Nach dem Abschied von Bäckermeister Dietmar Schmidt hat das Familienunternehmen dessen Filialen und das Personal übernommen. Auch ein Café gibt es.
LebensmittelDie Mühlenbäckerei aus Westerburg hat in Waldbröl drei neue Standorte

Die Filiale an der Waldbröler Kaiserstraße ist der größte der drei Standorte, die jüngst von der Westerburger Mühlenbäckerei übernommen worden sind. Dort sind zurzeit auch Verkaufstrainerin Isabella Koenig (links) und Bezirksleiterin Manuela Pötzsch im Einsatz.
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Die Angst ist umgegangen in Waldbröl: Plötzlich könnte es kein Schwarzbrot mehr geben – zumindest nicht dort, wo zuvor der Bäckermeister Dietmar Schmidt bis zum Jahresende seine Waren ausgebreitet hat. Da nämlich ist der heute 75 Jahre alte Nümbrechter in den Ruhestand gegangen, seine Ladenkette „Dein Handwerksbäcker“ hat sich neuaufgestellt und verkleinert: Alle drei Marktstädter Filialen hat das Unternehmen „Die Mühlenbäcker“ aus Westerburg im Westerwaldkreis übernommen.
Und Bezirksleiterin Manuela Pötzsch beruhigt prompt: „Wir haben nun auch Schwarzbrot im Sortiment.“ Das ist quadratisch, saftig aus Roggenvollkornschrot und mit ein bisschen Apfel, knusprig: „Auf die Kruste haben wir besonders großen Wert gelegt.“
Die Freundschaft zwischen der Bäckerfamilie aus Nümbrecht und den neuen Betreibern aus Westerburg führte zur Übernahme
50 Filialen hat die Mühlenbäckerei bis dahin, die nördlichste davon in Wissen an der Sieg. Die drei in Waldbröl liegen nun noch höher im Norden und sind zugleich die ersten in Oberberg. Die Freundschaft der Inhaberfamilie um Seniorchef Rudolf Jung zur Nümbrechter Bäckerfamilie Schmidt habe zu dieser Übernahme geführt, verrät die 50-jährige Pötzsch. „Gleichwohl ist eine lange Zeit des Überlegens und der Vorbereitung vorausgegangen. Denn gleich drei Standorte zu eröffnen, das ist heute durchaus ein Risiko.“
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Zuerst sind in Waldbröl die Geschäfte an der Bahnhofstraße 4 und an der Wiehler Straße 20 in Betrieb gegangen, jüngst gefolgt ist die Filiale an der Kaiserstraße 94 unter deren Dach sich auch ein gemütliches, in warmen Farben gehaltenes Café mit 40 Plätzen drinnen und 37 Plätzen draußen findet. Dort ist alles neugemacht, das Innere des Gebäudes ist von Grund auf saniert und umgekrempelt worden.
30 Beschäftigte haben in diesen Läden ihren Arbeitsplatz. Die meisten standen bereits in Diensten von Bäcker Schmidt. „Und wir stellen weiterhin ein“, betont Pötzsch. Zurzeit sorgt die Verkaufstrainerin Isabella Koenig an der Kaiserstraße noch dafür, dass das Team die neuen Waren und die neue Technik kennenlernt.
Die Filialen in Waldbröl sind in Sachen Snacks vor allem auf den mobilen Genuss ausgerichtet
Gebacken und hergestellt wird alles am Hauptsitz im fast 60 Kilometer entfernten Westerburg, in einer Tag- und einer Nachtschicht. Brötchen etwa werden als Teiglinge nach Waldbröl geliefert und dort in den Ofen geschoben. „Belegt wird aber alles immer an Ort und Stelle“, sagt Pötzsch. Dazu gehört auch die eckige Pizza. Überhaupt ist das Angebot der Mühlenbäckerei – neben der Backware – stark auf Belegtes und den mobilen Genuss „auf der Hand“ insgesamt ausgerichtet.
Das Roggenmehl, das dafür verarbeitet wird, kommt auch heute noch aus der eigenen Herstellung: Zur Familie Jung gehören nach eigenen Angaben seit dem Jahr 1615 Müller und seit 1889 dann auch Bäcker. Die Mühle dreht sich bereits seit 1610 in der heutigen Stadt Westerburg. Seit 2018 hat die zwölfte Generation um die Geschäftsführer Martin Jung und Verena Moser (geborene Jung) nun das Sagen im Unternehmen.
Unter den drei neuen Waldbröler Filialen ist die an der Bahnhofstraße die kleinste: Neben dem üblichen Warenangebot sollen dort belegte Brötchen den Hunger unterwegs stillen, „etwa den vom Handwerker in der Frühstückspause“, erklärt Manuela Pötzsch. An der Wiehler Straße ist die Speisekarte deutlich größer, dort gibt es einen Café-Bereich – zum Beispiel für die Kundschaft des benachbarten Baucenters Cronrath, denen zwischen Gartenzaun und Dachziegel der Magen knurrt.
An der Kaiserstraße sind im großen Café dagegen gemütliche Auszeiten zum Frühstück oder bei Kaffee und Kuchen angesagt, üppig ist die Tortenauswahl. Bezirksleiterin Pötzsch hat bereits einen klaren Waldbröler Favoriten ausgemacht: Winterapfel. „Da kommen wir gerade mit dem Backen nicht mehr hinterher.“


