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HandballDer 95-jährige Hans Lietz, letzter Weltmeister von 1959, lebt  heute in Odenthal

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Ein Schwarz-Weiß-Foto, junge Männer in gestreiften Trikots, aufgestellt für ein Mannschaftsbild

Hans Lietz, hintere Reihe, 5.v.l., spielte 1957 beim THW Kiel.

Der letzte noch Lebende aus dem Team der deutschen Feldhandball-Weltmeister von 1959 spielte in den 50er Jahren vor 30.000 Zuschauern.

 „Eleganter Spieler mit Köpfchen“ titelte jetzt der Deutsche Handballbund und gratulierte dem letzten noch lebenden Spieler der deutschen Feldhandball-Weltmeistermannschaft von 1959 zum 95. Geburtstag am vergangenen Sonntag. Hans Lietz, der mit seiner Ehefrau seit vielen Jahren zurückgezogen in der Gemeinde Odenthal lebt, gilt unter Handball-Kennern als Sportlegende. Und Hans Lietz ist vielleicht überhaupt der älteste noch lebende deutsche Weltmeister in einer der Kernsportarten.

Heute spielt niemand mehr Feldhandball. Fotos in Schwarzweiß gibt es, meist aus den 1950er-Jahren. Sie zeigen staubige Sportplätze, Aschenplätze, junge Männer in Sporttrikots und Zuschauer, die zu Tausenden am Spielfeldrand sitzen und mitfiebern. Damals waren Zuschauerzahlen von 30.000 und mehr keine Seltenheit bei den Spitzenmannschaften in Deutschland. Die Fußballbundesliga gab es noch nicht, die meisten Augen richteten sich in jenen Jahren auf die Feldhandballer. Da gab es schon eine Bundesliga, Mannschaften wie Frisch auf Göppingen oder der TV Hassee-Winterbek aus Kiel dominierten. Bis in die Dörfer wurde gespielt, in Kreis- und Regionalklassen.

Er war ein eleganter Spieler mit Köpfchen.
Erwin Porzner, Weltmeister von 1966, über Hans Lietz

Bei den Kielern begann auch die Karriere von Lietz, mit der Meisterschaft 1957 gab es den ersten Titel. 1959 nominierte ihn der Deutsche Handballbund für die in Österreich ausgetragenen Weltmeisterschaft im Feldhandball. Acht Spieler aus West- und acht aus Ostdeutschland/DDR bildeten eine gesamtdeutsche Mannschaft. Nach dem Gruppensieg gegen Schweden und Dänemark folgte gleich das Finale gegen Rumänien. 14 zu 11 hieß es beim Abpfiff am 21. Juni 1959 in Wien, der Tag jährt sich bald zum 67. Mal. Sechsmal gab es Weltmeisterschaften im Feldhandball, fünfmal holte Deutschland den Titel.

Nach 1957 war Lietz, studierter Pharmazeut, aus beruflichen Gründen zum SV Bayer 04 Leverkusen gewechselt, 1959 im Weltmeisterjahr, stand er schon für die Leverkusener unter Vertrag. 1960 und 1961 wurde er mit Leverkusen Westdeutscher Meister und spielte in der Endrunde in Stuttgart und Berlin. 24-mal lief Lietz für die Nationalmannschaft, davon bei 15 Spielen auf dem Großfeld, neunmal in der Halle. „Hans war Co-Kapitän bei der WM 1959 zusammen mit Bubi Wende aus Magdeburg. Er galt als Allrounder im Feldhandball, laufstark bei den langen Wegen im Mittelfeld, als Abwehrspieler sicher im Zweikampf und stets mannschaftsdienlich. Er war ein eleganter Spieler mit Köpfchen“, erinnert sich gegenüber dem Handballbund der spätere Nationalmannschaftskollege Erwin Porzner (90) vom TSV Ansbach, der 1966 mit der DHB-Auswahl noch einmal Weltmeister wurde.

Heute erinnern sich nur noch Ältere an die Duelle auf den Aschenplätzen

In jenem Jahr wurden die Weltmeisterschaft zum letzten Mal ausgetragen. Feldhandball war da schon auf dem absteigenden Ast. Mit elf zu elf Spielern auf dem Fußballplatz wirkte das Spiel zu langsam, geworfen wurde auf die großen Fußballtore. Regeländerung folgte auf Regeländerung, eine Wende gelang nicht. Auch die Anziehungskraft des Fußballs mag da eine Rolle gespielt haben. Der Hallenhandball bahnte sich seinen Weg, überall entstanden seit den 60ern moderne Sporthallen. Da saßen die Zuschauer im Trockenen, und das Handballspiel wirkte rasanter und schneller. Dabei war die Sportart Anfang des 20. Jahrhunderts als Torball gegründet worden, ausschließlich für Frauen. Männer kamen erst in den 1920ern hinzu.

Heute erinnern sich nur noch die Älteren an die Ära des Feldhandballs, an die Duelle auf den Aschenplätzen. Die jungen Leute fuhren meist mit dem Zug oder mit Rädern zu den Nachbarorten, um die Spiele ihrer Idole zu sehen. Deutschland dominierte und holte bei den Weltmeisterschaften meist die Titel.

Wer heute Feldhandball sehen möchte, wirkt wie ein Exot

Wer heute Feldhandball sehen möchte, wirkt als Exot. Feldhandball ist ein vergessener Sport. Die Mannschaften von damals sind längt untergegangen. Allenfalls sind es Dorfturniere , wie sie der SV Frielingsdorf im Oberbergischen anbietet, bei denen der Ball draußen gespielt wird. Anfangs, und auch das gehört zur Geschichte, spielte man mit einem Fußball. Als das Spiel schneller werden sollte, wechselten die Feldhandballer zu einem kleineren Spielball. Auch beim VfL Gummersbach, dem späteren Dominator des Hallenhandballs, gab es übrigens Feldhandball. Bis in die 1960er-Jahre fanden Spiele auf der Lochwiese statt.

Hans Lietz schaut zurück auf ein „fittes Leben“ für den Sport, wie er sagt. Sohn Tobias setzte die sportlichen Erfolge seines Vaters fort. Allerdings im Hockey. Als 47-maliger Nationalspieler, als zweimaliger Europameister in der Halle und als Trainer und Sportdirektor beim Harvestehuder HC in Hamburg.