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LesungBuch über NS-Verbrecher Robert Ley stößt in Waldbröl auf riesiges Interesse

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Das Foto zeigt den Buchautor Axel Spilcker und eine große Zahl an Zuhörern.

Axel Spilcker (r.) las im Ratssaal in Waldbröl.

Zu einer Lesung mit dem Ley-Enkel Axel Spilcker kamen sehr viele Zuhörer.

Donnerstagabend, 18.45 Uhr: Der große Ratssaal ist brechend voll, während immer noch weitere Zuhörer versuchen, sich hineinzuzwängen. Helfer karren zusätzliche Stühle herbei, doch auch die reichen bei weitem nicht aus. Über 200 Frauen und Männer, überwiegend im fortgeschrittenen Alter, verfolgen schließlich den Abend, einige stehend, andere draußen im Foyer.

Sie alle sind wegen eines Buchs und seines Autors gekommen „Hitlers Gefolgsmann: Robert Ley, mein Großvater, der Kriegsverbrecher“, geschrieben hat es der Kölner Journalist Axel Spilcker. Zunächst einmal gibt es ein paar Fakten zu Robert Ley, der in Nümbrecht geboren und der als Reichsorganisationsleiter und Chef der Deutschen Arbeitsfront (DAF) zu einem der mächtigsten Männer im NS-Staat wurde, an der Seite von Adolf Hitler.

Das Foto zeigt den Buchautoren Axel Spilcker

Buchautor Axel Spilcker  ist Enkel von Robert Ley.

Ley hat Waldbröl seinen Stempel aufgedrückt, die Spuren davon sind in der Stadt bis heute deutlich sichtbar. Gleichzeitig war er prunksüchtig und korrupt. Und er war fanatischer Antisemit, hetzte gegen jüdische Menschen und trug so mit zum Holocaust bei. Als einer er Hauptangeklagten im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess beging Ley im Gefängnis Selbstmord. Wie er dabei vorging, auch das schildert Axel Spilcker detailreich.

„Wie hat Robert Ley es geschafft, sich aus einfachen Verhältnissen so hochzuarbeiten“, will eine Zuhörerin wissen. Spilcker holt ein wenig aus, erzählt von den ärmlichen Familienverhältnissen, und dass Robert Leys Vater wegen Brandstiftung und Versicherungsbetrugs vier Jahre im Gefängnis saß. Robert Ley habe immer viele Ideen gehabt, teils ziemlich abstruse. So habe er Waldbröl zu einer Großstadt ausbauen wollen, inklusive einer U-Bahn. #

Als ein guter Redner, der die Menschen in Oberberg kannte und der als „einer aus dem Volk“ galt, war die NSDAP unter ihrem Gauleiter Robert Ley in Oberberg schon vor 1933 sehr erfolgreich. Zudem war er Hitler geradezu hündisch treu ergeben, beides wurde belohnt, auch mit üppigen Geldgeschenken. So konnte Robert Ley Gut Rottland samt 125 Hektar Land kaufen, das er zu einem Musterbauernhof umgestalten wollte.

Fragen zu Gut Rottland

Auch hierzu kamen Fragen aus dem Publikum. 1945 wurde Ley enteignet, das Gut fiel erst an die britschen Besatzungstruppen, dann an das Bundesland NRW. Doch Leys Schwiegervater Max Spilcker klagte vor dem Bonner Landgericht auf Herausgabe, mit Erfolg. Axel Spilcker konnte für sein Buch die Prozessunterlagen, die ihm seine Mutter hinterlassen hatte, auswerten.

Im Waldbröler Stadtarchiv hat Dieter Rath Hinweise darauf gefunden, dass Anlieger der Hochstraße in Waldbröl in den 1930er Jahren gezwungen wurden, ihre Grundstücke und Häuser zu verkaufen, weil Ley die Straße zu einem Prachtboulevard ausbauen wollte. Dazu zählt auch das sogenannte „Zuccalmaglio-Haus“ an der Hochstraße 11. Axel Spilcker bedankt sich für den Hinweis, das sei auch für ihn neu. Zugleich bittet er um Verständnis, dass ein gut 300 Seiten starkes Buch nicht alle Aspekte erschöpfend behandeln könne.

Spannend wird die Diskussion, als es um die Frage der Verantwortung geht und wie die Familie damit umging. Axel Spilcker nimmt kein Blatt vor den Mund. In seiner Familie habe man lange von Leys Verbrechen nichts wissen wollen, sondern ihn glorifiziert. Auch seine Tante Renate, Roberts Leys erste Tochter, zähle leider dazu.

Eine Frau aus dem Publikum greift diesen Punkt auf. „Ihr Großvater hatte einen engen Freundeskreis in Waldbröl, der mitgeholfen hat, dass die NSDAP so stark wurde“, sagt sie. Auch ihre Großeltern hätten dazu gehört. Doch in vielen Familien in Waldbröl werde dieses heikle Thema bis heute totgeschwiegen.

Zum Schluss gab es viel Applaus für Axel Spilcker und die Organisatoren des Abends: die Oberbergische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die Stadtbücherei Waldbröl, den Förderverein „Lieber Lesen“, die Demokratiekirche Oberberg und das Katholische Bildungswerk.