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Karnevalszug gestopptLeverkusener Einsatzleiter: „Plötzlich stand der Wolf einen Meter neben mir“

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Tim Feister berichtet über die Begegnung mit dem Wolf auf dem Schlebuscher Zug

Tim Feister berichtet über die Begegnung mit dem Wolf auf dem Schlebuscher Zug.

Tim Feister, Einsatzleiter im Schlebuscher Karneval, bestätigt die Meldung über das Tier.

Schon gegen Mittag erreicht die Einsatzkräfte am Rande des Schlebuscher Karnevalszugs die Meldung, dass in der Region ein Wolf gesichtet worden sei. Zunächst in Monheim, dann auch in Küppersteg: Es bestehe die Vermutung, dass es das gleiche Tier auf Wanderschaft sei.

„Ich habe in der Einsatzbesprechung schon gesagt: Da müssen wir ein bisschen die Augen offenhalten. Nicht, dass der hier in Schlebusch auftaucht“, berichtet Tim Feister, der Chef der Leverkusener Malteser. Er ist seit 13 Jahren Einsatzleiter im Schlebuscher Karneval. „Aber eigentlich waren wir uns alle einig, dass das nicht passieren wird, weil der Angst vor Menschenmassen hat.“

Der Zug nimmt seinen Lauf, rund 38.000 Menschen schätzt die Polizei an der Zugstrecke. Feister steht entspannt an der Einfahrt zur Fußgängerzone, alles läuft nach Plan. „Und plötzlich läuft einen Meter neben mir der Wolf vorbei“, erinnert er sich am nächsten Morgen. Auch ein Kollege von der Security habe gerufen: „Da ist ein Wolf!“ Feister habe zunächst über Funk die Polizei informiert, dann habe er mit Kollegen versucht, das Tier mit Gittern vom Zugweg wegzutreiben. „Mein erster Gedanke war: Wir müssen die Bevölkerung schützen.“

Er rannte mit hoher Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone, die Polizei hinterher
Tim Feister, Einsatzleiter

Ihm sei klar gewesen, dass von dem Wolf an sich nicht die größte Gefahr ausgehe. „Die Gefahr ist, dass eine Panik in den Menschenmassen entsteht und man nicht weiß, wie Mensch und Tier dann reagieren.“ Von den Gittern allerdings wollte der Wolf sich nicht die Richtung vorgeben lassen und flüchtete durch eine Lücke – ausgerechnet direkt in die Fußgängerzone. „Er rannte mit hoher Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone, die Polizei hinterher“, berichtet Feister.

Am Lindenplatz begegnete Feister dem Wolf, von hier aus sei er in die Fußgängerzone gelaufen

Am Lindenplatz begegnete Feister dem Wolf, von hier aus sei er in die Fußgängerzone gelaufen

Die Feuerwehr habe sich mit Schlingen in Stellung gebracht, auch die Jägerschaft sei informiert worden. Natürlich nicht, um zu schießen, betont Feister. Letztlich entfernte das Tier sich selbst aus dem Karnevalszentrum, Feister meint, Richtung Bergisches Land. Ein Video in sozialen Medien zeigt das Tier, wie es über die Odenthaler Straße aus Schlebusch wegrennt. Auch Sichtungen in Wiesdorf werden später im Netz geteilt. Der Zug kann nach kurzem Stopp weiterrollen, der Wolf wird nicht mehr gesehen.

„Ich bin froh, dass alle so besonnen reagiert haben“, sagt Feister nach seinem letzten Dienst als Einsatzleiter im Schlebuscher Karneval – das hatte er schon vor dem Wolfs-Vorfall entschieden. Im Nachhinein sei das natürlich eine lustig zu erzählende Anekdote vom letzten Einsatztag. „Wenn ich das nächstes Jahr erzähle, glaubt das ja keiner mehr.“

In dem Moment allerdings sei die Lage bei ihm und seinen Kollegen schon „extrem angespannt“ gewesen. „So eine Situation hat man ja noch nie erlebt und auch nicht geübt.“ Aber der Einsatz habe gezeigt, dass das Team aus Polizei, Ordnungsamt und Rettungsdiensten auch funktioniere, wenn eine Lage komplett neu ist.

Die Polizei bestätigt noch nicht offiziell, dass es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf gehandelt habe. Feister allerdings ist davon überzeugt: „Der stand einen Meter neben mir, das war ein Wolf.“