Ein Investor möchte im Westen der Gemeinde Reichshof einen Discounter errichten. Denn in dieser Region ist die Versorgungslage schlecht.
NahversorgungInvestor möchte Discounter im Westen von Reichshof bauen

Eine Frau kauft in einem Supermarkt ein
Copyright: dpa (Symbolfoto)
Die Nahversorgungssituation im Westen der Gemeinde Reichshof, im Bereich um die Ortschaften Ohlhagen, Hunsheim und Berghausen, ist schlecht. Aber das könnte sich ändern: Ein Investor ist daran interessiert, am Ortsrand von Hunsheim einen kleinen Discounter, Größenordnung rund 800 Quadratmeter, zu errichten.
Das teilte Sarah Schmidt, allgemeine Vertreterin von Bürgermeister Jan Gutowski, in der jüngsten Ratssitzung mit und überraschte Politik und Öffentlichkeit mit dieser frohen Botschaft. Theoretisch könnte die Politik noch in diesem Jahr die Weichen zur Umsetzung des Bauprojektes stellen, sagte sie.
Verschiedene Behörden müssen zustimmen
Zuvor sind allerdings noch verschiedene Behörden gefragt, etwa der Oberbergische Kreis und die Bezirksregierung, denn es müsste beispielsweise der Flächennutzungsplan geändert werden. Sarah Schmidt reagierte mit ihrem Bericht auf einen CDU-Antrag, der sich mit der Versorgungslage in genau dem bezeichneten Bereich beschäftigt. Versehen mit einer umfangreichen Begründung, hatte die CDU den Antrag gestellt, im Bereich Hunsheim/Berghausen die Nahversorgung als Thema zu priorisieren und ein entsprechendes Versorgungskonzept zu erarbeiten.
Für die CDU skizzierte der Hunsheimer Benjamin Häcke, dass sich die Situation in den letzten Jahren weiter verschlechtert hätte: „Die Bäckerei in Mittelagger wurde bereits geschlossen, die Bäckerei in Marienhagen wird im Sommer ebenfalls schließen. Damit fällt ein weiterer wichtiger Versorgungspunkt weg“, so Häcke. „Besonders kritisch ist, dass es sich um einen der vier Siedlungsschwerpunkte in Reichshof handelt“, so der CDU-Ratsherr, der betonte: „Am Ende geht es um mehr als die reine Versorgung. Es geht um Lebensqualität, um Zusammenhalt und um die Zukunftsfähigkeit unserer Ortschaften.“
Rund 3000 Menschen leben in dem Bereich
Rund 3000 Menschen leben in dem bezeichneten Bereich nördlich und südlich der Autobahn A4 , der sich laut CDU-Antrag über die Ortschaften Hunsheim, Berghausen, Alpe, Dorn, Ohlhagen, Freckhausen, Komp, Rabenschlade, Pettseifen, Wald, Schönenbach und Mennkausen erstreckt. Sarah Schmidt erinnerte, dass die Reichshofer Verwaltung das Thema seit mehr als zehn Jahren verfolge und in diesem Zeitraum zahlreiche Schritte unternommen habe, sowohl unter der Ägide des langjährigen Bürgermeisters Rüdigers Gennies als auch seit dem Amtsantritt von Jan Gutowski im Herbst 2025.
Schmidt berichtete, dass die Gemeinde Reichshof zum Beispiel seit Februar vergangenen Jahres – zusammen mit Morsbach – erste Gespräche mit der Lebensmittelkette „Tante Enso“ geführt habe. Die Trägergenossenschaft MyEnso wird in Morsbach-Lichtenberg eine 280 Quadratmeter große Filiale eröffnen, Zutritt gibt es nur mit personalisierte Kundenkarte, dafür aber rund um die Uhr (wir berichteten).
Die Voraussetzungen für eine Tante Enso-Filiale im Bereich Hunsheim seien aber nicht gegeben gewesen, so Sarah Schmidt, „denn in Marienhagen gibt es einen kleinen Nahkauf “. Tante Enso verlange aber, dass es gar keine Versorgung in der Umgebung gibt. Zumal wünsche sich die Genossenschaft idealerweise, in eine fertige Immobilie einziehen zu können.
Was den Bau des neuen Discounters angeht, gebe es zwar noch ein paar Wenn und Aber, „aber wir sehen eine Flamme der Hoffnung“, so Schmidt. Der Antrag der CDU wurde letztlich trotzdem vom Rat einstimmig angenommen.
