Das Landesamt für Natur und Umwelt sichtet aktuell Meldungen, um die Wolfssichtung offiziell zu bestätigen.
Sichtung in LeverkusenSchlebuscher Wolf war wohl auf der Durchreise

Der mutmaßliche Wolf wurde am Samstag auf einem Video auf der Odenthaler Straße in Schlebusch festgehalten.
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Das Tier, das ausgerechnet am Karnevalssamstag durch Leverkusen gezogen ist, bleibt weiter Gesprächsthema in der Stadt. Bislang ist nicht offiziell bestätigt, dass es sich wirklich um einen Wolf gehandelt hat. Augenzeugen, wie der Einsatzleiter am Schlebuscher Karnevalszug, Tim Feister, sind allerdings davon überzeugt. Für eine offizielle Einordnung müssten Fotos und Videos an das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) eingereicht und eingehend von Experten des Bundes geprüft werden, erklärt Wilhelm Deitermann vom Lanuk. „Bis das nicht geschehen ist, ist alles unbestätigt.“

Jungwölfe in einem Gehege: Die Ähnlichkeit zu dem Tier in dem Video ist deutlich zu erkennen.
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Am Wochenende seien über das digitale Meldeformular der Behörde sieben Meldungen abgegeben worden, sechs am Samstag und eine am Sonntag. Diese werden nun anhand der bundesweit geltenden Monitoringkriterien der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zu einer Experteneinschätzung zusammengeführt. „Bis dahin bleibt der Fall im Status ‚Wolf kann nicht ausgeschlossen werden‘“, sagt Deitermann.
Wolf in Schlebusch gesichtet
Klar ist: Leverkusen ist kein Wolfsgebiet. Solche werden ausgewiesen, wenn sich nachweislich ein oder mehrere Wölfe dauerhaft angesiedelt haben. Im weiteren Umkreis von Leverkusen gibt es drei solche Gebiete: die Region Eifel–Hohes Venn und die Rureifel, wo sich vor allem Jungtiere aus belgischen Rudeln ansiedeln, sowie das Oberbergische Land, das als stabiles Wolfsgebiet im Rheinland zählt.
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Jungwölfe suchen neues Revier
Im Alter von rund zwei Jahren verlassen Jungwölfe ihr Rudel, um sich auf die Suche nach einem eigenen Territorium und Partner zu machen. Ein natürlicher Korridor für die teilweise viele Kilometer weiten Wanderungen liegt zwischen Eifel, Siegtal und Bergischem Land – also genau durch jene Landschaften, die Leverkusen umgeben. Je mehr Wölfe sich in der Region ansiedeln, desto wahrscheinlicher sind Sichtungen im Stadtgebiet. Leverkusen sei dabei aber kein Ziel, sondern eine Durchgangsstation.
Für den Menschen sei ein gesunder Wolf nicht gefährlich, betont die Behörde (siehe Infobox). Sorgen machen sich aber nach der jüngsten Sichtung Leverkusener Nutztierhalter, wie zum Beispiel Christina Goos. Sie hält eine Schafherde am Leimbacher Hof, dieser liegt direkt an der Odenthaler Straße, auf der das Tier am Samstag per Video aufgenommen wurde. „Natürlich mache ich mir da Sorgen um unsere Schafe“, sagt sie.
Sollte es sich am Rande des Schlebuscher Karnevalszugs wirklich um einen Wolf gehandelt haben, geht Deitermann davon aus, dass das Tier sich nicht freiwillig dem Trubel genähert habe. „Ein Wolf wird immer versuchen, sich vom Menschen fernzuhalten. Er würde sich nicht aktiv Menschenansammlungen nähern, sondern versuchen, sich zu entfernen.“ Ein Wolf, ebenso wie jedes andere Wildtier, brauche Raum, um sich selbstständig von einer solchen für ihn unangenehmen Situation befreien zu können. Dies sei am Samstag seiner Einschätzung nach dann auch passiert, als dem Tier die Möglichkeit gegeben wurde, sich selbsttätig zu entfernen.
Verhalten bei Wolfsbegegnung
Allgemein weist die Informationsseite „Wolf in NRW“ darauf hin, dass von einem wildlebenden Wolf in der Regel keine Gefahr für Menschen ausgeht. Berichte über Angriffe aus früheren Jahrhunderten ließen sich zum größten Teil auf tollwütige Wölfe zurückführen. Deutschland ist infolge der Ausbringung von Impfködern seit 2008 tollwutfrei. „Wölfe interessieren sich schlicht nicht für uns Menschen – weder nehmen sie uns als Beutetiere noch als Artgenossen wahr“, schreibt das Lanuk. Bei einer Begegnung könnten Welpen neugieriger und unbedarfter sein als ältere Wölfe, generell würden die Tiere den Menschen aber zuerst wahrnehmen und sich entfernen. Sollte es doch zu einer Begegnung kommen, solle man sich ruhig verhalten und das Tier weiterziehen lassen oder sich langsam rückwärts entfernen. Sichtungen mit Tierbeschreibung sollten dann an das Lanuk gemeldet werden – Fotos oder Videos seien auch hilfreich, aber nur, wenn man sich dem Tier dafür nicht weiter nähern muss. (stes)

