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Interview

Mach's gut
Julian Köster nimmt Abschied vom VfL: „Bin in Gummersbach erwachsen geworden “

5 min
Zu sehen ist ein Handballer, der an einer Bande lehnt.

Nach dem letzten Heimspiel am Sonntag verlässt VfL-Kapitän Julian Köster nach über fünf Jahren die „Heimat des Handballs“.

Im Interview verrät der Kapitän des VfL Gummersbach, was er in Kiel vermissen wird. Und was ihn an Gummersbach besonders fasziniert hat.

Für Kapitän Julian Köster ist es am morgigen Sonntag gegen die Rhein-Neckar Löwen das vorerst letzte Spiel für die Handballer des VfL Gummersbach. Zur neuen Bundesliga-Saison wechselt der 26-jährige Rückraumspieler zum THW Kiel. Am 1. Februar 2021 war Köster, der mit dem VfL aufgestiegen ist und zum Nationalspieler wurde, erstmals für Gummersbach spielberechtigt. Wie er auf die Jahre zurückblickt, darüber sprach Andrea Knitter mit ihm.

Intensive und wertvolle Zeit in Gummersbach

Als Sie Anfang des Jahres 2021 von Bayer Dormagen zum VfL wechselten, waren sie im Aufbautraining nach einer Meniskus-Operation und konnten nicht sofort spielen, jetzt hatten sie ebenfalls am linken Knie eine Meniskus-Operation. Wie wichtig war es Ihnen, noch einmal für Gummersbach zu spielen?

Julian Köster: Es war mit sehr wichtig, mich nach so vielen Jahren nicht in Jeans von den Fans und der Mannschaft zu verabschieden. Die Zeit in Gummersbach war zu lang, zu intensiv und wertvoll, um so einfach Tschüss zu sagen. Ich habe alles dafür getan, nach der Operation in ziemlich genau sechs Wochen wieder fit zu sein. Und es hat schon gegen Minden geklappt.

Sie sind damals verletzt gekommen und waren am Ende des Jahres 2021 nicht nur Kapitän des damaligen Zweitligisten sondern auch Nationalspieler. Hat das nicht auch etwas von einem guten Omen?

Nein, denn keiner ist gerne verletzt und die damalige Operation war auch deutlich größer als die jetzige.

Der VfL Gummersbach als nächster Karriereschritt

Sie hatten sich damals entschlossen, nicht beim Zweitligisten Dormagen zu verlängern, sondern zum Liga-Konkurrenten nach Gummersbach zu wechseln. Wie kam das?

Ich hatte Gespräche mit den Dormagener Verantwortlichen aber auch mit dem Gummersbacher Geschäftsführer Christoph Schindler und Trainer Gudjon Valur Sigurdsson. Für mich war der VfL der nächste Schritt in meiner Entwicklung und es war ein Schritt, den ich keinen Tag bereut habe. Ich bin in Gummersbach ziemlich erwachsen geworden. Das nicht nur handballerisch sondern auch menschlich.

Ich bin in Gummersbach ziemlich erwachsen geworden. Das nicht nur handballerisch sondern auch menschlich.
Julian Köster über seine Zeit im Oberbergischen

Und das immer mit demselben Trainer...

Es ist ja nicht nur ein Isländer, unter dem ich trainiere, sondern mit Bundestrainer Alfred Gislason auch noch ein zweiter. Das sind schon zwei Konstante.

Sie haben beim VfL quasi mit Gudjon Valur Sigurdsson angefangen, dessen erste Saison es als Trainer war.

Ich habe aber deutlich mehr von ihm gelernt als er von mir (lacht). Auch wenn er einiges an mir ausprobiert hat. Goggi hat eine große Vorstellung von Spielern und mich weitergebracht.

Erfolge und Nackenschläge in Gummersbach

Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie Gummersbach verlassen? Diesen Verein und die Menschen, die den Verein ausmachen. Die Erfolge aber auch die Nackenschläge.

Was meinen Sie damit?

