Gummersbach – Wenn der Wanderer darauf achtet, fallen ihm die seltsamen Löcher und Wälle ins Auge. Bombentrichter können es nicht sein, was sich hier auftut, und auch nicht die Wühlarbeit eines Waldarbeitertraktors. Diese Spuren sind weitaus älter, denn sie rühren vom Bergbau her.
Eine Fülle von auswertbarem Material
Auf Wunsch des Landesamts für Bodendenkmalpflege hat die Stadt Gummersbach zwei Abschnitte des Waldes an der Gummershardt unter Schutz gestellt. Die aufgelassenen Bergwerksschächte (Pingen) und Abraumhalden liegen jeweils nordöstlich von Hülsenbusch und von Lützinghausen. Sie geben den Forschern Aufschluss darüber, wie hier in einem Zeitraum von mehr als 400 Jahren Erz aus dem Boden geholt wurde.
Im Gutachten des Bodendenkmalamts ist von einer „Fülle von wissenschaftlich auszuwertendem Material“ die Rede. Ablesen könne man hier, wie die Schächte über die Jahrhunderte angelegt und ausgebaut und wie die Erzvorkommen gefördert wurden. Zudem gebe es Relikte von Unterkünften, Erzsammelstellen und Scheidebereichen. Diese Anlagen seien über Tage nicht mehr erhalten, allerdings ließen sie sich über Bodenverfärbungen oder Materialreste nachweisen. Der Bergbau im Bereich Obergelpe und Lützinghausen, rund um die Gummershardt, reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück, berichtet das Bodendenkmalamt: „Erste historische Nachrichten darüber finden sich, als 1467 der Herzog Johann von Kleve und Graf von der Mark den Abbau von Erzen an der Gummershardt erlaubt.“ Abgebaut wurde Blei-, Zink-, Kupfer- und Eisenerz. Berichte über den alten Bergbau finden sich in den Akten der Preußischen Bergämter. Die Arbeit war mühsam und gefährlich. Die runden Schächte waren oben nur bis zu 1,40 Meter breit und verengten sich nach unten hin weiter. Zur Stütze wurden die Gänge mit jungen Eichstämmen und Birkenreisig ausgekleidet.
Die Gänge waren oft nur 80 Zentimeter hoch und 40 Zentimeter breit, wie im Standardwerk von Alfred Nehls, „Aller Reichtum lag in der Erde“, nachzulesen ist. Bis zu 300 Meter tief wühlten sich die Bergmänner in Handarbeit ins Gestein.
Von 1808 an wird das Bergwerk bei Lützinghausen unter dem Namen „Caecilia“ geführt. Im 19. Jahrhundert erlebt die Erzförderung hier ihren Höhepunkt, tonnenweise wurde Erz gefördert. 1857, meldet die Bürgermeisterei Gimborn, waren hier 50 Arbeiter beschäftigt.
Nehls spricht von den „wichtigsten Bergwerken im Bereich der heutigen Stadt Gummersbach“. Erst 1959 wird die Grube endgültig aufgegeben.