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Portrait Martin BehnkeUnterwegs mit dem Kontrolleur des Abfallwirtschaftsverbandes

4 min
Mülltonnen Gummersbach I

Der Blick in die braune Tonne ist Martin Behnkes Job.

  1. Martin Behnke ist Mitarbeiter des Bergischen Abfallwirtschaftsverbands (BAV).
  2. Er überprüft, was die Leute in ihre Biotonnen werfen und was dort nicht hinein sollte.
  3. Wir haben ihn dabei begleitet.

Dieringhausen – Martin Behnke muss früh aufstehen. Seit 4 Uhr ist der Mitarbeiter des Bergischen Abfallwirtschaftsverbands (BAV) unterwegs, um die Biotonnen zu kontrollieren, die in Dieringhausen an den Straßen zur Leerung bereitstehen. Deckel auf, ein Blick in die Tiefe: Da steckt zwischen Blättern und Gemüseresten eine Plastiktüte.„Leider kommt das immer wieder vor“, seufzt der Kontrolleur, der seit 2016 das ganze Jahr über unterwegs ist, um im Oberbergischen und Rheinisch-Bergischen Kreis darauf zu achten, in den braunen Tonnen nur das landet, was auch wirklich kompostierbar ist. Plastiktüten gehören nicht dazu, auch keine Gläser mit Gemüseresten, Aluschalen mit vergammelten Pommes und auch keine Dosen.

Auch Sünder lernen dazu

Behnke sagt aber: „Die finden sich mittlerweile eher selten. Da machen sich unsere Aufklärungsarbeit und die Kontrollen allmählich bemerkbar.“ Dennoch gehörten rund zehn Prozent des gesammelten Tonneninhalts im Verbandsgebiet eigentlich in die Restmülltonne. Der größte Teil ist Plastik, weiß der Leiter der Abfallwirtschaft, Christoph Rösgen.So wie in der Tonne, die Behnke gerade beanstandet. Er pappt einen roten Aufkleber auf den Deckel. Für die Müllabfuhr heißt das: Die Tonne bleibt stehen. Denn schon vor einer Woche hat der Kontrolleur darin Fremdkörper entdeckt, die Verantwortlichen mit einem gelben Aufkleber verwarnt und einen Flyer in den Briefkasten gesteckt.

Mülltonnen Gummersbach II

Der Blick in die braune Tonne ist Martin Behnkes Job. Findet er etwas, das dort nicht hineingehört, gibt's einen Aufkleber.

„Wer dreimal hintereinander einen roten Aufkleber bekommt, muss damit rechnen, dass die Biotonne von der Gemeinde- oder Stadtverwaltung eingezogen wird. Im Extremfall müssen dann diese Bürger eine größere – und teurere – Restmülltonne nutzen“, erklärt Rösgen. „Aber so weit kommt es nur sehr selten, denn uns liegt ja daran, dass die Biotonne nicht entfernt, sondern richtig befüllt wird.“

In manchen Gebieten muss Behnke häufiger kontrollieren

Behnke kennt inzwischen seine „Kunden“: „Es gibt Straßen und Siedlungen, da muss man häufig kontrollieren, weil es immer wieder Verstöße gibt.“ Welche Brennpunkte immer wieder aufgesucht und nachkontrolliert werden, will er nicht sagen. Aber auch dort gebe es langfristig manchmal einen Lerneffekt. Zum Beweis zeigt er auf eine Tonne mit zahlreichen abgeknibbelten Aufkleberresten auf dem Deckel. An diesem Morgen hat Behnke hier nix zu meckern.

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Dafür eine Straße weiter. Der Hausherr kommt heraus und beschwert sich über den roten Aufkleber, schüttelt die Faust – und es ist nicht klar, ob er den Kontrolleur meint oder die Mitbürger, die ihre Plastiktüte in die braune Tonne gesteckt haben. Dass Behnke beschimpft wird, sei zum Glück extrem selten, sagt er. „Wenn es hell wird, kommen schon mal Leute aus dem Haus und fragen, ob zum Beispiel Kehricht aus dem Rinnstein in die Biotonne gehört.“ Die Antwort: Nein, ebenso wenig wie Staubsaugerbeutel, weil beides Schadstoffe enthält. Und die sollen nicht mit dem Kompost in einem Garten oder in einer Grünanlage landen. Denn nachdem der Biomüll mehrfach gesiebt und mit Wasser vermischt wurde, kommt er in die Vergärungs- und Kompostierungsanlage Leppe, und ein paar Wochen später können Privatleute oder auch Garten- und Landschaftsbauer den fertigen Kompost in Säcken zur Bodenverbesserung kaufen. Und darin möchte dann niemand Kunststoffteilchen oder Scherben finden.

Zahlen und Regeln

Allein in Gummersbach gibt es 10 000 braune Tonnen, um die 60 000 im Kreis. Nach einer flächendeckenden Kontrolle aller Tonnen vor drei Jahren wird rund die Hälfte im Laufe des Jahres schwerpunktmäßig  von zwei festen Mitarbeitern und  Aushilfen  überprüft.  Rund 62 000 Tonnen Biomüll wird jährlich im Verbandsgebiet gesammelt, daraus entstehen etwa 27 000 Tonnen Kompost.

Das gehört in die Biotonne: Speisereste, Obst- und Gemüseabfälle, Kaffee- und Teesatz, Brotreste, verdorbene Lebensmittel, Papierküchentücher, Rasen- und Heckenschnitt, Tannennadeln, Reisig, Laub.Das gehört nicht in die Biotonne: Plastiktüten, Metall, Glas, Verpackungsabfälle, Windeln, Tierstreu, Schlachtabfälle, Medikamente, Steine, behandeltes Holz, Asche, schadstoffhaltige Abfälle. (ms)

Ein großes Problem: Auch viele Tüten, die angeblich kompostierbar sind, zersetzen sich nicht innerhalb der vorgesehenen Zeit in der Anlage, sagt Rösgen. Daher sollten nur Papiertüten in der braunen Tonne landen, oder die Küchenabfälle werden in Zeitungspapier eingepackt.

Behnke muss sich nun beeilen. Es ist 8 Uhr, der Müllwagen rollt an. Um die 500 Tonnen hat der Kontrolleur an diesem Morgen kontrolliert. Eine Frau entdeckt den Kontrolleur. „Das ist gut, dass Sie mal nachsehen“, lobt sie. Behnke freut sich. An seiner Arbeit gefällt ihm, dass er ständig in Bewegung bleibt. Außerdem lerne er als gebürtiger Berliner den Oberbergischen Kreis auf diese Weise gut kennen. Ekel? „Das war meine erste Frage beim Vorstellungsgespräch, ob ich im Müll wühlen muss“, lacht er. „Aber das wird nicht erwartet.“Und die Maden, die um den Rand seiner letzten Tone für diesen Tag herum rasen? „Das ist im Sommer nun mal so, die freuen sich über die Reste vom Kotelett.“ So wie er sich auf den frühen Feierabend, wenn er seine Kontrollergebnisse sorgfältig in Listen eingetragen hat – und schon jetzt weiß, wo er nächste Woche vor Tagesanbruch noch mal nachgucken muss.