Wir hatten viele tolle Erfolge, da war zunächst der Aufstieg in die Bundesliga und dass wir uns in der Ersten Liga direkt souverän halten konnten. Danach kam die Qualifikation für die Europa League. Für jeden Handballer ist es ein Traum, international zu spielen. Wir haben uns zu einem kleinen Störenfried in der Bundesliga entwickelt, der immer wieder die Großen ärgert. Mittlerweile sind wir eine Mannschaft, zu der die Gegner nicht mehr so gerne kommen. Die Schwalbe-Arena wird am Sonntag gegen die Rhein-Neckar Löwen zum 47. Mal ausverkauft sein. Das zeigt, welche Entwicklung der VfL genommen hat. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich angefangen habe, war Corona und die Halle war leer. An dem Erfolg beteiligt sind die Spieler, der Staff und die Geschäftsstelle.

Wir haben viermal im Viertelfinale um den DHB-Pokal verloren, das waren schmerzvolle Niederlagen.
Nicht alles lief für Julian Köster beim VfL Gummersbach rund

Was waren die Nackenschläge?

Dass wir viermal im Viertelfinale um den DHB-Pokal verloren haben, das waren schmerzvolle Niederlagen.

Was macht den VfL in dieser Saison aus, in der die Mannschaft eine große mentale Stärke zeigt und lange um die Plätze hinter Magdeburg mitkämpfte?

Es ist nicht nur eine Momentaufnahme, sondern wir haben eine tolle Entwicklung gemacht, haben viel Erfahrung gesammelt und sind reifer geworden. Dazu gehört auch, dass Miro Schluroff beim VfL und in der Nationalmannschaft leistungsmäßig durch die Decke gegangen ist, und Tom Kiesler mittlerweile eine ganz wichtige Rolle hat. Das alles sorgt für Souveränität.

Tapetenwechsel vom Rheinland

Im April 2025 haben Sie bekanntgegeben, dass Sie zur Saison 2026/27 zum deutschen Rekordmeister THW Kiel wechseln. Was hat den Ausschlag dafür gegeben?

Das waren verschiedene Gründe, unter anderem wollte ich nach den vielen Jahren im Rheinland einen Tapetenwechsel.

Sie haben früh kommuniziert, den Verein zu wechseln. In der Bundesliga wurde in den vergangenen Wochen an den Beispielen von Simon Pytlik und Johannes Golla diskutiert, ob das sinnvoll ist. Wie sehen Sie das?

Ich finde, dass es ein großer Vorteil für alle Beteiligten ist, wenn früh Klarheit herrscht. Ich habe frühzeitig offene Gespräche mit Christoph Schindler und Gudjon Valur Sigurdsson geführt. Jeder weiß, woran er ist. Die VfL-Verantwortlichen konnten sich damit auch früh nach einem Nachfolger umsehen.

Viermal wählten die Oberberger ihn zum Sportler des Jahres

Sie gehören beim VfL zu den Publikumslieblingen und wurden viermal in Folge von den Lesern dieser Zeitung zum Sportler des Jahres gewählt. Wurden Sie in den sozialen Medien für Ihre Entscheidung kritisiert?

Nein, ich habe keine negativen Bemerkungen bekommen. Im Gegenteil, ich habe viel Verständnis erfahren, viele Fans haben es nachvollziehen können. Ich habe seitdem und werde bis zum Schluss alles für den VfL geben.

Dafür spricht ja auch, wie sich die Fans in der Schwalbe-Arena im Spiel gegen Minden gefreut haben, dass Sie Ihr Comeback gegeben haben.

Wie gesagt, es war mir auch sehr wichtig, nochmal für den VfL zu spielen.

Sie haben die ganzen Jahre in Köln gewohnt, auch weil Sie dort an der Universität studiert haben. Werden Sie Ihr BWL-Studium nun auch in Kiel weiterführen?

Ich habe mein Bachelor-Studium in Präsenz abgeschlossen, bin dann aber für den Master-Studiengang an die Fern-Universität gewechselt und werde darüber mein Studium beenden.

Was haben Sie sich mit dem THW Kiel vorgenommen, der es am Wochenende verpasst hat, das Ticket für die Champions League zu buchen?

Ich möchte erst einmal gut ankommen und weiter hart arbeiten, denn Titel sind das Ergebnis harter Arbeit.

Zurück zum VfL: Wie blicken Sie auf das letzte Spiel?

Ich freue mich, denn es ist der Schlusspunkt einer besonders tollen Saison. Auch wenn es in der Nachbetrachtung bitter ist, dass wir den ein oder anderen Punkt nicht geholt haben.