
Ein Beispiel: Treten zwei Teams gegeneinander an und fahren mit jeweils 15 Jugendfußballern vor, formen bislang jeweils neun von ihnen die Startformation. Später wechseln beide Teams noch drei Spieler ein. Damit bleiben auf beiden Ersatzbänken aber immer noch je drei Jugendliche bis zum Abpfiff sitzen, die nur beim Aufwärmen Kontakt mit dem Ball hatten, und ihre Tasche ohne einzige Spielminute wieder zurück zum Bus schleppen. Die Jugend selbst, so erklärte es Thomas Engelberth am Samstag, sei häufig noch nicht einmal das Problem. „Aber wenn der Nachwuchs die Woche fleißig trainiert hat und dann das dritte Wochenende nur auf der Bank sitzt, kommen die Eltern und sagen ihren Kindern: ‚Komm, geh doch zum Handball‘. “
Wenn der Nachwuchs die Woche fleißig trainiert hat und dann das dritte Wochenende nur auf der Bank sitzt, kommen die Eltern und sagen ihren Kindern: ‚Komm, geh doch zum Handball‘
Aus Sicht der Befürworter sind die „Twin Games“ also vor allem eine Änderung, die letztlich den deutschen Fußball davor bewahren soll, dass ihm Talente durch die Lappen gehen, weil die Einsatzzeiten nicht stimmen. Praktisch vorgeführt wurde das Zwillingsspiel in Lindlar von den Junioren des TuS Lindlar und der JSG Homburg.
Von den Jugendlichen wie auch den erwachsenen Beobachtern gab es gemischte Rückmeldungen. So eröffne zu Feld mit sieben Spielern gegenüber der Neuner-Variante zwar Raum, man müsse aber auch mehr laufen, berichteten die Spieler. Die Trainer fragten sich zum Beispiel, wie vorzugehen sei, wenn ein großer Verein mit 18-köpfigem Kader auf eine kleine Auswahl mit nur acht Spielern treffe.
Pilotstaffel im Bergischen ab August
Fairerweise muss man sagen, dass sich die Macher des Konzeptes auch darüber Gedanken gemacht haben. So gibt es Überlegungen, die verbleibenden Spieler dann gegeneinander antreten zu lassen oder gar Kader zu mischen – dieses Spiel dann aber nicht in die Wertung zu nehmen. „Oberstes Ziel ist es, dass wir alle Kinder und Jugendlichen mitnehmen. Hauptsache, niemand bleibt auf der Bank hocken“, betonte Luke Eßer, Staffelleiter der bergischen A-Junioren.
Bereits im August soll eine „Twin Games“-Pilotstaffel der bergischen D-Junioren starten, ein Aufruf zur Meldung hat am vergangenen Wochenende alle 76 Vereine im Fußballkreis erreicht. Im Verband übernehmen die Bergischen damit eine Art Vorreiterrolle, nur der Kreis Bonn ist mit zwei aktiven Pilotstaffeln noch ein Stück weiter.
Für Thomas Engelberth ist der neue Zwillingsspielbetrieb jedenfalls längst nicht nur eine Neuerung, deren Wirkung auf die D-Jugend begrenzt wäre. „In der B-Jugend wird es inzwischen zum Problem, dass Spieler wegen Klausuren und Berufsausbildungen die Fußballschuhe an den Nagel hängen. Je größer die Kader sind, die die D-Junioren nach oben abgeben, desto mehr Personal haben wir natürlich auch später, wenn es langsam in den Erwachsenenbereich geht.“
